
Backstreet Boys in Mannheim: 9.500 Stimmen, ein Abend voller Popgeschichte
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Backstreet Boys in Mannheim und eine SAP Arena, die schon lange vor dem ersten Song im Ausnahmezustand war. Am 20. März 2014 kamen Nick Carter, AJ McLean, Howie Dorough, Brian Littrell und Kevin Richardson mit ihrer „In A World Like This Tour“ nach Mannheim. Rund 9.500 Fans füllten die ausverkaufte Arena, einige der treuesten Anhänger hatten nach Angaben der SAP Arena schon am frühen Morgen vor den Eingängen ausgeharrt, um möglichst weit nach vorne zu kommen. Als am Abend schließlich alle fünf gemeinsam auf der Bühne standen, war von der oft etwas abwertend benutzten Bezeichnung „Boyband“ nicht mehr viel übrig. Hier standen fünf Männer, deren Songs einen beträchtlichen Teil der Popgeschichte der vergangenen zwei Jahrzehnte begleitet hatten.
Für mich war schon beim Blick durch die Kamera interessant, wie selbstverständlich diese fünf noch immer zusammen funktionierten. Natürlich ging bei Nick Carter jede Bewegung durch die ersten Reihen, AJ McLean brachte seine rauere Art hinein, Brian Littrell suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum, während Howie Dorough und Kevin Richardson das Bild komplettierten. Aber der eigentliche Eindruck entstand erst gemeinsam. Choreografien, Stimmen, Blicke untereinander. Vieles saß noch immer erstaunlich präzise, ohne dass die Show wie eine bloße Wiederholung der Neunziger wirkte.
Backstreet Boys wieder zu fünft auf der Bühne
Die „In A World Like This Tour“ hatte einen besonderen Stellenwert. Kevin Richardson war zurück, und damit standen die Backstreet Boys wieder in ihrer klassischen Besetzung vor dem europäischen Publikum. Mannheim war eines von fünf zunächst angekündigten Deutschlandkonzerten dieser Tournee und bereits der zweite Besuch der Band in der SAP Arena. Einen Abend zuvor hatten sie im Züricher Hallenstadion gespielt, nach Mannheim führte die Tour weiter nach Antwerpen.
Genau diese komplette Besetzung gab dem Abend etwas Besonderes. Wer die Backstreet Boys seit den Neunzigern verfolgt hatte, kannte die Stimmen einzeln, wusste, wer welche Passage übernimmt, und wartete auf bestimmte Harmonien. In der Arena musste man dafür nur in die Ränge schauen. Da standen längst nicht ausschließlich Teenager, sondern viele Fans, die mit dieser Musik erwachsen geworden waren und jede Menge Erinnerungen mitgebracht hatten. Wenn dann fünf Stimmen gemeinsam einsetzen und Tausende sofort mitsingen, entsteht eine Lautstärke, die selbst eine große Arena plötzlich ziemlich klein wirken lässt.
Zwischen „In A World Like This“ und den großen Hits
Die Tour war keine reine Nostalgieveranstaltung. Mit „In A World Like This“ hatten die Backstreet Boys im Juli 2013 ein neues Album veröffentlicht, das in Deutschland bis auf Platz drei der Charts kam. Songs des aktuellen Albums standen deshalb gleichberechtigt neben dem Material, das die Band weltweit groß gemacht hatte. Und genau darin lag für mich die interessante Spannung des Abends: Sobald neues Material erklang, hörte das Publikum konzentriert zu. Bei den bekannten Melodien änderte sich die Atmosphäre dagegen innerhalb von Sekunden.
Der Katalog war schließlich gewaltig. „As Long As You Love Me“, „Show Me the Meaning of Being Lonely“, „I Want It That Way“, „Everybody (Backstreet’s Back)“ oder „Larger Than Life“ gehörten zum festen Programm dieser Tourphase und standen neben neuen Titeln wie „Permanent Stain“, „Show ’Em (What You’re Made Of)“, „Breathe“, „Madeleine“ und dem Titelsong „In A World Like This“. Vergleichbare Deutschlandshows derselben Tour dokumentieren ein Programm mit mehr als 20 Songs. Das war keine kurze Best-of-Runde, sondern ein kompletter Abend zwischen Gegenwart und den Songs, auf die ein großer Teil der Halle gewartet hatte.
Der Akustikteil zeigt eine andere Seite
Einer der Momente, die sich für mich klar vom Rest der Show abhoben, kam, als die fünf selbst zu den Instrumenten griffen. Plötzlich wurde aus der großen Arenaproduktion eine wesentlich ruhigere Angelegenheit. Kevin Richardson am Keyboard, Brian Littrell und Nick Carter an Akustikgitarren, Howie Dorough am Bass und AJ McLean an Percussion: Dieser Teil gehörte zum Konzept der Tour und zeigte die Gruppe bewusst abseits der großen Choreografien. Auch die SAP Arena erinnerte später ausdrücklich an die Akustikversionen als Besonderheit des Mannheimer Konzerts.
Gerade aus Fotografensicht war dieser Wechsel spannend. Vorher viel Bewegung, Licht und exakt gesetzte Positionen, dann plötzlich fünf Musiker, die enger zusammenrückten und den Songs mehr Raum ließen. Für ein paar Minuten verschob sich die Wahrnehmung komplett. Man hörte genauer auf die Stimmen. Und man merkte, dass hinter all den perfekt einstudierten Popmomenten eben auch eine Vocal-Gruppe steckt, deren mehrstimmiger Gesang immer der eigentliche Kern der Backstreet Boys gewesen ist.
9.500 Fans und sehr viel Erinnerung
Den Abend eröffnet hatte The Exchange, eine US-amerikanische A-cappella-Gruppe, die die Backstreet Boys auf diesem Teil der Europatour begleitete. Danach gehörte die SAP Arena aber vollständig Nick, AJ, Howie, Brian und Kevin. Und spätestens jetzt wurde deutlich, wie wenig Sinn es machte, die Backstreet Boys 2014 nur über Nostalgie zu erklären. Natürlich lebte ein Teil des Abends von Erinnerungen. Das durfte er auch. Aber die fünf behandelten ihre Vergangenheit nicht wie ein Museumsstück.
Vor meiner Kamera standen keine Teenageridole mehr. Da standen Musiker, die seit 1993 zusammen eine ziemlich außergewöhnliche Karriere hinter sich gebracht hatten und trotzdem noch genau wussten, wie man eine Arena auf Spannung hält. Die großen Gesten waren da, die Choreografien ebenso, aber immer wieder gab es diese kurzen Momente, in denen ein Blick ins Publikum reichte und sofort die nächste Welle an Schreien zurückkam.
9.500 Menschen sangen, klatschten und feierten eine Band, deren Songs für viele längst mit ganz persönlichen Erinnerungen verbunden waren. Und als die großen Refrains durch die SAP Arena gingen, brauchte niemand mehr darüber zu diskutieren, ob die Neunziger nun endgültig vorbei waren. An diesem Donnerstagabend waren sie in Mannheim für ein paar Stunden wieder verdammt nah.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













