Dieter Thomas Kuhn feiert Schlagerparty in Friedberg

Dieter Thomas Kuhn in Friedberg: Schlager, Liebe und ganz viel Hossa

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Die ersten Takte reichen. Schon bei „Sag mir quando, sag mir wann“ singt die Seewiese geschlossen mit, vor der Bühne wird getanzt und aus einem normalen Freitagabend ist innerhalb weniger Minuten eine große Schlagerparty geworden. Am 12. Juli 2024 gastierten Dieter Thomas Kuhn & Band beim Friedberg Open Air und machten ihrem Tourmotto „Das Festival der Liebe“ ziemlich schnell alle Ehre. Der Abend auf der Seewiese war unbestuhlt angesetzt, Konzertbeginn war um 20 Uhr.

Kuhn steht vorne, die Band legt nach, der nächste bekannte Refrain kommt. Lange Pausen braucht hier niemand.

Von „Hello Again“ bis „Griechischer Wein“

Nach dem Intro und „Sag mir quando, sag mir wann“ folgt mit „Hello Again“ schon einer dieser Songs, bei denen das Publikum kaum auf eine Einladung zum Mitsingen warten muss. „Michaela“ schiebt die Stimmung weiter an, dann wird es bei „Griechischer Wein“ plötzlich fast feierlich.

Hunderte Stimmen treffen aufeinander. Manche sauber, andere eher mit Begeisterung als mit Treffsicherheit. Völlig egal.

Genau davon leben diese Konzerte.

Dieter Thomas Kuhn nimmt bekannte deutsche Schlager und behandelt sie weder ehrfürchtig noch ironisch von oben herab. Er macht daraus seine eigene Show. Mehr Tempo, mehr Glamour, mehr Bewegung. Und seine Band trägt diesen Ansatz mit einer Präzision, die hinter all dem Spaß leicht übersehen wird.

Dass dieser Abend länger werden würde, war früh zu ahnen. Das Friedberg Open Air sprach nach dem Konzert selbst von einem fast dreistündigen Schlagerfest.

Ein Hit jagt den nächsten auf der Seewiese

Mit „Am Tag als Conny Kramer starb“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ geht es weiter. Kaum ist ein Refrain vorbei, steht schon der nächste Klassiker bereit.

Dann „Ich war noch niemals in New York“.

Jetzt wird aus Mitsingen für einige Minuten regelrechtes Grölen. Arme gehen hoch, vor der Bühne wird geschunkelt, getanzt und gefeiert. Das Programm kennt kaum Leerlauf.

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ passt ohnehin zu einem Open-Air-Abend, danach folgen „Der Junge mit der Mundharmonika“ und „Über den Wolken“. Bei letzterem wird es für einen Moment ruhiger. Nicht still. Dafür ist dieser Abend zu ausgelassen. Aber die Stimmung kippt kurz von Party in gemeinsames Erinnern.

Viele dieser Songs sind älter als ein Teil des Publikums. Trotzdem funktionieren sie.

Das ist vielleicht das Merkwürdigste an Dieter Thomas Kuhn: Ein Konzert voller Schlager aus vergangenen Jahrzehnten wirkt bei ihm nicht wie eine Oldieshow. Es fühlt sich eher an wie eine sehr laute, sehr bunte Parallelwelt.

Dieter Thomas Kuhn macht aus Schlagern eine Bühnenshow

Kuhn begann mit seiner Band Anfang der 1990er-Jahre, deutschen Schlager der 1970er-Jahre neu zu interpretieren. Was zunächst als vergleichsweise kleines Projekt startete, entwickelte sich schnell zu großen Hallen- und Open-Air-Shows. 1998 erhielten Dieter Thomas Kuhn & Band einen Echo. Nach einem zwischenzeitlichen Abschied kehrte Kuhn 2004 mit seinem Schlagerprogramm zurück.

Zwanzig Jahre später steht er in Friedberg und es wirkt nicht so, als wäre die Lust daran kleiner geworden.

„Die kleine Kneipe“, „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“ und „Amore mio“ treiben den Abend weiter. Bei „Ich liebe das Leben“ ist der Titel fast schon Programm.

Dann „Über sieben Brücken mußt Du gehn“.

Die Band lässt den Songs Raum, ohne den Druck aus dem Konzert zu nehmen. Gitarren, Bläser, Rhythmusgruppe und Kuhns Stimme greifen ineinander, während vor der Bühne längst niemand mehr mitzählt, wie viele bekannte Refrains an diesem Abend schon vorbeigekommen sind.

Zwei Zugabenblöcke reichen den Fans noch immer nicht

Mit „Fremde oder Freunde“ endet zunächst der reguläre Teil.

Natürlich geht niemand.

Die Zugaberufe setzen sofort ein und Kuhn kommt mit seiner Band zurück. „Anita“ reicht, um die nächste Welle auszulösen. Danach „Ti amo“, „Liebe ohne Leiden“ und „Merci chérie“.

Vier Songs Zugabe wären normalerweise genug.

Nicht an diesem Abend.

Noch einmal kommt die Band zurück. Mit „Butterfly“ beginnt der zweite Zugabenblock, ehe „Tränen lügen nicht“ schließlich den Schlusspunkt unter einen Konzertabend setzt, der kaum eine Verschnaufpause kannte.

Die Seewiese ist zu diesem Zeitpunkt längst keine gewöhnliche Open-Air-Fläche mehr. Überall stehen Menschen, die noch immer mitsingen, lachen und tanzen. Die letzten Töne verklingen, aber die Energie hängt noch eine ganze Weile über dem Gelände.

Dieter Thomas Kuhn hatte Friedberg knapp drei Stunden lang fest im Griff.

Hossa.

Setlist von Dieter Thomas Kuhn in Friedberg

  1. Sag mir quando, sag mir wann
  2. Hello Again
  3. Michaela
  4. Griechischer Wein
  5. Am Tag als Conny Kramer starb
  6. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben
  7. Ich war noch niemals in New York
  8. Wann wird’s mal wieder richtig Sommer
  9. Der Junge mit der Mundharmonika
  10. Über den Wolken
  11. Die kleine Kneipe
  12. Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt
  13. Amore mio
  14. Ich liebe das Leben
  15. Über sieben Brücken mußt Du gehn
  16. Fremde oder Freunde

Zugabe:

  1. Anita
  2. Ti amo
  3. Liebe ohne Leiden
  4. Merci chérie

Zweite Zugabe:

  1. Butterfly
  2. Tränen lügen nicht

Text & Fotos © Jan Heesch

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