
Donots auf dem Schiffenberg: Punkrock, Schweiß und 30 Jahre Vollgas
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Schon beim Blick vor die Bühne war klar, dass dieser Freitagabend kein ruhiger Ausklang der Arbeitswoche werden würde. Am 30. August 2024 standen die Donots in Gießen beim Gießener Kultursommer auf dem Schiffenberg. Und das ausgerechnet in ihrem Jubiläumsjahr: 30 Jahre Donots. Bevor Ingo Knollmann und seine Band loslegen durften, machten Adam Angst und Sondaschule den historischen Klosterhof punkrocktauglich. Beide gehörten offiziell zum Line-up des Abends.
Das Gelände war früh gut gefüllt. Schwarze Shirts, Donots-Logos aus verschiedenen Bandphasen, Bierbecher in der Hand. Vorne rückten die Reihen immer dichter zusammen. Nach Feine Sahne Fischfilet am Vorabend bekam der Schiffenberg damit innerhalb von 24 Stunden gleich die nächste ziemlich intensive Punkrock-Behandlung.
Adam Angst und Sondaschule machen früh Druck
Adam Angst mussten das Publikum nicht lange bitten. Die Band um Felix Schönfuss steht für Punkrock mit klaren Texten und einer ordentlichen Portion Wut. An diesem Abend passte das als Einstieg perfekt. Noch war genug Platz vor der Bühne, doch die ersten Reihen gingen bereits mit, Fäuste kamen hoch, die Zurückhaltung verschwand schnell.
Wer im ursprünglichen Line-up nur Adam Angst als Support abgespeichert hatte, übersieht allerdings eine wichtige Band: Auch Sondaschule standen an diesem Abend auf dem Schiffenberg. Der Veranstalter hatte die Kombination aus Donots, Sondaschule und Adam Angst bereits vor dem Konzert bestätigt.
Mit Sondaschule wurde die Stimmung noch einmal ausgelassener. Ska-Punk funktioniert bei einem warmen Open-Air-Abend ziemlich zuverlässig. Bläser, schnelle Gitarren, Bewegung. Vor der Bühne wurde getanzt, gesprungen und laut mitgesungen. Als danach umgebaut wurde, war von klassischer Support-Atmosphäre längst keine Rede mehr.
Jetzt warteten alle auf die Geburtstagskinder.
„Auf sie mit Gebrüll“ und sofort geht alles nach vorne
Nach „Heut ist ein guter Tag“ vom Band gab es kein vorsichtiges Herantasten. „Auf sie mit Gebrüll“ eröffnete das Donots-Set, direkt danach kamen „Calling“ und „Wake the Dogs“.
Ingo Knollmann war sofort unterwegs.
Bühnenkante. Zurück zur Band. Wieder nach vorne. Hände Richtung Publikum, dann das Mikrofon raus zu den Fans. Guido Knollmann und die restliche Band hielten dahinter den Druck konstant hoch. Die Donots sind keine Band, bei der man nach drei Songs das Gefühl bekommt, jetzt sei die Show eingerichtet. Es wirkt immer ein bisschen so, als könnte im nächsten Moment irgendetwas passieren.
„Dead Man Walking“, „Pick Up the Pieces“ und „Apokalypse Stehplatz Innenraum“ ließen daran keinen Zweifel. Vorne wurde geschoben, gesprungen und geschwitzt. Wer ein paar Reihen weiter hinten stand, bekam trotzdem genügend davon mit. Der Schiffenberg ist kompakt genug, dass selbst die hinteren Bereiche nicht völlig vom Geschehen abgekoppelt wirken.
Von Blur bis „Stop the Clocks“
Dann plötzlich diese vertrauten Gitarren.
Mit „Song 2“ von Blur bauten die Donots einen kurzen Ausflug in die 90er ein. Zwei Minuten, ein „Woo-hoo“ und der gesamte Platz wusste, was zu tun war. Danach ging es mit „Ich mach nicht mehr mit“, „Dann ohne mich“ und „Augen sehen“ zurück in den eigenen Katalog.
Gerade die Mischung aus englischen und deutschen Songs zeigte, wie breit 30 Jahre Donots inzwischen geworden sind. Hier „Solid Gold“, dort „Problem kein Problem“. Dazwischen „Stop the Clocks“, bei dem der Schiffenberg deutlich mehr Chor als Publikum war.
Und immer wieder diese Verbindung nach vorne. Ingo Knollmann erzählt nicht minutenlang darüber, wie wichtig ihm das Publikum ist. Er geht hin. Direkt an die Kante, hinein in die Reaktionen, ständig auf der Suche nach dem nächsten Moment, der den Abend aus dem üblichen Tourablauf herausreißt.
Bei „Kaputt“ kommen Sondaschule zurück
Einer dieser Momente entstand bei „Kaputt“. Musiker von Sondaschule kamen noch einmal dazu und machten aus dem Song eine gemeinsame Punkrock-Party. Auch die Donots selbst erinnerten sich nach dem Konzert ausdrücklich an Sondaschule, Adam Angst und einen weiteren Überraschungsauftritt von Schrappmesser.
Später standen „Hunde los“, „Saccharine Smile“ und natürlich „Whatever Happened to the 80s“ auf der Setlist. Einer jener Songs, bei denen sich plötzlich Fans wiederfinden, die die Donots vielleicht schon Anfang der 2000er gesehen haben. Daneben springen Menschen, die damals noch nicht einmal geboren waren.
30 Jahre Bandgeschichte können ziemlich alt aussehen.
Hier taten sie es nicht.
Schrappmesser tauchen in der Zugabe auf
Auch die Zugabe blieb nicht brav. Nach „Keiner kommt hier lebend raus“ und „Piano Mortale“ folgte ein kurzer Auftritt von Schrappmesser. Gemeinsam wurde „Auf alles reimt sich saufen, zum Beispiel auf Bier“ gespielt. Der Gastauftritt ist sowohl in der Setlist als auch in zeitgenössischen Konzertreaktionen dokumentiert.
Danach kamen die großen letzten Meter.
„Eine letzte letzte Runde“. „We’re Not Gonna Take It“ von Twisted Sister. Und schließlich „So Long“.
Noch einmal Arme oben. Noch einmal alles raus.
Als die Bühne dunkel wurde, standen vor ihr verschwitzte Menschen, leere Becher lagen auf dem Boden und irgendwo wurde der letzte Refrain weitergesungen. Die alten Mauern des Schiffenbergs hatten wieder einiges ausgehalten.
Text & Foto © Jan Jeesch














