Feine Sahne Fischfilet in Gießen beim Kultursommer auf dem Schiffenberg

Feine Sahne Fischfilet auf dem Schiffenberg: Punk, Bengalos und Schweiß

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Leere Bierdosen vor dem Eingang, schwarze Shirts auf dem Gelände und schon früh deutlich mehr Bewegung als bei manchem Konzert der Tage zuvor. Am 29. August 2024 standen Feine Sahne Fischfilet in Gießen beim ausverkauften Gießener Kultursommer auf der Bühne. Rund 4.900 Menschen kamen auf den Schiffenberg, dazu mit Elfmorgen und Dritte Wahl zwei Support-Acts, die aus diesem Donnerstagabend von Beginn an einen Punkabend machten.

Es war warm. Sehr warm. Entsprechend schnell klebten die ersten Shirts am Körper, während vor der Bühne die Reihen immer dichter wurden. Der Veranstalter hatte das Konzert als unbestuhlte Show angesetzt, und genau so musste es auch sein. Sitzen hätte hier ohnehin niemand lange ausgehalten.

Elfmorgen und Dritte Wahl legen früh den Schalter um

Den Anfang machten Elfmorgen. Viel Zeit zum vorsichtigen Kennenlernen blieb nicht. Gitarren an, Schlagzeug nach vorne, erste Fäuste hoch. Die Band gehörte offiziell zum ausverkauften Line-up dieses Abends und brachte das Gelände früh auf Betriebstemperatur.

Danach wurde es politischer und noch eine Spur härter. Dritte Wahl brauchen nach mehr als drei Jahrzehnten Punkrock keine große Einführung. Die Rostocker spielen schnörkellos, laut und mit jener Mischung aus Punk, Metal-Einschlag und gesellschaftskritischen Texten, für die sie seit Jahren stehen. Schon vor dem Headliner wurde vor der Bühne mitgesungen, geschoben und geschwitzt.

Als Dritte Wahl fertig waren, war der Schiffenberg längst kein gemütlicher Open-Air-Platz mehr.

Dann kam Monchi.

Mit Feine Sahne Fischfilet kippt der Abend endgültig

Kaum standen Feine Sahne Fischfilet auf der Bühne, gingen im Publikum die ersten Bengalos an. Roter Rauch hing zwischen den Menschen, Becher flogen, Crowdsurfer wurden von der Menge Richtung Bühnengraben getragen und dort von der Security aufgefangen. Dafür war der Graben an diesem Abend sogar vergrößert worden. Ein schönes Bild für Fotos. Gleichzeitig eine Sache, bei der das Sicherheitspersonal sichtbar aufmerksam blieb, denn Pyrotechnik im Publikum war ausdrücklich verboten.

Monchi schaute über den Platz und brachte die Stimmung ziemlich treffend auf den Punkt: „Wir entweihen heute das Kloster hier, oder?“

Viel mehr Aufforderung brauchte es nicht.

Der Frontmann fegte in kurzer Hose und kariertem Hemd über die Bühne, kurbelte zwischendurch eine Sirene an und verteilte Bier Richtung erste Reihen. Vor ihm: ständig Bewegung. Wer fotografierte, musste immer wieder den Blick von der Bühne lösen, weil bereits der nächste Crowdsurfer über den Köpfen herankam.

Zwischen „Wasted in Jarmen“ und politischer Wut

Musikalisch mischte die Band ältere Stücke mit Songs des 2023 erschienenen Albums „Alles glänzt“. „Wasted in Jarmen“ gehörte ebenso zum Abend wie jene Nummern, bei denen kaum noch zu unterscheiden war, ob Monchi oder die 4.900 Menschen vor ihm gerade lauter sangen.

Die politische Seite der Band blieb dabei nicht draußen vor dem Klostertor. Monchi sprach über rechte Gewalt und bezog nach dem wenige Tage zuvor verübten Anschlag in Solingen klar Stellung gegen Faschismus und Terror. Das Publikum reagierte laut. Danach wurde weitergespielt. Nicht als abrupter Themenwechsel, sondern ziemlich genau in der Haltung, die Feine Sahne Fischfilet seit Jahren mit ihren Konzerten verbinden.

Und der Platz blieb in Bewegung.

Auf Kommando setzte sich zeitweise ein großer Teil der Menge hin. Sekunden später sprangen die Leute wieder hoch. Circle Pits öffneten sich, von hinten drückten weitere Fans Richtung Bühne. Der Sanitätsdienst hatte mehr zu tun als bei den meisten anderen Kultursommer-Abenden. Bei diesen Temperaturen war Wasser irgendwann wichtiger als der nächste Bierbecher.

„Komplett im Arsch“ passt an diesem Abend ziemlich gut

Je später es wurde, desto deutlicher sah man der Band und dem Publikum diesen Abend an. Monchis Hemd war komplett durchgeschwitzt, die ersten Reihen sahen kaum besser aus. Gerade deshalb funktionierte der Titel „Komplett im Arsch“ zum Ende fast wie eine Zustandsbeschreibung. Die Band hatte einen ihrer bekanntesten Songs bis weit nach hinten aufgehoben.

Doch ganz Schluss war damit noch nicht.

Mit „Don’t Look Back in Anger“ von Oasis bekam der Abend einen überraschend anderen letzten Ton. Nach Punk, Schweiß, politischen Ansagen, Bengalos und fliegenden Bechern sang der Schiffenberg plötzlich Britpop. Rund 5.000 Stimmen statt Moshpit.

Dann gingen die Lichter an.

Auf dem Boden lagen Becher, überall standen verschwitzte Menschen und vor dem Ausgang stapelten sich die leeren Dosen. Feine Sahne Fischfilet in Gießen hatten aus einem Donnerstagabend auf dem alten Klostergelände etwas gemacht, das sich deutlich weniger nach Kultursommer und für zwei Stunden eher nach einem ziemlich großen Punkclub anfühlte.

Text & Foto © Jan Heesch

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