Söhne Mannheims beim 20-jährigen Jubiläum am 7. November 2015 in der SAP Arena Mannheim

Söhne Mannheims in Mannheim: 20 Jahre für den guten Zweck

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Ein Countdown läuft über die Leinwand. Die Spannung steigt noch einmal, obwohl in der SAP Arena zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden Musik gemacht wird. Dann kommen sie. Die Söhne Mannheims stürmen auf ihre Heimbühne und eröffnen mit „Geh davon aus“, während rund 10.800 Besucher sofort noch einmal deutlich lauter werden. Der 7. November 2015 war schließlich kein gewöhnlicher Konzertabend: 20 Jahre Söhne Mannheims, 20 Jahre RTL-Spendenmarathon, 20 Jahre Dietmar Hopp Stiftung und zehn Jahre SAP Arena trafen bei der dritten Auflage von „Gemeinsam für unsere Kinder“ aufeinander.

Fast vier Stunden Musik machten aus dem Samstagabend eine große Mannheimer Familienfeier. Gregor Meyle eröffnete, Xavier Naidoo spielte anschließend sein eigenes Set und erst danach übernahm das komplette Kollektiv der Söhne Mannheims. Viel Programm. Aber kaum Leerlauf. Und hinter allem stand ein Zweck, der weit über den Konzertabend hinausging: Mit dem Erlös wurden Kinderhilfsprojekte in der Metropolregion Rhein-Neckar unterstützt.

Gregor Meyle eröffnet den Jubiläumsabend

Den ersten großen musikalischen Block übernahm Gregor Meyle, der längst eng mit Xavier Naidoo verbunden war. Nach „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ hatte sich der Singer-Songwriter ein deutlich größeres Publikum erspielt und brachte für Mannheim gleich mehrere Musiker aus dem Umfeld der Fernsehsendung mit. Die SAP Arena war zu diesem Zeitpunkt bereits gut gefüllt, Smartphone-Kameras gingen hoch, doch Meyle brauchte keine gewaltige Produktion. Gitarre, Stimme und eine Band, die ihm genügend Luft ließ, reichten.

Es war der passende Einstieg für einen Abend, der weniger nach klassischem Support-Headliner-Schema funktionierte als nach einem großen Treffen musikalischer Freunde. Genau das war angekündigt worden. Und spätestens als Xavier Naidoo anschließend die Bühne übernahm, wurde der lokale Bezug unüberhörbar. Mannheim feierte seine Musiker in ihrem eigenen Wohnzimmer.

Xavier Naidoo taucht die SAP Arena in Lichter

Einer der ruhigsten Momente des Abends gehörte „Bitte hör nicht auf zu träumen“. Gemeinsam mit RTL-Spendenmarathon-Moderator Wolfram Kons sang Xavier Naidoo die Zeilen, während tausende Smartphone-Lichter die abgedunkelte Arena füllten. Kein großer Effekt. Gerade deshalb stark. Danach ging es weit zurück in Naidoos Solokarriere: Mit „Freisein“ stand ein Song aus dem Jahr 1997 im Mittelpunkt, später folgten unter anderem „Dieser Weg“ und „Ich kenne nichts“.

Naidoo wechselte dabei zwischen leisen, fast intimen Passagen und Liedern, bei denen die ganze Halle mitsingen konnte. Bei „Dieser Weg“ erinnerte vieles an das Fußball-Sommermärchen 2006, mit dem der Titel für ein Millionenpublikum verbunden worden war. „Ich kenne nichts“ brachte dagegen die romantische Seite zurück. Doch selbst dieses umfangreiche Soloset fühlte sich an diesem Abend nur wie ein Teil der Geschichte an. Die Söhne warteten noch.

Die Söhne Mannheims feiern 20 Jahre Bandgeschichte

Dann der Countdown. „Geh davon aus“. Mehrere Stimmen, Rap, Soul, Rock und Reggae treffen gleichzeitig aufeinander, und plötzlich wirkt selbst die große SAP Arena fast zu klein für all die Musiker auf der Bühne. Die besondere Stärke der Söhne Mannheims wurde an diesem Abend wieder deutlich: Es gibt nicht den einen Frontmann, um den sich alles dreht. Stimmen wechseln, Musiker treten nach vorne und verschwinden wieder im Kollektiv, Songs können innerhalb weniger Minuten ihre komplette Dynamik verändern.

Auch Henning Wehland trieb die Stimmung immer wieder an. Der Ruf „Hier kommen die Söhne Mannheims“ brauchte in dieser Stadt natürlich keine weitere Erklärung. Wer die Band seit ihren Anfängen begleitet hatte, bekam 20 Jahre Geschichte praktisch vor der eigenen Haustür serviert. Soulballaden standen neben Rockpassagen, Rap traf auf Reggae, und bei den bekannten Refrains musste auf der Bühne längst nicht mehr jede Textzeile selbst übernommen werden.

Das Jubiläum hatte dabei einen besonderen Unterton. Die Söhne Mannheims waren 1995 gegründet worden und hatten mit ihrem genreübergreifenden Konzept einen Sound entwickelt, der eng mit der Stadt verbunden blieb. Am 7. November 2015 wurde diese Verbindung hörbar. Nicht irgendwo auf Tour. Sondern in Mannheim.

„Freiheit“ und „Meine Stadt“ dürfen am Ende nicht fehlen

Gegen halb zwölf sah es kurz danach aus, als könne der Abend tatsächlich zu Ende gehen. Glaubte nur niemand. Für die Zugabe rückten die Söhne eng um das Klavier zusammen und sangen „Freiheit“. Nach der Lautstärke und der großen Besetzung zuvor bekam dieser Moment fast etwas Wohnzimmerartiges. Nur eben mit mehr als zehntausend Menschen drumherum.

Dann kam bereits der Hinweis auf Busse und Heimwege. Die Antwort aus der Halle war eindeutig. Noch nicht.

Ein Song fehlte schließlich. Ausgerechnet der, der an diesem Abend unmöglich fehlen konnte: „Meine Stadt“. Der Titel war weit mehr als eine Zugabe, denn er setzte den passenden Schlusspunkt unter ein Konzert, bei dem Band, Arena und Publikum denselben Ort im Namen trugen. Mannheim sang mit seinen Söhnen.

20 Jahre Bandgeschichte endeten an diesem Abend nicht mit einem Blick zurück. Sie endeten mit „Meine Stadt“, mitten in der SAP Arena und damit genau dort, wo diese Jubiläumsnacht hingehörte.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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