
Böhse Onkelz in Frankfurt: Gelungenes Warm-up zur Open-Air-Tour
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Böhse Onkelz in Frankfurt: Am 13. August 2024 kehrten Kevin Russell, Stephan Weidner, Matthias „Gonzo“ Röhr und Peter „Pe“ Schorowsky für ein besonderes Heimspiel in die Jahrhunderthalle Frankfurt zurück. Das ausverkaufte Konzert war die erste von zwei Warm-up-Shows am 13. und 15. August, bevor die Open-Air-Tour vier Tage später in Bremen startete. Schon dieser kleinere Rahmen machte den Auftakt besonders. Frankfurt und die Onkelz, das ist schließlich keine gewöhnliche Tourstation.
Draußen lagen die Temperaturen bei mehr als 30 Grad, drinnen staute sich die Spannung. Um 20.30 Uhr erlosch das Licht. Das instrumentale „28“ leitete den Abend ein, dann setzte Kevin Russell mit „Guten Tag“ den ersten markanten Punkt. Von Aufwärmprogramm konnte spätestens jetzt keine Rede mehr sein. Die Jahrhunderthalle war sofort da.
Setlist der Böhsen Onkelz in Frankfurt überrascht mit Raritäten
28 Positionen standen auf dem Programm. Statt sich für den Tourstart ausschließlich auf die sichere Bank der großen Klassiker zu verlassen, gruben die Onkelz tief im eigenen Katalog. Genau das machte diese Show so interessant.
Nach „Finde die Wahrheit“ folgte „Scheißegal“, danach „Gehasst, verdammt, vergöttert“, „Du kannst alles haben“ und „Danke für nichts“. Bei „Ich bin wie ich bin“ zeigte sich bereits, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte: zurück in Phasen der Bandgeschichte, die auf den jüngeren Tourneen deutlich weniger Raum bekommen hatten.
„Zu nah an der Wahrheit“ brachte einen ersten ruhigeren Moment. Dann wieder Druck. „Kuchen und Bier“ und „So sind wir“ sorgten dafür, dass sich die Temperatur in der ohnehin aufgeheizten Halle kaum nach unten bewegte.
Und plötzlich wurde die Setlist richtig ungewöhnlich.

„Wir schreiben Geschichte“ und „H“ werden zu besonderen Momenten
Mit „Das Problem bist Du“, „Gestern war heute noch morgen“, „Wir schreiben Geschichte“, „C’est la vie“, „H“ und „Angst ist nur ein Gefühl“ folgte ein Block, den die Band selbst später als sechs zuvor nicht oder zumindest extrem selten live gespielte Titel bezeichnete. Bei möglichen Auftritten aus den frühen 1990er-Jahren ließ der offizielle Konzertbericht ausdrücklich eine gewisse Unsicherheit offen. Für „H“ sprach die Band dagegen klar von einer Uraufführung nach 29 Jahren.
Gerade „H“ bekam dadurch ein anderes Gewicht. Kevin Russell stand im Mittelpunkt, Gonzo begleitete ihn an der Akustikgitarre. Kein Spektakel nötig. Der Song funktionierte über Stimme, Text und Geschichte.
Solche Momente waren der eigentliche Reiz des Abends. Natürlich funktionieren „Finde die Wahrheit“ oder „Gehasst, verdammt, vergöttert“ immer. Doch ein Warm-up wie dieses durfte mehr sein als die verkleinerte Generalprobe für die große Stadionproduktion.
Das Publikum verstand das sofort.
„Zieh’ mit den Wölfen“ und „Ohne mich“ holen die Vergangenheit zurück
Auch danach blieb der Griff ins Archiv tief. „Zieh’ mit den Wölfen“ und „Ohne mich“ standen ebenso auf der Setlist wie „Bin ich nur glücklich, wenn es schmerzt“ und „Angst ist nur ein Gefühl“. Die Kombination aus bekannten Hymnen und lange vernachlässigten Stücken verlieh dem Konzert fast den Charakter einer musikalischen Zeitreise.
Dabei wurde das Heimspiel nie zur Nostalgieveranstaltung. Kevin Russell sang kraftvoll, suchte immer wieder die Reaktion der Fans, während Weidner, Gonzo und Pe das Fundament mit der gewohnten Wucht legten. Bei „Terpentin“ wurde der langgezogene Publikumschor erneut zum Ritual. Der offizielle Tourbericht stoppte an diesem ersten Abend 44,22 Sekunden. Da war für die kommenden Shows tatsächlich noch Luft nach oben.
„Nichts ist für die Ewigkeit“ gehörte zuvor zu jenen Songs, bei denen die Halle praktisch geschlossen mitsang. Arme nach oben, Stimmen aus allen Richtungen. Ein Onkelz-Konzert lebt in solchen Momenten weniger von der Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum als vom Gefühl, dass beide Seiten denselben Refrain besitzen.

„Auf gute Freunde“ und „Mexico“ treiben das Heimspiel ins Finale
Für die letzten Meter musste niemand mehr tief im Archiv suchen. Jetzt kamen die Stücke, auf die bei einem Onkelz-Konzert fast jeder wartet.
Nach „Wir ham’ noch lange nicht genug“ folgte „Auf gute Freunde“. Kaum ein anderer Song bündelt dieses Verhältnis zwischen Band und Publikum so unmittelbar. Danach standen „Das Geheimnis meiner Kraft“, „Mexico“ und schließlich „Erinnerungen“ auf der Setlist. Die komplette Folge ist sowohl im damaligen Konzertbericht als auch in der dokumentierten Frankfurter Setlist festgehalten.
Die beiden Frankfurter Warm-ups waren von der Band bewusst als Auftakt zur anschließenden Open-Air-Tour angesetzt worden, deren erster regulärer Termin am 17. August auf der Bürgerweide in Bremen folgte. Doch der 13. August fühlte sich kaum nach vorsichtigem Warmlaufen an.
Dafür war die Setlist zu mutig. Die Halle zu laut. Und dieses Frankfurter Heimspiel zu sehr Onkelz.
Text & Foto © Jan Heesch














