Howard Carpendale beim Strandkorb Open Air in der BRITA-Arena Wiesbaden 2021

Howard Carpendale in Wiesbaden: Schlager unterm Regenbogen

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Am 7. Juli 2021 gehörte die BRITA-Arena in Wiesbaden für einen Abend dem deutschen Schlager. Beim Strandkorb Open Air standen zunächst Julian David und Eloy de Jong auf der Bühne, bevor Howard Carpendale den Hauptteil des Abends übernahm. Das Konzert war Teil der Wiesbadener Strandkorb-Reihe, die in diesem Sommer Liveveranstaltungen unter den damals geltenden Abstandsregeln möglich machte. 

Viele Besucher hatten es sich bereits früh in ihren Strandkörben bequem gemacht. Nach Monaten mit abgesagten Tourneen, Streams und Autokonzerten fühlte sich allein der Blick auf eine richtige Bühne wieder ein Stück vertrauter an. Der Platz zwischen den einzelnen Gruppen war größer als früher, doch spätestens mit den ersten Songs spielte das kaum noch eine Rolle.

Julian David und Eloy de Jong eröffnen den Abend

Den Anfang machte Julian David, der das Publikum schnell auf Betriebstemperatur brachte. Danach übernahm Eloy de Jong. Beide gehörten zum bestätigten Rahmenprogramm des Wiesbadener Carpendale-Abends. 

Die beiden Auftritte funktionierten dabei nicht einfach als Wartezeit bis zum Hauptact. Gerade nach der langen Konzertpause war zu merken, wie dankbar das Publikum schon auf die ersten Takte reagierte. Es wurde mitgesungen, geklatscht und in den eigenen Strandkorb-Bereichen getanzt.

Und dann kam dieser Moment, den man eben nicht planen kann.

Ein Regenbogen über der BRITA-Arena

Als Howard Carpendale später die Bühne betrat, spannte sich über der BRITA-Arena ein Regenbogen. Für ein Konzert unter freiem Himmel hätte man die Kulisse kaum passender bestellen können.

Carpendale brauchte danach nicht lange, um die Aufmerksamkeit auf die Bühne zu ziehen. Statt sein Programm künstlich auf den besonderen Rahmen auszurichten, setzte er auf das, was sein Publikum hören wollte: Songs aus mehreren Jahrzehnten seiner Karriere, persönliche Ansagen und diese Mischung aus Schlager und Pop, mit der er sich längst einen eigenen Platz innerhalb des Genres geschaffen hat.

Die ungewöhnliche Sitzordnung machte daraus keinen distanzierten Abend. Gerade bei den bekannten Refrains kam aus den Strandkörben sofort eine hörbare Antwort.

„Hello Again“, „Ti amo“ und viele bekannte Refrains

Die Setlist begann mit „Hello Again“ und führte anschließend unter anderem über „Samstag Nacht“, „Ti amo“, „Das schöne Mädchen von Seite 1“, „Es geht um mehr“, „Astronaut“ und „Mit viel, viel Herz“. Auch „Tür an Tür mit Alice“, „…dann geh doch“ und „Nachts, wenn alles schläft“ gehörten zum Wiesbadener Programm. Später folgten „Ich bin da“, „Unter einem Himmel“ und „Das alles bin ich“. 

Gerade an solchen Abenden zeigt sich, wie viele dieser Titel längst über ihre ursprüngliche Veröffentlichungszeit hinaus funktionieren. Manche Refrains mussten kaum noch angesagt werden. Wenige Takte genügten und das Publikum übernahm.

Carpendale ließ den Songs dabei genügend Raum und unterbrach das Programm immer wieder mit kurzen Gesprächen. Das wirkte weniger wie eine reine Hitparade und mehr wie ein Wiedersehen mit einem Publikum, das lange auf diesen Moment warten musste.

Strandkörbe statt dichter Zuschauerreihen

Natürlich blieb die besondere Situation des Jahres sichtbar.

Wo normalerweise Menschen Schulter an Schulter vor einer Bühne stehen, bestimmten in Wiesbaden die Strandkörbe das Bild. Die Veranstaltungsreihe war genau dafür konzipiert worden: Konzerte vor Publikum, aber mit klar getrennten Bereichen und ausreichend Abstand. Howard Carpendales Auftritt war für den 7. Juli als einer der großen Termine der Reihe angekündigt. 

Für einen klassischen Schlagerabend war das vielleicht ungewohnt, hinderte aber niemanden daran, mitzusingen. Im Gegenteil. Viele Besucher standen spätestens bei den bekannteren Songs in ihren Bereichen auf.

Das Entscheidende war ohnehin etwas anderes: Die Musik kam wieder von einer Bühne und die Reaktion darauf unmittelbar aus dem Publikum.

Howard Carpendale braucht keine große Inszenierung

Carpendale musste an diesem Abend nicht beweisen, wie lange er bereits im Geschäft ist. Das hörte man schon an der Menge bekannter Songs im Programm.

Seine großen Hits entstanden über verschiedene Jahrzehnte hinweg. „Ti amo“ gehört zu seiner Erfolgsphase der 1970er-Jahre, „Hello Again“ wurde in den 1980ern zu einem seiner bekanntesten Titel. 

In Wiesbaden funktionierten diese Stücke neben jüngeren Songs erstaunlich selbstverständlich. Die Grenzen zwischen Nostalgie und aktuellem Konzert verschwammen schnell.

Carpendale wirkte dabei gelöst, suchte immer wieder den Kontakt zu seinen Fans und ließ den Abend nicht wie eine routinierte Pflichtveranstaltung aussehen. Das Strandkorb-Format war ungewohnt, aber die Nähe zwischen Bühne und Publikum blieb erhalten.

Dieser Regenbogen bleibt hängen

Nach all den Monaten mit eingeschränkter Livekultur war dieser Abend mehr als einfach der nächste Tourtermin.

Julian David und Eloy de Jong sorgten für einen lockeren Einstieg. Danach übernahm Howard Carpendale mit einem Programm, das quer durch seine Karriere führte. Und über allem stand dieses Bild vom Beginn seines Auftritts: Howard Carpendale auf der Bühne, darüber ein Regenbogen über Wiesbaden.

Manchmal liefert ein Konzert seine schönsten Bilder ganz ohne Showeffekt.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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