Johannes Oerding bei Lagerfeuer Acoustics im Sportpark Hirschberg-Leutershausen am 8. Juli 2021

Johannes Oerding in Hirschberg: Lagerfeuer statt großer Bühne

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Am 8. Juli 2021 machte Johannes Oerding mit seinen „Lagerfeuer Acoustics“ Station im Sportpark Hirschberg-Leutershausen. Rund 1.100 Besucherinnen und Besucher kamen zu dem Open-Air-Konzert, das für viele nach den langen Monaten mit kaum vorhandener Livekultur weit mehr als ein gewöhnlicher Tourtermin war. Noch tagsüber sah es wettertechnisch nicht besonders vielversprechend aus, doch rechtzeitig zum Abend klarte der Himmel über Hirschberg auf. 

Der Name des Programms gab die Richtung vor. Statt großer Arena-Produktion setzte Johannes Oerding in Hirschberg auf reduzierte Arrangements, einen vergleichsweise intimen Rahmen und viel direkten Austausch mit seinem Publikum. Gerade diese Nähe passte zum Sportpark, obwohl die Zuschauerzahl für ein vermeintliches „Lagerfeuerkonzert“ durchaus beachtlich war.

„Lagerfeuer Acoustics“ zeigen die Songs von einer anderen Seite

Die Idee zu den „Lagerfeuer Acoustics“ war bereits im Sommer 2020 in Hamburg entstanden. 2021 ging Oerding mit dem Konzept auf Deutschlandtournee. Im Mittelpunkt standen neu arrangierte Versionen seiner bekannten Stücke, Songs des Albums „Konturen“ und Titel aus den vorherigen Jahren. 

Die akustischere Ausrichtung bedeutete dabei keineswegs, dass der Abend nur aus ruhigen Balladen bestand. Oerding und seine Musiker nutzten die veränderten Arrangements vielmehr, um mit Dynamik zu spielen. Gitarren, Stimmen und Rhythmus bekamen mehr Luft, einige vertraute Songs wirkten dadurch anders als in ihrer üblichen Konzertfassung.

Genau das machte den Reiz aus. Die Melodien waren bekannt, die Umsetzung ließ trotzdem genügend Raum für neue Details.

„Konturen“ trifft auf ältere Oerding-Songs

Mit „Konturen“ hatte Johannes Oerding zu diesem Zeitpunkt sein erstes Nummer-eins-Album in Deutschland veröffentlicht. Die Platte erschien 2019 und erreichte direkt die Spitze der offiziellen deutschen Albumcharts. Songs wie „An guten Tagen“, „Alles okay“, „Ungeschminkt“ oder „Unter einen Hut“ gehörten zu dieser Phase seiner Karriere. 

In Hirschberg beschränkte sich Oerding jedoch nicht auf das damals aktuelle Material. Ältere Stücke bekamen ebenfalls ihren Platz, sodass sich der Abend durch mehrere Abschnitte seiner bisherigen Laufbahn bewegte.

Die reduzierteren Fassungen rückten dabei besonders Oerdings Stimme und seine Texte nach vorne. An anderen Stellen zog das Tempo wieder an und aus dem vermeintlich gemütlichen Lagerfeuer wurde ein ziemlich lebendiges Open-Air-Konzert.

Johannes Oerding erzählt auch zwischen den Songs

Ein Oerding-Konzert bestand an diesem Abend nicht ausschließlich aus Musik. Zwischen den Titeln nahm sich der Sänger immer wieder Zeit für Geschichten und Erinnerungen.

Manche Ansage begann mit einer kleinen Bemerkung zum gerade gespielten Song und landete wenige Minuten später bei Erlebnissen aus früheren Jahren oder seiner Studentenzeit. Das wirkte nicht wie ein fest einstudierter Moderationstext, sondern entstand aus dem Moment heraus.

Gerade im Lagerfeuer-Acoustics-Format passten diese Passagen gut. Die Musik sollte näher wirken, und Oerding selbst hielt die Distanz zum Publikum ebenfalls möglichst klein.

Dass dieses Konzept auch an anderen Stationen der Tour bewusst auf eine lockerere und unmittelbare Atmosphäre setzte, zeigte bereits der folgende Auftritt einen Tag später in Hannover. Dort gehörten das namensgebende Lagerfeuer und längere Publikumsinteraktionen ebenfalls zum Abend. 

Nach langer Pause zählt plötzlich jeder Live-Moment

2021 war ein Konzert wie dieses noch keine Selbstverständlichkeit. Abstände und Hygieneregeln gehörten weiterhin zur Organisation, viele große Tourneen waren verschoben. Genau deshalb bekam die Stimmung im Sportpark eine zusätzliche Ebene.

Auf der Bühne war zu merken, dass Oerding wieder vor Menschen spielen wollte. Vor der Bühne war mindestens genauso deutlich zu spüren, wie sehr den Fans gemeinsame Live-Musik gefehlt hatte.

Die rund 1.100 Zuschauer sangen mit, reagierten auf die Geschichten und machten aus dem weitläufigeren Open-Air-Aufbau schnell einen deutlich persönlicheren Abend. 

Das Lagerfeuer-Prinzip funktionierte dabei weniger über tatsächliche Intimität als über die Art, wie die Musik präsentiert wurde. Keine überladene Show, kein permanenter Effektwechsel. Dafür standen Songs und Musiker im Mittelpunkt.

Ein Sommerabend, der wieder nach Konzert aussah

Nach den Autokonzerten, Streams und anderen Ersatzformaten der vorherigen Monate wirkte der Auftritt in Hirschberg beinahe wieder vertraut. Eine Bühne, eine Band und davor Menschen, die gemeinsam Musik hörten.

Natürlich war noch nicht alles wie früher. Aber an diesem Abend rückten die Einschränkungen für einige Stunden weit genug in den Hintergrund.

Johannes Oerding wechselte zwischen ruhigeren Momenten, bekannten Refrains und spontanen Geschichten. Das Publikum ging diesen Weg bereitwillig mit. Aus dem angekündigten „Lagerfeuer Acoustics“ wurde deshalb kein stilles Akustikkonzert, sondern ein Abend, der gerade durch den Wechsel zwischen Nähe und Energie funktionierte.

Und nach Monaten, in denen gemeinsame Konzerterlebnisse selten geworden waren, musste es eigentlich auch gar nicht komplizierter sein.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures_
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