Howard Carpendale in Wetzlar beim Strandkorb Open Air auf dem Festplatz Finsterloh 2021

Howard Carpendale in Wetzlar: Ein Abend voller großer Hits

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Howard Carpendale in Wetzlar war am 24. August 2021 der große Schlagerabend beim Strandkorb Open Air auf dem Festplatz Finsterloh. Bevor „Howie“ gegen 21 Uhr die Bühne betrat, stimmten Julian David und Eloy de Jong das Publikum auf den Hauptact ein. Dann war der Moment gekommen, auf den viele gewartet hatten. Carpendale erschien auf der Bühne und wurde von seinen Fans lautstark empfangen. Der offizielle Spielplan führte ihn an diesem Dienstag als Hauptact der vierwöchigen Wetzlarer Konzertreihe.

Ein Schlagerstar mit einer Karriere, die bereits damals weit mehr als fünf Jahrzehnte umfasste. Trotzdem wirkte dieser Abend nicht wie eine nostalgische Pflichtveranstaltung.

Julian David und Eloy de Jong eröffnen den Schlagerabend

Schon vor Howard Carpendales Auftritt wurde auf dem Festplatz gefeiert. Julian David machte den Anfang, anschließend übernahm Eloy de Jong, den viele noch als Mitglied der niederländischen Boygroup Caught in the Act kennen. Beide sorgten dafür, dass die Strandkörbe frühzeitig nicht mehr ausschließlich zum Sitzen genutzt wurden.

Das besondere Konzept der Veranstaltungsreihe war 2021 längst vertraut. Bis zu 700 Strandkörbe standen auf dem Festplatz Finsterloh und ermöglichten Konzerte unter den damaligen Bedingungen mit festen Bereichen und Abstand. Vom 20. August bis 19. September kamen dort mehr als zwanzig Künstler und Bands zusammen.

Schlager funktioniert allerdings nur bedingt im Sitzen. Das zeigte sich spätestens, als sich der Auftritt des Hauptacts näherte. Die Stimmung zog noch einmal spürbar an.

Howard Carpendale wird in Wetzlar gebührend gefeiert

Gegen 21 Uhr gehörte die Bühne Howard Carpendale. Viel brauchte es in diesem Moment nicht. Der Jubel setzte sofort ein.

„Howie“ besitzt diese besondere Verbindung zu seinem Publikum, die sich über Jahrzehnte entwickelt hat. Viele seiner Songs begleiten die Fans seit ihrer Jugend, andere wurden längst von der nächsten Generation übernommen. „Hello Again“„Ti amo“, „Nachts, wenn alles schläft“, „Das schöne Mädchen von Seite 1“ oder „Tür an Tür mit Alice“ gehören zu einem Repertoire, das tief in der deutschen Pop- und Schlagergeschichte verankert ist. Carpendales Karriere begann bereits in den 1960er-Jahren; seine Plattenfirma beziffert seine Bilanz inzwischen auf mehr als 700 Aufnahmen und weit über 65 Millionen verkaufte Tonträger.

An diesem Abend ging es aber weniger um Zahlen.

Carpendale suchte den Kontakt zu den Menschen vor der Bühne, erzählte, sang und ließ seine Fans immer wieder übernehmen. Gerade in der ungewöhnlichen Strandkorb-Kulisse entstand daraus eine Nähe, die bei einem klassischen Hallenkonzert schnell verloren gehen kann.

Von Südafrika zum deutschen Schlagerstar

Howard Carpendale wurde 1946 im südafrikanischen Durban geboren. Mitte der 1960er-Jahre kam er nach Europa und schließlich nach Deutschland. 1969 gelang ihm mit einer deutschen Version von „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ ein erster größerer Erfolg, ein Jahr später gewann er mit „Das schöne Mädchen von Seite Eins“ den Deutschen Schlager-Wettbewerb.

Danach folgte eine bemerkenswerte Reihe von Songs, die sich bis heute gehalten haben. „Du fängst den Wind niemals ein“, „Deine Spuren im Sand“, „Ti amo“, „Nachts, wenn alles schläft“ und später „Hello Again“ machten Carpendale zu einem der bekanntesten Sänger im deutschsprachigen Raum.

Dabei war seine Musik nie ausschließlich der klassische Schlager alter Schule. Pop, orchestrale Arrangements, internationale Vorlagen und große Balladen gehörten ebenso dazu. Diese Mischung hat wahrscheinlich einen guten Teil dazu beigetragen, dass Carpendale über Jahrzehnte nicht von den Bühnen verschwunden ist.

Selbst ein angekündigter Rückzug 2003 hielt nicht dauerhaft. 2007 meldete er sich zurück, neue Alben und Tourneen folgten.

Große Songs funktionieren auch zwischen Strandkörben

Beim Strandkorb Open Air in Wetzlar bekam diese lange Karriere einen ungewöhnlichen Rahmen. Kein eng gefüllter Innenraum, keine klassische Arena. Stattdessen Sommerabend, Festplatz und Hunderte Strandkörbe.

Doch je länger Howard Carpendale auf der Bühne stand, desto weniger spielte das eine Rolle. Seine Fans feierten „Howie“, sangen die bekannten Passagen mit und machten aus dem pandemiebedingt besonderen Konzertformat einen richtigen Schlagerabend.

Das funktionierte gerade deshalb, weil Carpendale seine bekannten Songs nicht wie Museumsstücke behandelt. Er präsentiert sie als Teil einer immer noch laufenden Geschichte. Manche Refrains benötigen ohnehin keine Erklärung mehr. Zwei oder drei Takte genügen, und das Publikum weiß Bescheid.

Nach Julian David und Eloy de Jong war der Abend längst gut vorbereitet. Mit Howard Carpendale kam schließlich der Mann auf die Bühne, wegen dem viele nach Wetzlar gefahren waren.

Die Strandkörbe blieben stehen. Die Fans irgendwann nicht mehr.

Text & Foto © by Jan Heesch

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