Sänger Rob Halford von Judas Priest steht in einer silbernen Fransenkutte live auf der Bühne des Zeltfestivals Rhein-Neckar in Mannheim.

Ein ewiger Höllenschwur: Judas Priest live beim Zeltfestival Rhein-Neckar

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Es gibt diese seltenen Abende, an denen die schiere physische Präsenz einer Band ausreicht, um tausende Menschen bedingungslos in ihren Bann zu ziehen. Das Palastzelt auf dem Mannheimer Maimarktgelände war bis auf den letzten der 3.800 Plätze ausverkauft. Trotz stolzer Ticketpreise hatten sich die treuen Veteranen des Schwermetalls versammelt, um Judas Priest die Ehre zu erweisen. Und die Briten bewiesen einmal mehr, warum an ein Ende dieses Kollektivs noch lange nicht zu denken ist.

Megadeth feuert den Mannheimer Glutofen an

Schon bevor der Headliner überhaupt die Bühne betrat, glich das Innere des riesigen Zirkuszelts einem wahren Glutofen. Die Thrash-Ikonen von Megadeth aus Los Angeles eröffneten den Abend und lieferten das erste massive Metal-Brett. Die Kombination aus brachialen Gitarrenriffs und den unerbittlichen Temperaturen unter der Zeltkuppel trieb den Umsatz an den Getränkeständen rasant in die Höhe. Der Schweiß floss in Strömen, und die Versuchung, in die verhältnismäßig kühlen 32 Grad der Mannheimer Abendluft zu flüchten, war durchaus nachvollziehbar. Doch wer seinen Platz jetzt räumte, verpasste den Moment, auf den alle gewartet hatten.

„War Pigs“ und der Einzug der Metal Gods

Als schließlich das zeitlose Black-Sabbath-Intro „War Pigs“ vom Band aus den Boxen dröhnte, war jedes physische Leid in der dichten Menge sofort vergessen. Rob Halford stürmte in einer markanten, silbernen Fransenkutte auf die Bretter, flankiert von seinen Mitstreitern. Auf die martialisch flimmernden Videosequenzen im Hintergrund hätten die alteingesessenen Fans an diesem Punkt vermutlich sogar verzichten können – die Band allein besaß genug Strahlkraft. Judas Priest feuerten eine kompromisslose Salve in die Menge. Mit wütenden Nackenbrechern wie „Bloodstone“, dem bedrohlichen „The Ripper“ und einem epischen „Saints In Hell“ lieferten die Briten den perfekten Soundtrack für die willigen Krieger vor der Bühne.

Der Kampf mit der Zeltakustik bei „Painkiller“

Die rasante Energie der Show offenbarte jedoch auch die Tücken der Location. Die massive Soundwand verdampfte in der Höhe der Zeltkuppel immer wieder zu einem undifferenzierten Gebräu. Besonders bei treibenden Hochgeschwindigkeits-Nummern wie „Sinner“ oder dem alles zermalmenden „Painkiller“ büßte die Abmischung spürbar an Punch und Klarheit ein.

Doch der gewaltigen Stimmung tat das keinen Abbruch. Die bedingungslose Hingabe der Fans zeigte deutlich die absolute Sonderstellung, die Judas Priest im Heavy Metal genießen. Sie sind nicht nur Überlebende der 80er Jahre, sondern weiterhin unbeugsame Taktgeber. Als sich der Abend mit dem ewigen Umsturz-Klassiker „Breaking The Law“ seinem lauten Ende zuneigte, war der willenlose Höllenschwur zwischen Band und Publikum längst eingelöst. Die „Metal Gods“ lassen sich noch immer nicht zähmen – und genau dafür werden sie in der Kurpfalz teuflisch intensiv gefeiert.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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