
Skunk Anansie rocken den ausverkauften Schlachthof Wiesbaden
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25 Jahre Bandgeschichte kann man mit einer hübschen Rückschau feiern. Oder man stellt sich auf eine Bühne und zeigt, dass von Altersmüdigkeit keine Spur vorhanden ist. Skunk Anansie entschieden sich am 15. Juli 2019 im Schlachthof Wiesbaden eindeutig für Variante zwei. Rund 2.500 Besucher sorgten für ein ausverkauftes Haus, als Skin, Ace, Cass und Mark Richardson mit ihrer „25LIVE@25“-Tour in Wiesbaden Station machten.
Wer Skunk Anansie schon einmal live erlebt hat, weiß ohnehin: Stillstehen gehört nicht zum Konzept dieser Band.
Und Skin erst recht nicht.
Allusinlove bringen den Schlachthof auf Temperatur
Bevor Skunk Anansie übernehmen konnten, gehörte die Bühne zunächst Allusinlove. Die britische Band aus Leeds war 2019 mit ihrem Album „It’s Okay To Talk“ unterwegs und begleitete Skunk Anansie als Support. Rund 40 Minuten blieben ihnen in Wiesbaden, um ein Publikum zu überzeugen, das natürlich hauptsächlich wegen des Headliners gekommen war.
Das gelang erstaunlich gut.
Allusinlove setzten auf einen Mix aus Alternative Rock und psychedelischen Elementen, spielten offensiv und suchten immer wieder den Kontakt zu den bereits zahlreich anwesenden Besuchern. Der Schlachthof war früh voll. Als der Support sein Set beendete, war die Betriebstemperatur erreicht.
Dann kam Skin.
„Charlie Big Potato“ und sofort Vollgas
Mit „Charlie Big Potato“ eröffneten Skunk Anansie ihre Show. Keine lange Einleitung, kein vorsichtiges Herantasten. Direkt danach folgten „Because of You“, „All in the Name of Pity“ und „I Can Dream“.
Der Ton war damit gesetzt.
Vor allem Skin machte innerhalb weniger Minuten deutlich, warum sie zu den markantesten Frontfiguren der britischen Rockszene gehört. Ihre Stimme kann verletzlich und beinahe zerbrechlich klingen, nur um Sekunden später mit einer Härte durch den Raum zu schneiden, die selbst im hinteren Bereich des Schlachthofs noch körperlich ankommt.
Sie bewegt sich permanent. Springt, schreit, greift selbst zur Gitarre, sucht den Blickkontakt mit den ersten Reihen und scheint dabei mehr Energie freizusetzen als manche komplette Band.
Doch Skunk Anansie auf Skin zu reduzieren wäre falsch.
Gitarrist Ace, Bassist Cass und Schlagzeuger Mark Richardson liefern das Fundament, auf dem diese Show überhaupt erst funktioniert. Präzise genug, damit die Songs ihre Wirkung entfalten, aber niemals klinisch. Hier darf Rockmusik noch rau sein.
„Weak“ und „Hedonism“ funktionieren auch nach Jahrzehnten
Natürlich warteten viele Besucher auf jene Songs, mit denen Skunk Anansie in den 1990er-Jahren international bekannt wurden.
Bei „Weak“ musste niemand erklären, was zu tun war.
Der Song gehört bis heute zu den großen emotionalen Momenten eines Skunk-Anansie-Konzerts. Ähnlich stark funktionierte später „Hedonism (Just Because You Feel Good)“. Zwischen all der Wucht entstehen plötzlich diese ruhigeren Minuten, in denen Skins Stimme genügend Raum bekommt und der Schlachthof fast geschlossen mitsingt.
Aber nostalgisch wurde der Abend deshalb nicht.
Mit „Love Someone Else“, „I Believed in You“, „God Loves Only You“ oder „My Ugly Boy“ zeigte die Band, dass ihre Geschichte nicht Mitte der 90er stehen geblieben war. Die Setlist spannte einen weiten Bogen über die unterschiedlichen Phasen der Karriere.
Genau das war die richtige Entscheidung für eine Jubiläumstour.
25 Jahre Skunk Anansie und kein bisschen bequem
Anlass der Tour war das 25-jährige Bandjubiläum. Skunk Anansie hatten 2019 dazu das Live-Doppelalbum „25LIVE@25“ veröffentlicht. Die Band wurde 1994 gegründet, trennte sich 2001 zunächst und fand 2009 wieder zusammen.
25 Jahre sind im Musikgeschäft eine lange Zeit.
In Wiesbaden interessierte das allerdings herzlich wenig.
Es gab keinen gemütlichen Rückblick und keine Selbstbeweihräucherung. Skunk Anansie spielten ihre Songs so, als müssten sie sich an diesem Abend noch einmal neu beweisen. Gerade Stücke wie „Intellectualise My Blackness“erinnerten daran, dass diese Band von Beginn an gesellschaftliche und politische Themen nicht als Dekoration verwendet hat.
Rassismus, Identität, Religion, Sexualität und Macht waren schon in den 90ern Teil ihrer Texte. Skunk Anansie wollten nie einfach nur eine weitere Alternative-Rock-Band sein.
Diese Haltung hört man.
Und man sieht sie Skin an.
Von „This Means War“ bis „Tear the Place Up“
In der zweiten Hälfte wurde es noch einmal deutlich härter. „This Means War“, „Intellectualise My Blackness“ und schließlich das passend betitelte „Tear the Place Up“ ließen wenig Raum zum Durchatmen.
Der Schlachthof war inzwischen heiß. Richtig heiß.
Die Nähe zwischen Band und Publikum passte dabei perfekt zu Skunk Anansie. Eine riesige Arena hätte vielleicht mehr Platz und größere Effekte geboten. Aber gerade diese kompakte Halle machte einen Teil der Wirkung aus. Man stand dicht an dicht, Skin war ständig in Bewegung und die Musik kam mit einer Direktheit von der Bühne, die sich kaum ignorieren ließ.
Nach „Tear the Place Up“ war trotzdem noch nicht Schluss.
Natürlich nicht.
Vier Zugaben und ein kleiner AC/DC-Ausflug
Für die Zugabe kehrten Skunk Anansie mit „Brazen (Weep)“ zurück. Danach folgte „What You Do for Love“, damals ein neuer Song der Band. Bei der Vorstellung der Musiker gab es anschließend noch einen Abstecher zu AC/DCs „Highway to Hell“, bevor „The Skank Heads (Get Off Me)“ den endgültigen Schlusspunkt setzte. Insgesamt umfasste die Wiesbadener Setlist 21 Titel.
Nach gut zwei Stunden war Schluss.
Was von diesem Abend blieb, war weniger das Gefühl einer Jubiläumsshow als die Erkenntnis, dass Skunk Anansie auch nach einem Vierteljahrhundert ziemlich wenig Interesse daran hatten, sich auf ihren großen Songs auszuruhen.
„Weak“ und „Hedonism“ wurden gefeiert. Klar.
Aber die eigentliche Geschichte spielte sich zwischen diesen Klassikern ab. Skin und ihre Mitstreiter wirkten nicht wie eine Band, die ihre Vergangenheit verwaltet. Sie standen im Schlachthof und machten ordentlich Krach.
So einfach kann ein 25. Geburtstag sein.
Setlist Skunk Anansie – Wiesbaden 2019
- Charlie Big Potato
- Because of You
- All in the Name of Pity
- I Can Dream
- You’ll Follow Me Down
- My Ugly Boy
- Twisted (Everyday Hurts)
- Weak
- Cheap Honesty
- Love Someone Else
- I Believed in You
- God Loves Only You
- Without You
- Hedonism (Just Because You Feel Good)
- This Means War
- Intellectualise My Blackness
- Tear the Place Up
Zugabe:
18. Brazen (Weep)
19. What You Do for Love
20. Highway to Hell
21. The Skank Heads (Get Off Me)
Text & Foto © Jan Heesch













