
Kollegah in Mannheim: Bossmodus im Maimarktclub
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Dunkle Beats, tiefer Bass und in der Mitte ein Rapper, dessen Bühnenfigur Bescheidenheit schon aus Prinzip nicht vorsieht. Als Kollegah in Mannheim am 30. Januar 2016 den Maimarktclub übernimmt, dauert es nicht lange, bis aus der Halle ein geschlossenes Deutschrap-Revier wird. Sonnenbrille, Goldkette, kontrollierte Gesten und diese bewusst überzeichnete Boss-Attitüde gehören genauso zum Auftritt wie die verschachtelten Reime und Punchlines, wegen derer Felix Blume längst zu den technisch auffälligsten Rappern des Landes zählt. Der Mannheimer Termin wurde zeitgenössisch unter dem Banner der „Redlight Tour 2016“ geführt.
Der Zeitpunkt hätte für Kollegah kaum besser sein können. Erst wenige Wochen zuvor, am 11. Dezember 2015, war „Zuhältertape Vol. 4“ erschienen. Das Album setzte die Reihe fort, mit der er zehn Jahre zuvor einen wesentlichen Teil seines Images aufgebaut hatte: Gangsterfilm-Ästhetik, Luxusfantasien, maßlose Übertreibung und vor allem technisch dicht geschriebene Reime. In Deutschland stieg die Platte auf Platz eins ein und wurde damit nach „King“ zum nächsten großen Soloerfolg.
Das neue Zuhältertape gibt die Richtung vor
„Zuhältertape Vol. 4“ klingt wie eine bewusste Rückkehr zu jenem Kollegah, der weniger auf große Pop-Refrains und stärker auf Reimtechnik, Wortspiele und Battlerap setzt. Songs wie „John Gotti“, „Bye Bye Mr. President“, „Nebel“, „Weißer Testarossa“, „Winter“ und das mehr als sechs Minuten lange „Genozid“ prägten diese Phase. Genau dieses Material bestimmte auch die Redlight-Ära, neben Titeln aus „King“ und älteren Veröffentlichungen.
Live funktioniert dieser Stil anders als auf Kopfhörern. Viele Zeilen sind so dicht gebaut, dass ein Teil ihrer Doppelbödigkeit im Bassgewitter zwangsläufig untergeht. Dafür wirkt die Geschwindigkeit. Kollegah feuert Passagen mit hoher Präzision heraus, stoppt plötzlich, lässt einzelne Punchlines stehen und wartet auf die Reaktion aus dem Raum.
Mannheim reagiert.
Arme gehen hoch, Textzeilen werden mitgerufen und immer wieder entsteht dieses Wechselspiel zwischen demonstrativer Coolness auf der Bühne und einem Publikum, das deutlich weniger kontrolliert bleiben möchte.
Zwischen Selbstinszenierung und technischer Präzision
Kollegah lebt seit Jahren von einer Figur, die bewusst größer ist als das reale Leben. Der Boss fährt im Bentley vor, trägt Uhren und Ketten, besitzt angeblich ganze Straßenzüge und betrachtet Konkurrenz bevorzugt von oben. Das ist Übertreibung als Konzept. Im Maimarktclub funktioniert genau diese Rolle besonders gut, weil wenig Distanz zwischen Bühne und Publikum bleibt.
Die Pointe kommt häufig erst nach der Pointe. Vergleiche werden ineinandergeschoben, Reimketten ziehen sich über mehrere Takte und kaum ist eine Zeile angekommen, folgt bereits die nächste. Ein Konzert von Kollegah verlangt deshalb mehr Aufmerksamkeit als bloßes Mitwippen zum Beat. Wer die Songs kennt, wartet auf bestimmte Stellen. Wer sie nicht kennt, bekommt zumindest das Tempo unmittelbar mit.
Zeitgenössisch wurde gerade dieser Unterhaltungswert in Verbindung mit der technisch schnellen und punchlinereichen Rapweise als eine der Stärken des Mannheimer Abends hervorgehoben.
„Du bist Boss“ ist längst mehr als ein Songtitel
Zwei Jahre zuvor hatte „King“ Kollegah endgültig in eine andere Größenordnung gebracht. „Du bist Boss“ wurde dabei zu einem seiner bekanntesten Titel und gleichzeitig zum perfekten Slogan für die komplette Künstlerfigur. Das Album hatte bereits gezeigt, dass der einstige Battle-Rapper nicht mehr nur innerhalb der Hip-Hop-Szene funktionierte. 2015 folgte ein Echo, Ende desselben Jahres dann das nächste Nummer-eins-Album. Der Aufstieg war längst messbar.
Im Maimarktclub interessierten solche Statistiken allerdings nur am Rand. Hier ging es um Beats, Lines und direkte Reaktionen. Kollegah brauchte keine gigantische Arenaproduktion, um seine Rolle auszuspielen. Das Entscheidende waren Stimme und Präsenz. Zwischen den Tracks ließ er den selbsternannten Übermenschen immer wieder aufblitzen, kommentierte, provozierte und setzte anschließend erneut mit hoher Geschwindigkeit ein.
Gerade dadurch wirkte der Abend weniger wie eine durchchoreografierte Popproduktion und stärker wie ein Rapkonzert, bei dem der MC im Zentrum steht.
Der Maimarktclub wird zum Boss-Territorium
Der Maimarktclub eignet sich für diese Art Show. Die Halle ist groß genug für Druck, Licht und eine breite Bühne, bleibt aber kompakt genug, damit selbst weiter hinten noch Nähe entsteht. Offiziell fasst der Club unbestuhlt bis zu 2.600 Personen. Bei einem Rapkonzert bedeutet das: keine endlosen Entfernungen, kein Arenagefühl, sondern ein dichter Raum, in dem jede Bewegung aus dem vorderen Bereich schnell nach hinten weitergegeben wird.
Und Kollegah nutzt diesen Raum. Der Bass liegt schwer über dem Boden, die Bühne bleibt in dunklen Farben und hartem Licht, während der Rapper seine Songs ohne große Umwege nach vorne bringt. Kein langes Storytelling zwischen jedem Track. Lieber die nächste Line.
Kurz nach seinem 31. Geburtstag steht damit ein Künstler auf der Mannheimer Bühne, der seinen Status gerade auf mehreren Ebenen zementiert hat. „King“ hatte die Tür weit aufgestoßen, „Zuhältertape Vol. 4“ führte ihn zurück zu den Wurzeln seiner Figur und die „Redlight“-Phase brachte dieses Material direkt vor das Publikum.
Am Ende passt der alte Satz wieder einmal ziemlich gut. Der Boss ist zurück. Diesmal im Maimarktclub.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













