
Paddy Schmidt auf Burg Greifenstein: Irish Folk im Burggarten
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Am 7. August 2020 wurde es auf Burg Greifenstein musikalisch deutlich irischer. Paddy Schmidt spielte an diesem Freitagabend ein sommerliches Biergartenkonzert an der historischen Burg und traf damit offensichtlich einen Nerv. Nach Monaten, in denen reguläre Konzerte kaum möglich waren, genügten Gitarre, Mundharmonika, Geschichten und ein überschaubarer Rahmen, um wieder ein Stück Livekultur entstehen zu lassen. Fotografische Dokumentationen bestätigen den Auftritt unter dem Titel „An Evening with Paddy“ für den 7. August 2020.
Schmidt brauchte dafür keine große Produktion. Seine musikalische Heimat liegt ohnehin dort, wo Songs noch unmittelbar funktionieren. Irish und Scottish Folk, bekannte Traditionals und Stücke aus dem Umfeld von Paddy Goes to Holyhead bildeten den Kern eines Abends, bei dem das Zuhören genauso wichtig war wie das Mitsingen.
Zwischen Gitarre, Mundharmonika und Geschichten
Paddy Schmidt gehört seit Jahrzehnten zur deutschen Folk-Szene. 1988 gründete er in Darmstadt Paddy Goes to Holyhead und prägte die Band als Sänger und Multiinstrumentalist. Neben Gitarre gehören unter anderem Mundharmonika, Tin Whistle und weitere traditionelle Instrumente zu seinem musikalischen Repertoire.
Solo wirkt diese Musik noch einmal anders.
Auf Burg Greifenstein standen keine große Rockband und keine aufwendige Bühnenshow zwischen Musiker und Publikum. Schmidt konnte die Stücke erklären, kleine Geschichten einstreuen und spontan auf die Reaktionen der Gäste eingehen. Genau davon lebt sein Soloformat.
Mal wurde aufmerksam zugehört, mal fanden bekannte Melodien schnell Unterstützung aus den Sitzreihen. Das Ganze hatte weniger den Charakter eines streng durchgetakteten Konzerts als den eines langen musikalischen Abends unter freiem Himmel.
Celtic Folk statt Konzertstillstand
Dass solche Auftritte im Sommer 2020 überhaupt stattfinden konnten, war alles andere als selbstverständlich. Während Tourneen und Festivals weitgehend stillstanden, entstanden kleinere Open-Air-Formate mit begrenzter Besucherzahl und entsprechenden Abständen.
Auch Paddy Schmidt war in dieser Zeit mit einem Programm unter dem Titel „Irish Beats Corona“ unterwegs. Wenige Tage nach Greifenstein wurde beispielsweise für den 16. August ein weiteres Open-Air-Konzert mit bekannten Songs und Irish-Folk-Stücken angekündigt. Dort standen ebenfalls Geschichten über Liebe, Fernweh, Krieg und Frieden sowie die Verbindung von Musik und Erzählung im Mittelpunkt.
Der Abend auf der Burg passte genau in dieses Konzept.
Keine komplizierte Inszenierung, sondern handgemachte Musik und direkter Kontakt zum Publikum.
Sommerabend statt Autoradio
Nach den zahlreichen Autokonzerten dieses Jahres hatte ein kleiner Biergarten-Auftritt fast schon etwas ungewöhnlich Normales.
Die Gäste saßen draußen, die Musik kam tatsächlich von einem Musiker vor ihnen und nicht über eine UKW-Frequenz aus dem Autoradio. Dazu spielte das Wetter mit. Bei sommerlichen Temperaturen konnten die Besucher den Abend entspannt zwischen Musik und Gastronomie verbringen.
Schmidt wechselte dabei zwischen lebhafteren Folknummern und ruhigeren Momenten. Seine rau gefärbte Stimme und die Mundharmonika gehören seit vielen Jahren zu den charakteristischen Bestandteilen seines Sounds. Auch zeitgenössische Ankündigungen seiner damaligen „Irish Beats Corona“-Konzerte stellten gerade diese musikalischen Merkmale heraus.
Manchmal brauchte es 2020 eben nicht viel, um wieder ein Gefühl von Konzert entstehen zu lassen.
Der Zuspruch führte direkt zum nächsten Termin
Der Andrang war an diesem Abend so groß, dass Veranstalter Andreas Tabor und Paddy Schmidt nach Angaben des damaligen Veranstaltungsberichts kurzfristig eine Wiederholung vereinbarten.
Schon am 14. August 2020 sollte Schmidt erneut auf Burg Greifenstein spielen, diesmal in größerem Rahmen im Burghof. Auch zeitgenössische Einträge dokumentieren einen weiteren für den 14. August angekündigten Auftritt von Paddy Schmidt auf der Burg.
Damit wurde aus einem einzelnen Biergartenabend beinahe spontan eine kleine Fortsetzung.
Und vielleicht sagte gerade das einiges über diesen Sommer aus. Das Publikum wollte wieder Live-Musik hören, Künstler wollten wieder spielen und wenn beides unter vernünftigen Bedingungen zusammengebracht werden konnte, musste daraus nicht automatisch ein großes Festival werden.
Auf Burg Greifenstein reichten an diesem Freitag Paddy Schmidt, ein paar Instrumente und ein warmer Augustabend.
Text & Foto © Jan Heesch














