
Lisa Stansfield in Mannheim: Soul mit Haltung und Wärme
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Manchmal braucht es keine große Geste. Eine Stimme reicht. Als Lisa Stansfield am 23. Mai 2014 im Mozartsaal des Rosengartens auf der Bühne stand, war genau diese Stimme sofort wieder da: tief, warm, kraftvoll und nach all den Jahren noch immer unverwechselbar. Für Lisa Stansfield in Mannheim war der Rahmen größer ausgefallen als ursprünglich geplant, denn wegen der Nachfrage war das Konzert vom Musensaal in den deutlich größeren Mozartsaal verlegt worden.
Für mich war das ein Abend, bei dem man beim Fotografieren nicht auf die nächste spektakuläre Pose warten musste. Stansfield funktionierte anders. Viel lief über ihr Gesicht, kleine Bewegungen, einen Blick ins Publikum und natürlich über die Art, wie sie einen Song sang. Hinter ihr stand eine große Band mit Keyboards, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion, Bläsern und Backgroundgesang. Das klang satt, aber nie überladen. Vor allem ließ die Band ihrer Stimme genau den Platz, den sie brauchte.
Lisa Stansfield kehrt mit „Seven“ zurück
Der Zeitpunkt des Mannheimer Konzerts war besonders. Mit „Seven“ hatte Lisa Stansfield Ende Januar 2014 ihr erstes neues Studioalbum seit „The Moment“ aus dem Jahr 2004 veröffentlicht. Fast zehn Jahre lagen zwischen den beiden Platten, doch nach einer langen Pause klang dieses Comeback keineswegs nach einem vorsichtigen Versuch, noch einmal an frühere Erfolge anzuknüpfen. Soul, Funk, Pop und diese kleinen Motown-Anklänge waren sofort wieder da, aber mit einer Sängerin, die hörbar nicht mehr die gleiche sein wollte wie 1989.
Neue Stücke wie „Can’t Dance“, „Stupid Heart“, „So Be It“, „There Goes My Heart“, „Picket Fence“, „Conversation“ oder „Carry On“ gehörten auf dieser Tour zum Programm und mussten sich zwischen Songs behaupten, die viele im Mozartsaal seit Jahrzehnten kannten. Das funktionierte erstaunlich selbstverständlich. Stansfield machte aus dem neuen Album keinen Fremdkörper innerhalb ihrer eigenen Geschichte, sondern stellte die Songs mitten zwischen die Klassiker. Gerade live wurde deutlich, dass „Seven“ keine nostalgische Rückkehr war, sondern ein ziemlich selbstbewusstes neues Kapitel.
Zwischen neuen Songs und „All Around the World“
Natürlich konnte ein Konzert von Lisa Stansfield 2014 nicht an „All Around the World“ vorbeikommen. Der Song hatte sie Ende der Achtziger weltweit bekannt gemacht und ist bis heute innerhalb weniger Sekunden erkennbar. Aber der Abend bestand nicht daraus, auf diesen einen Moment zu warten. Mit „People Hold On“, „The Real Thing“, „Change“, „Time to Make You Mine“, „Someday (I’m Coming Back)“ und „Live Together“ steckte ohnehin genug Pop- und Soulgeschichte im damaligen Tourprogramm.
Und genau da veränderte sich auch immer wieder die Stimmung im Saal. Bei den bekannten Nummern war die Reaktion unmittelbar, bei den neuen Songs hörten viele zunächst genauer hin. Diese Mischung gefiel mir. Es war eben keine Best-of-Show, bei der eine Künstlerin nur noch möglichst zuverlässig Erinnerungen bedient. Stansfield wollte zeigen, wo sie 2014 musikalisch stand, ohne so zu tun, als gäbe es die vergangenen 25 Jahre nicht.
Eine Stimme, die den Mozartsaal trägt
Auf der Bühne wirkte Stansfield dabei angenehm unangestrengt. Kein permanentes Posieren, keine Show, die jede Sekunde erklären musste, wie wichtig der nächste Moment sein sollte. Sie sang. Und wenn diese Stimme richtig aufging, brauchte es tatsächlich nicht viel mehr. Mal kam sie rauer und fast erdig, dann wieder weich und sehr kontrolliert, bevor die Band den nächsten Groove darunterlegte.
Gerade die Bläser und die Percussion gaben den Songs live deutlich mehr Körper. John Thirkell an Trompete und Flügelhorn, Mickey Donnelly an Saxofon und Flöte sowie Percussionist Snowboy gehörten ebenso zur Tourbesetzung wie Dave Oliver, Ian Devaney, Davide Giovannini, Davide Mantovani, Terry Lewis und Backgroundsängerin Andrea Grant. Ian Devaney war dabei weit mehr als irgendein Musiker am Bühnenrand: Stansfields langjähriger musikalischer Partner und Ehemann hatte auch „Seven“ gemeinsam mit ihr geprägt.
Beim Fotografieren fiel mir genau dieses Zusammenspiel immer wieder auf. Es gab nicht den einen Mittelpunkt, um den der Rest nur dekorativ herumstand. Natürlich zog Lisa Stansfield den Blick auf sich, aber der Sound lebte von einer Band, die Soul nicht steril reproduzierte. Da durfte etwas schieben, atmen und grooven.
Der Rosengarten wird für einen Abend zum Soulclub
Die Deutschlandtermine waren Teil der umfangreichen „Seven Tour“, die Stansfield durch zahlreiche europäische Städte führte. Einen Abend vor Mannheim hatte sie im Stuttgarter Hegelsaal gespielt, einen Tag später stand bereits der Baltic Soul Weekender in Bispingen auf dem Plan. Nach Mannheim folgten Berlin sowie weitere Konzerte in Italien und Österreich.
Trotzdem fühlte sich der Abend im Rosengarten nicht wie ein Termin an, den eine routinierte Sängerin einfach aus ihrem Tourkalender streicht. Dafür war Stansfield zu präsent. Sie brauchte keine wilde Choreografie und keine riesige Produktion, um den Mozartsaal zu erreichen. Die alten Songs hatten längst ihre eigene Geschichte, die neuen mussten sich diesen Platz erst verdienen. Beides stand an diesem Abend nebeneinander, ohne sich gegenseitig im Weg zu sein.
Und irgendwann war da natürlich diese Melodie, auf die jeder gewartet hatte. „All Around the World“. Ein Song, der 1989 um die Welt ging und 25 Jahre später im Rosengarten noch immer nach Lisa Stansfield klang. Keine Kopie der Vergangenheit. Einfach ihre Stimme.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













