
Lukas Graham in Frankfurt: Zwischen Soul, Party und Gefühl
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Mal steht Lukas Forchhammer konzentriert am Mikrofon, wenige Minuten später springt er quer über die Bühne und treibt das Publikum vor sich her. Gestern Abend, am 15. März 2017, gastierten Lukas Graham in Frankfurt und brachten ihren Mix aus Pop, Soul, Funk und Hip-Hop in die Jahrhunderthalle. Rund 2.800 Fans erlebten einen Sänger, der zwischen ausgelassener Partystimmung und sehr persönlichen Momenten erstaunlich mühelos wechseln kann.
Im Mittelpunkt stehen die Songs des international erfolgreichen „Blue Album“. Doch live klingt vieles direkter und rauer. Die Bläser geben zusätzlichen Druck, das Schlagzeug treibt die schnelleren Stücke nach vorne, und Forchhammer braucht keine aufwendige Bühnenshow, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er redet viel, bewegt sich ständig und wirkt dabei eher wie der Gastgeber einer ziemlich großen Feier als wie ein distanzierter Popstar.
Hein Cooper eröffnet den Abend in Frankfurt
Bevor die Dänen übernehmen, steht der australische Singer-Songwriter Hein Cooper auf der Bühne. Mit Gitarre, elektronischen Elementen und seiner markanten Stimme setzt er einen deutlich ruhigeren Auftakt. Cooper begleitet Lukas Graham auf der Europatour und steht auch bei den unmittelbar folgenden Konzerten wieder als Support auf dem Programm.
Danach wird umgebaut, das Licht geht herunter und die Stimmung verändert sich. Die Menschen rücken näher an die Bühne, Gespräche werden lauter, Smartphones kommen aus den Taschen. Viel Geduld verlangt die Band ihrem Publikum anschließend nicht ab.
Drunk in the Morning bringt die Jahrhunderthalle in Bewegung
Bei „Drunk in the Morning“ ist der Abend endgültig angekommen. Forchhammer hebt sein Getränk Richtung Publikum und begrüßt Frankfurt mit einem deutschen „Prost, meine Damen und Herren“. Das kommt an. Der Groove sitzt, die Bläser schieben nach, und im Innenraum wird aus Zuhören zunehmend Tanzen.
Auch „Hayo“ funktioniert live hervorragend. Der Song ist vielen noch weniger vertraut als die großen Radiohits, trotzdem klatscht der Saal schnell mit. Genau hier zeigt sich die Stärke der Band: Lukas Graham verlassen sich nicht darauf, dass jeder Titel bereits bekannt sein muss. Sie spielen ihn so, dass das Publikum nach wenigen Takten drin ist.
Forchhammer ist dabei ständig unterwegs. Mal am Bühnenrand, dann zurück bei seinen Musikern, zwischendurch ein kurzer Kommentar. Ein glatt choreografierter Popabend ist das nicht. Eher kontrolliertes Durcheinander mit einer Band, die sich sehr genau kennt.
What Happened to Perfect zeigt die ruhige Seite
Dann nimmt die Show Tempo heraus. Bei „What Happened to Perfect“ wird es merklich stiller in der Jahrhunderthalle. Forchhammers Stimme steht plötzlich weit stärker im Vordergrund, und aus dem energiegeladenen Frontmann wird für einige Minuten ein Geschichtenerzähler.
Viele Songs von Lukas Graham funktionieren genau über diesen persönlichen Zugang. Familie, Herkunft, Beziehungen, Freunde, Verlust und die eigene Vergangenheit tauchen immer wieder in den Texten auf. Das wirkt live stärker als auf einer perfekt produzierten Aufnahme, weil Forchhammer zwischen den Songs nicht versucht, eine künstliche Distanz zu seinem Publikum aufzubauen.
Kurz darauf schlägt die Stimmung wieder um. „Take the World by Storm“ bringt Bewegung zurück, Schlagzeug und Bläser ziehen das Tempo an. Der Wechsel passt zu diesem Konzert: laut und ausgelassen, dann wieder erstaunlich intim. Beides darf nebeneinanderstehen.
7 Years wird zum großen Moment des Abends
Natürlich wartet Frankfurt auf „7 Years“. Der Song hat Lukas Graham innerhalb kurzer Zeit von einer in Dänemark längst erfolgreichen Band zu einem internationalen Namen gemacht. 2016 lief die Nummer praktisch überall, erreichte in zahlreichen Ländern Spitzenpositionen und brachte der Band auch in Deutschland den endgültigen Durchbruch. Die aktuelle Europatour führt sie deshalb durch deutlich größere Hallen als noch wenige Jahre zuvor.
Live braucht „7 Years“ keine große Inszenierung. Schon die ersten Töne lösen die erwartete Reaktion aus. Stimmen kommen aus allen Richtungen zurück, manche Besucher halten ihre Smartphones hoch, andere singen einfach mit. Forchhammer lässt den Song wirken und gibt dem Publikum immer wieder Raum.
Gerade weil der Abend zuvor so viel Bewegung hatte, trifft dieser Moment. Keine Explosion, kein Konfettiregen. Eine Melodie, ein persönlicher Text und eine Halle, die ihn gemeinsam singt.
Lukas Graham brauchen keine große Show
Was am Ende hängen bleibt, ist die Leichtigkeit, mit der diese Band verschiedene Stimmungen zusammenbringt. Lukas Graham können Soul und Pop, sie können einen Saal tanzen lassen und ihn wenig später fast vollständig herunterfahren. Dazu kommt ein Frontmann, der mit seinem Publikum redet, statt nur zwischen zwei Songs den nächsten einstudierten Satz abzuspulen.
Die Jahrhunderthalle ist dafür ein guter Ort. Groß genug für die inzwischen internationalen Hits, aber noch nah genug, damit der direkte Kontakt zwischen Bühne und Publikum nicht verloren geht.
Und irgendwann ist dieser Abend dann vorbei. Ein paar Minuten zuvor haben noch hunderte Stimmen gemeinsam „7 Years“ gesungen, jetzt gehen die Lichter wieder an.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













