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Schon vor dem Einlass ziehen sich lange Schlangen vor dem Wormser, drinnen wartet ein bis auf den letzten Platz gefüllter Mozartsaal. Rund 1.200 Besucher sind am 16. März 2017 gekommen, um Anastacia in Worms zu erleben. Der Auftritt im Rahmen ihrer „Ultimate Collection Tour“ ist dabei mehr als ein gewöhnlicher Tourstopp: Von jeder verkauften Eintrittskarte gehen zehn Euro an die Deutsche Kinderkrebsstiftung, am Ende des Abends kommen insgesamt 25.000 Euro für den guten Zweck zusammen.
Pünktlich um 20.30 Uhr wird es dunkel. Bass und Licht übernehmen den Mozartsaal, dann steht diese kleine Frau mit der gewaltigen Stimme auf der Bühne. Viel Abstand zwischen Künstler und Publikum gibt es hier nicht. Gerade das macht diesen Abend besonders.
Anastacia eröffnet überraschend mit „Army of Me“, dem Song von Christina Aguilera. Doch spätestens beim folgenden „Sick and Tired“ ist der Saal voll da. Die markante, leicht raue Stimme schneidet durch die Band, die ersten Fans stehen auf, andere singen bereits jede Zeile mit.
Mit „Stupid Little Things“ und „Paid My Dues“ bleibt das Tempo hoch. Gerade letzterer gehört zu jenen Songs, bei denen Anastacia nur wenige Takte braucht, um das Publikum abzuholen. Dazwischen redet sie viel, scherzt mit den Menschen in den ersten Reihen und wirkt erstaunlich nahbar. Keine distanzierte Superstar-Show, sondern ein Konzert, bei dem immer wieder direkter Kontakt entsteht.
„Cowboys & Kisses“ zieht die Stimmung anschließend etwas herunter, bevor „Everything Burns“ und „In Your Eyes“ die unterschiedlichen Seiten ihrer Stimme zeigen. Mal kratzt sie regelrecht an den Tönen, dann wird sie plötzlich weich und zurückhaltend.
Besonders stark sind die Momente, in denen die Produktion kleiner wird. „Heavy on My Heart“ gehört dazu. Anastacia steht vorne, die Band hält sich zurück, und ihre Stimme füllt den Mozartsaal auch ohne große Showeffekte problemlos aus. Danach folgen mit „Pieces of a Dream“ und „You’ll Never Be Alone“ weitere ruhigere Stücke.
Für „I Belong to You“, das Duett mit Eros Ramazzotti, muss Worms natürlich ohne den Italiener auskommen. Den Gegenpart übernimmt eine Backgroundsängerin. Funktioniert trotzdem. Gerade in der vergleichsweise intimen Atmosphäre des Mozartsaals bekommt der Song eine Nähe, die in einer großen Arena schnell verloren gehen würde.
Zwischen den Songs wechselt Anastacia mehrfach das Outfit, ohne dass daraus eine endlose Kostümshow wird. Die Musik bleibt im Mittelpunkt.
Dann wird es funkiger. Ein Medley führt in „Not That Kind“, Schlagzeug und Bass stehen plötzlich weit vorne im Sound. „Why’d You Lie to Me“ hält den Druck, bevor Anastacia mit „Best of You“ von den Foo Fighters einen ziemlich kräftigen Abstecher in Richtung Rock macht.
Gerade hier zeigt sie, wie viel Rock in ihrer Stimme steckt. Die höheren Passagen kommen klar, die raueren Stellen haben Druck und wirken live deutlich schmutziger als auf vielen ihrer Popproduktionen. Die Band zieht mit, das Publikum ebenfalls.
Danach kommen die Treffer, auf die viele gewartet haben.
Bei „I’m Outta Love“ hält es endgültig kaum jemanden mehr ruhig. Der Song, mit dem Anastacia zu Beginn des Jahrzehnts international durchgestartet ist, funktioniert auch 2017 sofort. Der Refrain kommt aus dem gesamten Saal zurück.
Noch größer wird die Reaktion bei „Left Outside Alone“. Anastacia muss Teile des Songs praktisch nur noch anstoßen, den Rest übernehmen die Fans. Genau diese beiden Titel zeigen, weshalb die „Ultimate Collection Tour“ so gut funktioniert: Es geht nicht um ein einzelnes Album, sondern um eine Karriere voller Songs, die viele im Saal seit Jahren begleiten.
Nach rund 90 Minuten ist trotzdem noch nicht ganz Schluss. Anastacia kommt für „One Day in Your Life“ zurück und beendet den Abend mit einem Song, der perfekt zu dieser letzten, gelösten Stimmung passt.
Draußen wartet wieder ein ganz normaler Wormser Donnerstagabend. Im Mozartsaal war für anderthalb Stunden eine der markantesten Popstimmen der vergangenen Jahre zum Greifen nah.
Zugabe:
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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