
Marko Hietala in Frankfurt: Zwischen Hard Prog und Metal
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Am 4. Februar 2020 stand Marko Hietala in der Batschkapp Frankfurt einmal nicht als Bassist und Sänger von Nightwish auf der Bühne. Diesmal gehörte der Abend seiner eigenen Musik. Mit der „Tour of the Black Heart“ präsentierte der Finne sein wenige Tage zuvor veröffentlichtes englischsprachiges Soloalbum „Pyre of the Black Heart“. Als Support waren seine Landsleute von Oceanhoarse dabei. Marko Hietala in Frankfurt zeigte damit eine Seite des Musikers, die im großen Symphonic-Metal-Kosmos von Nightwish zwangsläufig weniger Platz bekam.
Wer wegen Nightwish gekommen war und eine ähnlich orchestrale Show erwartete, musste sich allerdings umstellen. Hietalas Solomaterial war kantiger, persönlicher und musikalisch schwerer einzuordnen. Heavy Metal war da. Progressive Rock ebenfalls. Dazu Folk-Anleihen und ruhigere Passagen. Hietala selbst bezeichnete die Richtung seiner Platte recht treffend als „Hard Prog“.
Oceanhoarse eröffnen den finnischen Metal-Abend
Bevor Hietala die Bühne übernahm, legten Oceanhoarse los. Die finnische Band begleitete ihn auf der Europatour und passte mit ihrem direkten, modernen Metal gut vor einen Headliner, dessen Publikum härtere Töne gewohnt war. Der Frankfurter Auftritt als Support am 4. Februar ist auch in zeitgenössischen Konzertarchiven dokumentiert.
Oceanhoarse verzichteten auf großen Zierrat. Gitarren nach vorne, Rhythmusgruppe dahinter, fertig. Gerade als Einstieg funktionierte das. Die Batschkapp bekam keinen behutsamen Warm-up-Act, sondern eine Band, die den Raum früh auf Betriebstemperatur brachte.
Danach wurde umgebaut. Und der Mann, den viele bislang vor allem neben Floor Jansen kannten, rückte selbst komplett ins Zentrum.
„Pyre of the Black Heart“ gibt Hietala mehr Raum
Hietalas Solodebüt war ursprünglich bereits im Mai 2019 unter dem finnischen Titel „Mustan Sydämen Rovio“erschienen. Für den internationalen Markt folgte am 24. Januar 2020 die englischsprachige Version „Pyre of the Black Heart“. Es handelte sich also nicht einfach um dasselbe Album mit einem englischen Titel, sondern um neu eingesungene englische Fassungen der Stücke.
Diese Songs wirkten live deutlich weniger wie ein Nebenprojekt.
„Stones“, „The Voice of My Father“, „Star, Sand and Shadow“, „Dead God’s Son“ oder „Runner of the Railways“ ließen Hietala musikalisch wesentlich freier agieren, als es innerhalb einer Band wie Nightwish möglich ist. Die Platte war über Jahre gewachsen; manche Ideen hatte er lange mit sich herumgetragen, weil sie für andere Projekte zu persönlich waren oder schlicht nicht hineinpassten.
Gerade das hörte man in der Batschkapp. Nicht jede Nummer zielte sofort auf den großen Refrain. Manche Songs nahmen Umwege, wechselten Tempo und Stimmung oder ließen der Band Zeit, eine Passage auszubauen.
Das Publikum ging mit.
Marko Hietala muss sich nicht hinter Nightwish verstecken
Natürlich hing der Name Nightwish über diesem Konzert. Das ließ sich 2020 kaum vermeiden. Hietala war damals seit 2001 Bassist und männliche Gesangsstimme der finnischen Band und hatte deren Sound über viele Jahre mitgeprägt.
In Frankfurt wurde aber schnell deutlich, dass der Soloabend nicht dazu gedacht war, eine kleinere Nightwish-Version auf eine Clubbühne zu stellen.
Hietalas markante Stimme war dieselbe, der musikalische Rahmen nicht. Mal rau und schwer, dann wieder melodischer oder deutlich progressiver. Dazu kam eine Band, die den Songs genügend Luft ließ: Tuomas Wäinölä an der Gitarre, Vili Ollila an den Keyboards und Anssi Nykänen am Schlagzeug gehörten auch zur Besetzung des Albums.
Und Hietala selbst?
Der musste wenig inszenieren. Bass umgehängt, diese sofort erkennbare Stimme, dazu der lange Bart. Viel mehr braucht es bei ihm optisch ohnehin nicht.
Von eigenen Songs bis Black Sabbath
Die Tour setzte den Schwerpunkt klar auf das Soloalbum. Bei den europäischen Konzerten standen regelmäßig Stücke wie „Star, Sand and Shadow“, „Dead God’s Son“, „The Voice of My Father“, „For You“, „Death March for Freedom“, „I Am the Way“, „Runner of the Railways“ und „Stones“ im Programm. Dazu gehörte mit „War Pigs“ auch Black Sabbath zum Repertoire der Tour.
Gerade diese Mischung passte zu Hietala. Seine eigene Musik trägt hörbar klassischen Heavy Metal in sich, ohne sich darauf beschränken zu lassen. Der Wechsel zu Black Sabbath wirkte deshalb weniger wie ein beliebiges Cover als wie ein kurzer Blick auf musikalische Wurzeln.
Für die Batschkapp war das ein angenehm anderer Metalabend. Keine riesige Leinwand, keine Symphonic-Metal-Inszenierung und kein Versuch, mit dem Hauptprojekt zu konkurrieren. Stattdessen stand ein Musiker auf der Bühne, der endlich genügend Platz für Songs hatte, die unter seinem eigenen Namen entstanden waren.
Text & Foto © Jan Heesch














