
One Night of Tina in Mannheim: Die Songs einer Rock-Ikone
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Am 10. Dezember 2019 gehörte der Mozartsaal im Mannheimer Rosengarten für einen Abend der Musik von Tina Turner. Bei „One Night of Tina – A Tribute to the Music of Tina Turner“ stand nicht die echte „Queen of Rock“ auf der Bühne, sondern die britische Sängerin Sharon Ballard mit einem Ensemble aus London. One Night of Tina in Mannheim kam dabei zu einem passenden Zeitpunkt: Gerade zwei Wochen zuvor, am 26. November, hatte Tina Turner ihren 80. Geburtstag gefeiert. Mannheim war eine von 25 Stationen der damaligen Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Und irgendwann nach den ersten Songs stellte sich ohnehin nicht mehr die Frage, wie nah Ballard optisch am Original liegt. Viel wichtiger war: Tragen diese Songs auch dann einen ganzen Abend, wenn Tina Turner selbst nicht auf der Bühne steht?
Ja. Ziemlich mühelos sogar.
Sharon Ballard wird nicht zur Kopie von Tina Turner
Sharon Ballard hatte an diesem Abend einen Job, um den man sie nicht unbedingt beneiden muss. Tina Turner einfach nachzumachen, wäre schnell zur Karikatur geworden. Zu unverwechselbar waren Stimme, Bewegungen und diese fast körperliche Wucht, mit der Turner ihre Songs auf der Bühne lebte.
Ballard ging einen besseren Weg.
Sie griff die bekannten Gesten und den rauen Charakter der Songs auf, blieb dabei aber Sängerin und Frontfrau einer eigenständigen Konzertshow. Dass sie für die 2019er Produktion als Tina-Darstellerin ausgewählt worden war, war kein Zufall: Die in London ausgebildete Sängerin brachte neben der Stimme auch reichlich Bühnenerfahrung mit.
Dahinter arbeitete eine komplette Live-Band. Und das war wichtig. Denn Tina-Turner-Songs vertragen keinen dünnen Playback-Abend.
Sie brauchen Druck.
„Private Dancer“ und „What’s Love Got to Do with It“ brauchen wenig Erklärung
Die Auswahl konnte aus einem ziemlich komfortablen Fundus schöpfen. „Private Dancer“, „What’s Love Got to Do with It“, „We Don’t Need Another Hero“ und natürlich „The Best“ gehören seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Songs Tina Turners und waren zentrale Bestandteile der Tribute-Produktion.
Bei solchen Titeln passiert im Publikum etwas Interessantes. Man hört kaum nur den Song, der gerade gespielt wird. Da kommen Filme, Autofahrten, Partys und vielleicht irgendeine alte Schallplatte oder CD gleich mit zurück.
Gerade „Private Dancer“ braucht keine große Hektik. Der Song lebt von seiner Atmosphäre. „What’s Love Got to Do with It“ wiederum sitzt nach wenigen Takten so fest im Ohr, dass das Publikum den Refrain praktisch automatisch übernimmt.
Und dann „The Best“.
Natürlich wartet jeder darauf.
Man kann einen Tina-Turner-Tribute-Abend vermutlich auch ohne diesen Song veranstalten. Man sollte es nur besser nicht versuchen.
One Night of Tina erzählt Karriere über Musik statt Musicalhandlung
„One Night of Tina“ wollte ausdrücklich kein klassisches Biografie-Musical sein. Die Produktion setzte auf eine rund 90-minütige Konzertshow und ließ Tina Turners Geschichte vor allem durch ihre Songs sichtbar werden. Der Produzent beschrieb das Konzept als Hommage an eine Karriere, die von enormem Erfolg, aber auch von persönlichen Brüchen geprägt war.
Das war die richtige Entscheidung.
Denn wer an diesem Abend in den Rosengarten gekommen war, wollte keine langen Dialogszenen zwischen zwei Hits. Man wollte diese Musik hören.
Die Show ließ trotzdem verschiedene Phasen von Turners Karriere anklingen. Da steckt schließlich genug Stoff drin: die frühen Jahre, der spätere Neustart als Solokünstlerin und schließlich jene 1980er-Jahre, in denen aus Tina Turner endgültig ein Weltstar wurde.
Dazu kam eine Lichtproduktion, die ordentlich auffuhr, ohne jede Nummer unter Effekten zu begraben. Mal stand Ballard klar im Zentrum, dann nahm die gesamte Bühne Fahrt auf. Ein Tribute-Konzert darf ruhig groß aussehen. Bei dieser Vorlage sogar unbedingt.
Der Rosengarten wird bei den großen Hits deutlich lauter
Die stärksten Minuten kamen wenig überraschend mit den Songs, die wirklich jeder kannte.
Jetzt wurde geklatscht. Mitgesungen sowieso. Menschen, die einige Nummern zuvor noch aufmerksam auf ihren Plätzen saßen, wurden zunehmend unruhiger. Im positiven Sinn.
Gerade hier zeigte sich, wie sehr Tina Turners Musik für die Bühne geschrieben scheint. Ihre großen Hits sind keine vorsichtigen Studiokonstruktionen, die live erst übersetzt werden müssen. Da steckt Bewegung drin, ein Rhythmus, der sofort nach vorne geht, und meistens ein Refrain, der spätestens beim zweiten Durchlauf im ganzen Saal angekommen ist.
Das Londoner Ensemble verstand das. Statt die Originale ehrfürchtig unter eine Glasglocke zu stellen, wurden sie gespielt.
Laut.
Und genau das brauchte dieser Abend.
Eine Hommage, die von den Songs lebt
Natürlich ersetzt Sharon Ballard keine Tina Turner. Das sollte sie auch gar nicht.
Interessanter war ohnehin etwas anderes. Man merkte im Mannheimer Rosengarten, wie stark dieses Repertoire selbst Jahrzehnte nach seiner Entstehung noch funktioniert. Kein komplizierter Aufbau, kein permanentes Erklären der Musik. „We Don’t Need Another Hero“, „Private Dancer“, „What’s Love Got to Do with It“ oder „The Best“ brauchen keinen historischen Beipackzettel.
Am Ende war „One Night of Tina“ deshalb weniger eine perfekte Illusion als eine große Geburtstagsparty mit etwas Verspätung. Tina Turner war nicht da.Ihre Songs schon.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













