
PLAYLIST OHNE FILTER. Warum Masud Akbarzadeh Stand-up neu mischt
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Masud Akbarzadeh gehört seit Jahren zu den markantesten Stimmen der deutschen Stand-up-Comedy. Nach Auftritten auf den großen Bühnen, TV-Produktionen und Streamingplattformen geht er 2026 mit seinem neuen Programm „Playlist“ auf Tour. Statt einer perfekt polierten Show setzt Masud auf Spontaneität, Risiko und Material, das sich Abend für Abend verändern darf. Neue Geschichten treffen auf neu interpretierte Klassiker aus früheren Programmen. Genau diese Mischung macht jede Show einzigartig.
Vor seinem Tourstopp am 10. September 2026 im BORA in Duisburg spricht Masud Akbarzadeh mit dem CityGuide-Rhein-Neckar-Pfalz-Main über kreative Freiheit, die Entwicklung seines Programms, den Reiz ungeplanter Momente und darüber, warum guter Stand-up niemals stillsteht.
„Playlist“ verbindet komplett neues Material mit bekannten Momenten aus früheren Programmen. Nach welchen Kriterien entscheidest du, welche Bits eine zweite Chance verdienen und wie schaffst du es, dass sie heute trotzdem völlig neu wirken?
Masud: Manche Geschichten passen einfach immer noch. Meine Stimme hat sich geändert und das macht es auch anders. Außerdem ist jede Geschichte je nach Jahreszeit auch anders… es ist also nie „alt“. Ich entdecke diese Bits, wie wir in der Szene sagen, dadurch auch neu.
Du beschreibst „Playlist“ als bewusst roh, direkt und nicht glattgebügelt. Wo ziehst du die Grenze zwischen kontrolliertem Chaos und einer Show, die trotz aller Spontaneität dramaturgisch funktionieren muss?
Masud: Ich ziehe gar keine Grenze, weil Grenzen im Stand-up Quatsch sind. Sobald du versuchst, das Chaos zu kontrollieren, wird es langweilig. Das Publikum merkt sofort, wenn du ihnen ein durchchoreografiertes Theaterstück vorspielst. Mein Sicherheitsnetz ist einfach meine Erfahrung – und die Tatsache, dass ich keine Angst vor Stille habe. Entweder sie lachen mit dir oder über dich.
Die „Playlist“-Tour 2026 startet mit mehreren bereits ausverkauften Abenden. Verändert ein solcher Tourauftakt deine Herangehensweise oder beginnt für dich jede Bühne wieder komplett bei null?
Masud: Ausverkauft ist super für mein Ego aber vor allem für die Miete – Merz reibt sich die Hände und ich muss Schutzgeld abdrücken, wie alle anderen auch. „Ausverkauft“ verändert aber auf der Bühne gar nichts. Sobald das Licht angeht, interessiert es niemanden, ob draußen noch Leute standen, die kein Ticket bekommen haben. Das Publikum, das da sitzt, will genau JETZT unterhalten werden. In dem Moment bist du immer wieder bei null. Null ist es nach über 30 Jahren aber nicht mehr.
Deine Auftritte leben von Tempo, Timing und Improvisation. Wie entwickelt sich eine Live-Show, wenn du über Wochen jeden Abend vor einem anderen Publikum spielst? Gibt es Momente, in denen das Publikum das Programm selbst mitgestaltet?
Masud: Live Shows sind immer anders als es im TV – bzw eher online -. Ich kann die Wand brechen und mit den Leuten sprechen. Ich mache das nicht den ganzen Abend über aber wenn der Moment da ist, dann ist jeder Mensch anders aber auch gleich. Also ja, irgendwie schon aber es ist auch kein Workshop. Eher wie eine hochwertige Vorlesung in der der Prof ab und an auch Fragen stellt bevor er wieder in den Monolog geht.
Viele Comedians feilen monatelang an jeder Pointe. Bei dir entsteht oft der Eindruck, dass du Risiken bewusst zulässt. Wie wichtig ist dir der Moment, in dem ein Gag live vielleicht scheitert, am Ende aber genau dadurch besser wird?
Masud: Scheitern würde ich nicht sagen, das Timing ist einfach nicht richtig. Manchmal braucht es einfach 20 Jahre bis der Moment richtig ist.
Du hast Stand-up in den USA gelernt und inzwischen auf unzähligen deutschen Bühnen gespielt. Welche Entwicklung siehst du aktuell in der deutschen Comedy-Szene, die viele Zuschauer vielleicht gar nicht wahrnehmen?
Masud: Als ich angefangen habe, war deutsche Comedy oft: Perücke aufsetzen, ein witziges Kostüm anziehen und drei Klischees bedienen. Heute versteht das Publikum endlich, was echtes Stand-up ist – nämlich einfach ein Mensch, ein Mikrofon und ehrliche Beobachtungen. Was die Leute nicht sehen: Wie brutal viel Arbeit hinter der vermeintlichen Leichtigkeit steckt und wie verdammt gut die junge Generation in Deutschland mittlerweile geworden ist. Die Szene ist viel schneller, internationaler und kompromissloser als vor zehn Jahren. Früher war ich „der seltsame“ jetzt bin ich genial.
Die „Playlist“-Tour 2026 führt dich quer durch Deutschland und in die Schweiz. Gibt es Städte oder Veranstaltungsorte, bei denen du schon im Vorfeld weißt, dass dort eine ganz besondere Energie entstehen wird und wodurch zeichnet sich diese aus?
Masud: Nach über 30 Jahren kommen Leute ja wirklich meinetwegen, daher ist meist schon ’ne gute Stimmung. Das war harte Arbeit und trotzdem ein Privileg. Früher habe ich den Unterschied bemerkt, ja, jede Stadt war anders. Wenn ich in Mix Shows war und es uns in die tiefsten Osten verschlagen hat… ja… mittlerweile, mit der Fanbase und Menschen vom ähnlichen Schlag, da ist es ein geringer Unterschied.
Hinter jeder Bühne steckt auch der Mensch, der irgendwann wieder nach Hause fährt. Was hilft dir persönlich dabei, zwischen Reisen, Auftritten und kreativem Dauerfeuer den Kopf frei zu bekommen und neue Ideen entstehen zu lassen?
Masud: Nichts tun. Absolut gar nichts. Ich bin ein Meister im Schlafen, an die Decke starren und gutes Essen bestellen. Wenn ich nach einer Tourwoche nach Hause komme, mache ich mein Handy aus, ignoriere die Welt und koche mir was Vernünftiges. Neue Ideen entstehen bei mir nicht, wenn ich krampfhaft nachdenke, sondern wenn ich im Supermarkt in der Schlange stehe und beobachte, wie sich zwei Leute wegen der letzten Packung Hafermilch streiten. Sport und lümmeln.
Mit Duisburg steht erstmals ein Auftritt im BORA auf dem Tourplan. Was dürfen Besucher erwarten, die dich vielleicht zum ersten Mal live erleben und warum funktioniert Stand-up deiner Meinung nach erst dann richtig, wenn man ihn nicht auf einem Bildschirm, sondern direkt im Saal erlebt?
Masud: Ich war schon 2-3 Mal im BORA. Schön das es keiner mitbekommen hat, hätte evtl Bilder machen sollen, dann hätte es jemand mitbekommen.
Wenn „Playlist“ irgendwann abgeschlossen ist und du auf diese Tour zurückblickst, woran möchtest du sie erinnern und welche Ideen oder Projekte reizen dich danach am meisten?
Masud: Danach bin ich süchtig nach mehr, aber auch danach nichts zu tun. Ich genieße nach den Shows die Zuschauer die danach noch sagen wieviel Spaß sie hatten. Darum geht es doch. Menschen zum Lachen bringen und ihren Alltag vergessen lassen.
Lieber Masud, vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview genommen hast. Wir wissen das sehr zu schätzen und freuen uns, unsere Leserinnen und Leser auf deine neue Tour aufmerksam machen zu dürfen.
Für die „Playlist“-Tour 2026 wünschen wir dir ausverkaufte Häuser, begeistertes Publikum, unvergessliche Abende und vor allem viele Momente, in denen genau das passiert, was großartigen Stand-up ausmacht. Überraschung, Spontaneität und ehrliches Lachen.
Wir freuen uns darauf, deinen weiteren Weg zu begleiten und wünschen dir eine erfolgreiche Tour.
Interview by CK
Bild: Masud Akbarzadeh © Marvin Ruppert














