Zwischen Moshpit und Mittelalter. BLUTHUND reißen mit voller Wucht an den Grundfesten der Nostalgie 

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Mit der Single „MITTELALTER“ schlagen BLUTHUND gemeinsam mit MITTEL ALTA das nächste Kapitel auf dem Weg zum dritten Studioalbum „MUKKE FÜR GEWINNER“ auf. Zwischen satirischer Gesellschaftskritik, brachialen Gitarren, Rap, Hardcore und mittelalterlicher Bildsprache entsteht ein Song, der bewusst provoziert und zum Nachdenken anregt. Im Interview sprechen wir über den kreativen Prozess, den schmalen Grat zwischen Ironie und Kritik, die Entwicklung der Band und die kommende MODUS MOSHPIT Tour.

„MITTELALTER“ spielt bewusst mit der Aussage „Früher war alles besser“, führt diese aber gleichzeitig ad absurdum. Wann war euch klar, dass ihr dieses Thema genau mit dieser Mischung aus Satire, Ironie und kompromissloser Härte erzählen wollt?

Ja, tatsächlich war diese Grundmessage direkt klar. Wir wollten den Leuten, die diese Meinung hatten, einen vor den Latz knallen und das „früher“ einfach noch ein paar hundert Jahre mehr zurückschrauben und ins Mittelalter wandern.

Der Song ist ein weiterer Vorbote zu „MUKKE FÜR GEWINNER“. Welche Rolle spielt „MITTELALTER“ innerhalb des Albums? Ist der Titel repräsentativ für die gesamte Platte oder zeigt er nur einen bestimmten Ausschnitt eurer neuen musikalischen Ausrichtung?

Also unsere rote Linie ist ja musikalisch eigentlich nur, dass es Stromgitarren gibt und Wutrap. Ansonsten ist unsere nächste rote Linie, dass wir die Zuhörer immer wieder foppen wollen. Unerwartbare Songs rauszubringen ist unser Metier. Und so hoffen wir auch, dass am Ende die Platte wahrgenommen wird. Schlimm wäre es, wenn es bloß heißt: „Ah ja, mehr vom selben.“.

Eure Musik verbindet Punk, Rap, Hardcore, Metal und elektronische Elemente. Wie achtet ihr beim Schreiben neuer Songs darauf, dass diese unterschiedlichen Einflüsse eine gemeinsame Identität ergeben und nicht einfach nebeneinander stehen?

Durch unsere Inhalte und die ironischen/Sarkastischen/zugespitzten Raptexte mit Hardcore/Punkattitude glauben wir schon so unsere Linie gefunden zu haben. Aber natürlich bricht ein Song wie „QUARZ ROT GOLD (Halbdeutscher)“ mit dem Sound von „Scheisswut“. Finden wir aber geil (is the limit).

Viele eurer Texte leben von Überspitzung und schwarzem Humor. Wo verläuft für euch beim Songwriting die Grenze zwischen einer gelungenen Provokation und einer Aussage, die missverstanden werden könnte?

Bestenfalls feiern es die Dummen, weil wir dumm sind. Und bestenfalls feiern es die schlauen, weil sie schlau sind. Also Missverständnis ist ja bei den bisherigen Themen wirklich nur möglich, wenn man sich GAR NICHT mit uns beschäftigt. Ansonsten ist unsere Wahrnehmung, dass es immer recht klar ist. Leider vielleicht sogar zu klar. Wir sind da gerade sehr am Diskutieren, ob wir nicht mehr „Missverständnis“ wagen könnten.

Wenn ein neuer Song entsteht. Beginnt bei BLUTHUND alles mit einer Textidee, einem Riff, einem Beat oder entwickelt sich der kreative Prozess jedes Mal anders?

Mal so, mal so. Oft gibt es aber eine Punchline. Was dann entweder die Hook wird und man baut drumherum dann den Text und den Song auf. Aber manchmal ist es auch so, dass es einfach ein Riff gibt und man dann darauf plötzlich ne gute Hook- und Punchline findet und dann bastelt man daraus den Track.

Seit euren ersten Veröffentlichungen hat sich eure Reichweite deutlich vergrößert. Hat dieser wachsende Erfolg eure Arbeitsweise verändert oder versucht ihr bewusst, die gleiche Unabhängigkeit und Spontaneität wie zu Beginn zu bewahren?

Vielleicht schießen wir nicht mehr ganz so aus der Hüfte wie früher, aber wir versuchen aktiv zu vermeiden Musik FÜR unsere Fans zu schreiben. Das gelingt vermutlich nicht immer, weil es ja auch unser Sound ist, aber was ganz klar ist: noch immer redet uns keiner in den Schreibprozess rein, was für uns natürlich ein Segen ist!

Hinter den Masken steckt bewusst ein Stück Anonymität. Eröffnet euch diese Distanz mehr kreative Freiheit oder bringt sie manchmal auch Herausforderungen mit sich, wenn ihr sehr persönliche oder gesellschaftskritische Themen verarbeitet?

Für uns ist das der maximale Freiheitsgrad. Das Hineinschlüpfen in die Rolle BLUTHUND ist ein absoluter Befreiungsschlag. In jeder Hinsicht, ob visuell oder auditiv und inhaltlich. Wir hätten diese Musik unmaskiert so nie gemacht. Nicht weil es so radikal ist, sondern einfach weil es uns – unserer Meinung nach – mehr Objektivität gibt, weil wir uns auch mehr zu einem Kunstobjekt(/projekt) machen.

Eure Songs wirken oft wie ein Ventil für Frust, Wut und gesellschaftliche Beobachtungen. Welche persönlichen Erfahrungen oder Erlebnisse fließen am häufigsten in eure Texte ein, ohne dass ihr dabei eure künstlerische Rolle verlasst?

Da fließen natürlich die Lebensläufe aller mit ein und das was wir selbst an Medien und Kunst konsumieren. Und da wir aus Punk und Hiphop kommen, beides Musikrichtungen, die schon immer oben genannte Dinge zum Ausdruck brachte, haben wir natürlich auch da Automatismen und Neigungen entwickelt.

Im Oktober startet die MODUS MOSHPIT Tour. Worauf dürfen sich die Fans bei den neuen Liveshows besonders freuen? Wird das neue Material den Charakter eurer Konzerte verändern oder eher die Energie verstärken, für die BLUTHUND inzwischen bekannt sind?

Also es wird definitiv den ein oder anderen showmäßigen neuen Hingucker geben, wo Leute hoffentlich so lachen werden, wie wir gelacht haben, als wir uns diesen Mist ausgedacht haben. Es flossen Tränen vor Lachen bei den Proben. Und unsere Bühnenenergie wird vermutlich immer dieselbe sein: jeder Song wird so performt, als wäre es das letzte Mal. Also immer bis zum physischen Ende gehen. Wir lieben das.

Wenn ihr fünf Jahre nach vorne blickt. Wofür soll der Name BLUTHUND dann stehen? Geht es euch darum, musikalisch immer extremer zu werden, gesellschaftlich noch deutlicher Stellung zu beziehen oder eure Grenzen auf ganz andere Weise zu verschieben?

Wir hoffen, dass BLUTHUND für etwas Eigenes steht, das niemanden und nichts hinterlief, sondern sich immer seinen eigenen Kopf und sein eigenes Ding gemacht hat. Unser Weg, unverschämt, ungezähmt, kommst du mit, wenn der Bluthund seine Runden dreht?

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für unsere Fragen nehmt. Wir wünschen euch einen erfolgreichen Start für „MUKKE FÜR GEWINNER“, eine energiegeladene MODUS MOSHPIT Tour und viele unvergessliche Konzertabende. Für euren weiteren Weg wünschen wir euch kreative Freiheit, inspirierende Ideen und den Mut, euren eigenen Stil auch in Zukunft konsequent weiterzuentwickeln. Wir freuen uns darauf, eure musikalische Reise weiter zu begleiten.

Interview by CK

Bild: BLUTHUND_c_aniasudbin

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