
Max Giesinger in Wetzlar: Regen, Nähe und große Hits
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Max Giesinger in Wetzlar wurde am 26. August 2021 zu einem dieser Konzertabende, an denen selbst Regen kaum jemanden interessierte. Auf dem Festplatz Finsterloh stand der Sänger beim Strandkorb Open Air vor seinen Fans und machte vom ersten Moment an deutlich, wie sehr ihm die Rückkehr auf die Bühne gefehlt hatte. Es war zugleich der erste von zwei aufeinanderfolgenden Wetzlar-Abenden. Der ursprünglich angesetzte Termin am 27. August war so schnell ausverkauft, dass für den 26. August ein Zusatzkonzert angesetzt wurde.
Die Freude darüber war Giesinger anzumerken. Viel Bewegung, direkter Kontakt mit den Menschen vor der Bühne und immer wieder dieses breite Grinsen. Ein Konzert nach Schema F sah anders aus.
Max Giesinger sucht die Nähe zu seinen Fans
Das Strandkorb-Konzept setzte 2021 klare Grenzen. Bis zu 700 Strandkörbe standen auf dem Festplatz Finsterloh, Besuchergruppen bekamen ihren eigenen Bereich und Abstand gehörte zum damaligen Veranstaltungskonzept.
Giesinger hielt das trotzdem nicht davon ab, seinem Publikum möglichst nahe zu kommen.
Für einzelne Momente verließ er die klassische Bühnendistanz und bewegte sich durch den Zuschauerbereich. Ein echtes Bad in der Menge war unter Pandemiebedingungen natürlich nicht möglich. Also entstand die 2021er-Version davon: Nähe mit Abstand. Etwas ungewohnt, aber sichtbar wichtig für Künstler und Fans.
Nach Monaten voller Verschiebungen, Absagen und Konzerte vor Kameras statt vor Menschen bekam diese kleine Geste plötzlich Gewicht. Hier stand wieder jemand, der eine Reaktion unmittelbar zurückbekam. Jubel. Applaus. Mitsingen.
Und davon gab es reichlich.
80 Millionen und Wenn sie tanzt werden laut mitgesungen
Musikalisch setzte Max Giesinger auf eine Mischung aus bekannten Songs und damals frischem Material. Seine großen Publikumslieblinge durften dabei selbstverständlich nicht fehlen. Besonders bei „80 Millionen“ und „Wenn sie tanzt“brauchte der Sänger kaum Unterstützung. Die Refrains kamen laut aus den Strandkörben zurück.
Beide Titel stammen aus dem 2016 veröffentlichten Album „Der Junge, der rennt“ und gehören zu den Songs, mit denen Giesinger seinen endgültigen Durchbruch schaffte. „80 Millionen“ erreichte Platz zwei der deutschen Singlecharts, „Wenn sie tanzt“ kam bis auf Platz neun.
Doch 2021 war Max Giesinger musikalisch bereits beim nächsten Kapitel angekommen. Mit „Irgendwann ist jetzt“hatte er im Februar einen neuen Song veröffentlicht, weitere neue Titel folgten im Laufe des Jahres. Sein viertes Studioalbum „Vier“ erschien schließlich am 12. November 2021. Das Wetzlarer Publikum erlebte damit eine Phase, in der vertraute Hits bereits auf Songs trafen, die erst wenige Monate später auf dem neuen Album landen sollten.
Gerade diese Mischung funktionierte live. Die bekannten Nummern sorgten sofort für Bewegung, während das neuere Material zeigte, dass Giesinger nach seinen großen Radiohits nicht auf der Stelle treten wollte.
Regen kann die Stimmung in Wetzlar nicht bremsen
Dann kam der Regen.
Bei einem normalen Open Air reicht das manchmal, um aus euphorischen Zuschauern innerhalb weniger Minuten eine Ansammlung von Regenjacken und flüchtenden Menschen zu machen. In Wetzlar lief es anders.
Niemand hatte vor, den Abend deshalb abzuschreiben. Die Strandkörbe erwiesen sich plötzlich als ziemlich praktische Konzertmöbel und boten zumindest etwas Schutz. Vor allem aber blieb die Stimmung.
Gesungen wurde weiter. Giesinger ließ sich ebenfalls nicht aus dem Konzept bringen und spielte mit derselben Energie weiter. Das passte zu diesem ganzen Konzertsommer. Nach einer langen Zeit ohne reguläre Live-Veranstaltungen musste schon mehr passieren als ein bisschen Regen, damit jemand freiwillig nach Hause ging.
Das Publikum wollte Musik. Endlich wieder.
Zwei Abende Max Giesinger auf dem Festplatz Finsterloh
Dass Max Giesinger gleich zweimal hintereinander in Wetzlar spielte, sagte einiges über die Nachfrage aus. Der Termin am 27. August war früh ausverkauft, der Abend am 26. August kam deshalb als Zusatzshow hinzu. Beide Konzerte begannen um 20 Uhr auf dem Festplatz Finsterloh.
Der erste Abend bekam durch das Wetter seine ganz eigene Geschichte.
Da war ein Künstler, der sichtbar Lust hatte, wieder vor Menschen zu spielen. Eine Band, die diese Spielfreude mittrug. Fans, die selbst im Regen die großen Refrains mitsangen. Und ein Veranstaltungsformat, das eigentlich aus der Not geboren worden war, für ein paar Stunden aber erstaunlich nebensächlich wurde.
Am Ende waren die Strandkörbe eben nicht das Entscheidende.
Es waren „80 Millionen“, „Wenn sie tanzt“, nasse Jacken und hunderte Stimmen, die trotzdem weitersangen.
Text und Foto by Jan Heesch














