
Thundermother in Dortmund: Rock’n’Roll vom Feuerwehr-Truck
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Am 4. August 2020 wurde der JunkYard Dortmund zum Schauplatz eines Konzerts, das selbst in diesem ungewöhnlichen Musiksommer aus dem Rahmen fiel. Thundermother in Dortmund spielten nicht vor einer großen Festivalmenge, sondern für einen kleinen Kreis von RADIO-BOB!-Hörern. Gewinnerin Jasmin durfte Freunde zu dem exklusiven Open-Air-Abend mitbringen. Statt einer gewöhnlichen Bühne wartete auf die schwedische Hardrock-Band ein umgebauter Feuerwehr-Truck, dessen Dach kurzerhand zur Spielfläche wurde.
Die Konstruktion war Teil einer ungewöhnlichen Release-Tour, mit der Thundermother trotz der damaligen Einschränkungen tatsächlich wieder unterwegs waren. RADIO BOB! ließ den Feuerwehrwagen eigens umbauen. Das Dach bot Platz für Instrumente und Musikerinnen und machte die Band unabhängig von einer klassischen Konzertbühne.
Ein Privatkonzert mit gerade einmal rund 50 Gästen
Die Dimension des Abends war für Thundermother ungewöhnlich. Normalerweise spielte die Band zu dieser Zeit auf internationalen Festivals oder in Clubs vor deutlich größerem Publikum. Im JunkYard standen dagegen nur die Gewinnerin des RADIO-BOB!-Gewinnspiels und ihr persönlicher Gästekreis vor dem Truck. RADIO BOB! beschrieb den Dortmunder Termin später selbst als exklusives Privatkonzert mit entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln.
Gerade diese geringe Besucherzahl veränderte den Charakter des Konzerts erheblich. Zwischen Band und Publikum lagen keine großen Absperrungen oder hunderte Meter Festivalgelände. Die Musikerinnen waren präsent, Reaktionen kamen unmittelbar zurück.
Und vor allem: Die Musik kam wieder direkt von einer Bühne.
Nach den zahlreichen Autokonzerten dieses Sommers war allein das schon bemerkenswert. Kein UKW-Signal über das Autoradio, sondern Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang unter freiem Himmel.
„Heat Wave“ steht im Mittelpunkt
Der Zeitpunkt passte zur Veröffentlichung des damals neuen Albums. Nur wenige Tage zuvor, am 31. Juli 2020, erschien „Heat Wave“ über AFM Records. Es war das vierte Studioalbum von Thundermother und bildete entsprechend einen Schwerpunkt der sommerlichen Konzertreise.
Neue Titel trafen in Dortmund auf Stücke aus den vorherigen Jahren. Damit wurde der Abend nicht zu einer reinen Albumpräsentation. Vielmehr zeigte sich die musikalische Linie, die Thundermother bereits über mehrere Veröffentlichungen entwickelt hatten: geradliniger Hardrock, kräftige Gitarrenriffs, ein deutlich hörbarer Rock’n’Roll-Einschlag und wenig Interesse an unnötigen Umwegen.
Die damalige Besetzung mit Filippa Nässil an der Gitarre, Guernica Mancini am Gesang, Majsan Lindberg am Bass und Emlee Johansson am Schlagzeug war während der „Heat Wave“-Phase eingespielt und genau auf diese unmittelbare Form von Hardrock ausgerichtet.
Der Truck wird zur richtigen Rockbühne
Was zunächst nach einer pragmatischen Corona-Lösung aussah, funktionierte erstaunlich schnell als Teil der Show.
Die Musikerinnen standen hoch über dem Publikum auf dem Dach des Fahrzeugs. Gitarren und Schlagzeug passten gerade auf die Fläche, große Laufwege waren damit natürlich ausgeschlossen. Thundermother machten daraus aber kein Problem. Die kleine Bühne zwang die Band zu einer konzentrierten Performance und passte zugleich gut zum direkten Charakter der Songs.
Die Idee mit dem Feuerwehr-Truck zog sich durch mehrere Termine dieser Tour. Neben dem Dortmunder Privatkonzert führte die Reise unter anderem nach Hamburg, Münster, Erfurt und Heide. Mal wurde auf dem Truck gespielt, mal entstanden andere improvisierte Open-Air-Lösungen.
Der Hintergrund war dabei durchaus ernst. Für Bands und Veranstalter waren große Teile des regulären Tourbetriebs 2020 weggebrochen. Der mobile Bühnenaufbau war deshalb weniger Gag als praktische Möglichkeit, überhaupt wieder vor Publikum auftreten zu können.
Thundermother spielen ohne Sicherheitsabstand zur eigenen Energie
Musikalisch brauchte die Band keine Anlaufphase.
Filippa Nässils Gitarrenspiel gab den Songs den nötigen Druck, während Guernica Mancini mit ihrer rauen Stimme den Mittelpunkt des Sounds bildete. Bass und Schlagzeug hielten die Stücke kompakt und verhinderten, dass der Auftritt trotz der ungewöhnlichen Umgebung wie eine abgespeckte Akustikveranstaltung wirkte.
Das war an diesem Abend entscheidend.
Hardrock lebt von Lautstärke und körperlicher Präsenz. Genau das ließ sich im JunkYard wieder erleben. Das Publikum stand zwar mit Abstand verteilt, die Musik selbst kam jedoch ohne Umweg an.
Dass Thundermother ihre aktuelle Platte „Heat Wave“ ausgerechnet unter diesen Bedingungen auf Tour präsentierten, passte fast schon zum Albumtitel. Sommerhitze, ein Feuerwehrwagen und eine Band auf dessen Dach waren jedenfalls keine schlechte Kulisse dafür.
Nach dem Konzert blieb die Band noch bei den Fans
Mit dem letzten Song war der Abend noch nicht sofort beendet. Nach der Show nahm sich die Band Zeit für Gespräche und eine kleine Autogrammrunde. Die geringe Besucherzahl machte einen Austausch möglich, wie er bei größeren Clubshows oder Festivals kaum denkbar gewesen wäre.
Auch darin unterschied sich dieser Dortmunder Termin von einer normalen Tourstation.
Ein zeitgenössischer Podcast-Bericht dokumentiert zudem, dass Thundermother beim Konzert im JunkYard exklusiv für RADIO-BOB!-Gewinner spielten und zur Zugabe sogar in neuen BVB-Trikots auftraten.
Das Konzert blieb damit eine dieser ungewöhnlichen Geschichten des Sommers 2020. Keine volle Halle, kein Festivalgelände und keine klassische Bühne. Dafür ein Feuerwehr-Truck, rund 50 Gäste und eine Hardrock-Band, die unbedingt wieder live spielen wollte.
Manchmal reichte genau das.
Text & Foto © Jan Heesch














