Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Ein Raketenstart eröffnet den Abend. Und das passt. Mit „So damn beautiful“ präsentierte Palazzo Mannheim eine Dinnershow, die kaum Zeit zum Durchatmen ließ. Internationale Artistik, Comedy, Musik und Tanz wechselten sich im Spiegelpalast ab, während zwischen den Showblöcken ein Vier-Gang-Menü von Harald Wohlfahrt serviert wurde.
36 Künstler aus aller Welt standen für die Produktion auf der Bühne. Mehr als 100 Menschen arbeiteten vor und hinter den Kulissen. Das Ergebnis war entsprechend groß gedacht.
Schon wenige Minuten nach dem Start ging es hoch hinaus.
Auf der dreifach ausfahrbaren Mittelbühne setzte Ivan Peres mit seiner Handstandakrobatik früh ein Ausrufezeichen. Kopfüber arbeitete er sich bis unter das sternenglitzernde Dach des Spiegelpalasts.
Danach übernahm Dustin Nicolodi.
Der Schweizer Entertainer führte mit Charme, Tempo und einer gehörigen Portion Selbstironie durch den Abend. Er war mehr als die Verbindung zwischen zwei Programmpunkten. Nicolodi fing die Stimmung im Saal auf, spielte mit dem Publikum und sorgte dafür, dass selbst die notwendigen Übergänge Teil der Show wurden.
Das funktionierte erstaunlich gut.
Mit Sänger Jimmy Wilson, Tänzerinnen und fantasievollen Kostümen bekam der Abend anschließend eine musikalische Seite, bevor das koreanische Trio Hoop Loop übernahm.
Bis zu sechs übereinandergestapelte Reifen wurden zur Bühne für eine Nummer, die Akrobatik und Humor miteinander verband. Im Gangnam Style sprangen, tanzten und purzelten die Künstler durch die unterschiedlich großen Reifen.
Rasant.
Danach änderte Palazzo bewusst das Tempo.
Emily Kinch, früher selbst Tänzerin bei Palazzo, schwebte mit ihrer Solonummer in einem Koffertrolley durch den Spiegelpalast. Nach dem wilden Auftakt entstand plötzlich ein stillerer, beinahe poetischer Moment.
Gerade diese Wechsel hielten die Show lebendig.
Bei Dany Daniels wurde es wieder deutlich nervöser.
Seine Rola-Rola-Darbietung spielte mit einem einfachen Prinzip: Je instabiler der Untergrund wird, desto schwieriger bleibt das Gleichgewicht. Daniels stapelte schließlich acht Rollen übereinander und balancierte in beachtlicher Höhe.
Da schaut man automatisch etwas genauer hin.
Das ukrainische Trio 3J setzte anschließend weniger auf Nervenkitzel als auf Geschwindigkeit und Präzision. Bälle flogen zwischen den drei Artisten hin und her, Körper bewegten sich scheinbar kreuz und quer durch die Nummer, trotzdem blieb jeder Wurf exakt abgestimmt.
Mit Trio Bellissimo wurde es eleganter. Die drei Artistinnen verbanden Hand-auf-Hand-Akrobatik mit fließenden Bewegungen und machten daraus einen der ästhetisch stärksten Programmpunkte des Abends.
Nach dem Hauptgang war Schluss mit Ruhe.
Die Jambo Brothers aus Kenia kamen auf die Bühne und drehten das Tempo wieder hoch. Fünf Artisten bauten menschliche Pyramiden, schlugen Salti und kombinierten ihre Akrobatik mit Seilsprüngen.
Kaum stand die eine Formation, entstand bereits die nächste.
Bei Leosvel und Diosmani rückten anschließend Kraft und Körperspannung in den Mittelpunkt. An der Pole bewegten sich die beiden Artisten vertikal und horizontal durch den Raum, hielten Positionen, die eigentlich nicht bequem aussehen dürften, und ließen sie trotzdem beinahe mühelos erscheinen.
Dann kam die Nummer, bei der mancher Zuschauer vermutlich kurz das Besteck vergessen haben dürfte.
Das Todesrad wurde eigens für die Mannheimer Palazzo-Produktion gebaut und erstmals innerhalb eines Dinnerzelts eingesetzt.
Die Navas-Brüder bewegten sich auf dem rotierenden Doppelrad, liefen innerhalb und außerhalb der Konstruktion und steigerten das Risiko ihrer Kunststücke immer weiter.
Kein Netz aus Showeffekten konnte hier die eigentliche Leistung verdecken. Timing musste stimmen. Jeder Schritt.
Kurz vor dem Finale erreichte „So damn beautiful“ damit seinen artistischen Höhepunkt.
Bei Palazzo sitzt der eigentliche Star allerdings nicht ausschließlich auf der Bühne.
Während über den Köpfen der Gäste Artisten durch die Luft flogen, arbeitete hinter den Kulissen eine zweite Mannschaft daran, bis zu 500 Gäste nahezu gleichzeitig zu bewirten.
Verantwortlich für das Menü war erneut Harald Wohlfahrt.
Der vielfach ausgezeichnete Koch stellte ein Vier-Gang-Gourmet-Menü zusammen, das nicht als Nebensache zwischen den Showblöcken behandelt wurde. Besonders das sous-vide gegarte Kalbfleisch beim Hauptgang zeigte den Anspruch der Küche.
Genau darin liegt die Schwierigkeit einer Dinnershow: Artistik und Menü müssen nebeneinander bestehen können.
In Mannheim gelang das.
Palazzo Mannheim setzte bei dieser Produktion auf Masse, ohne beliebig zu wirken. 36 Künstler, Tanz, Livemusik, Comedy, Jonglage, Handstandakrobatik, Pole-Artistik und schließlich das Todesrad hätten schnell zu viel werden können.
Wurden sie aber nicht.
Die Inszenierung wechselte geschickt zwischen Vollgas und leiseren Momenten. Dazu kamen fantasievolle Kostüme, Licht und die besondere Atmosphäre des Spiegelpalasts.
Und irgendwann war der Name der Show keine Übertreibung mehr.
„So damn beautiful“ war verdammt schön.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopicturesSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen