Tini Stoessel live auf der Quiero Volver Tour 2020 in der Batschkapp Frankfurt

Tini in Frankfurt: Vom Disney-Star zum Latin-Pop-Act

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Am 3. März 2020 machte Tini Stoessel mit ihrer „Quiero Volver Tour“ Station in der Batschkapp Frankfurt. Für die argentinische Sängerin war der Abend Teil einer Europastrecke, die sie zuvor unter anderem nach Berlin, Hamburg, München und Stuttgart geführt hatte. Nur einen Tag später ging es in Paris weiter.

Wer Tini noch hauptsächlich mit der Disney-Serie „Violetta“ verband, bekam in Frankfurt längst eine andere Künstlerin zu sehen. Die Schauspielrolle hatte ihr ein internationales Publikum verschafft, ihre eigene Musik hatte sich danach jedoch deutlich weiterentwickelt. Latin Pop, elektronische Produktionen, Reggaeton-Einflüsse und klassische Popsongs bestimmten inzwischen ihre musikalische Richtung. Tini in Frankfurt zeigte damit eine Sängerin, die den Übergang vom Teenie-Star zur eigenständigen Popkünstlerin weitgehend vollzogen hatte.

Die „Quiero Volver Tour“ setzt auf mehrere musikalische Kapitel

Die Show war in verschiedene Abschnitte gegliedert und arbeitete mit Videoeinspielern und musikalischen Interludes. „Princesa“, „Ya no hay nadie que nos pare“, „Fresa“ und „Respirar“ gehörten zu den Songs, mit denen Tini auf der europäischen Tour den ersten Block gestaltete. Später folgten unter anderem „Finders Keepers“, „Si tú te vas“ und „Great Escape“.

Damit traf Material aus unterschiedlichen Phasen ihrer bisherigen Solokarriere aufeinander.

Das selbstbetitelte Debütalbum „TINI“ war 2016 erschienen, „Quiero Volver“ folgte 2018. Gerade das zweite Album rückte Tini musikalisch stärker in Richtung Latin Pop und brachte Kollaborationen mit Künstlern wie Sebastián Yatra, Karol G, Morat und Nacho zusammen.

Auf der Bühne ließ sich diese Entwicklung gut abbilden. Ältere englischsprachige Popsongs standen neben spanischen Titeln, während aktuelle Stücke bereits deutlich stärker von lateinamerikanischen Rhythmen geprägt waren.

„Fresa“, „Oye“ und „22“ zeigen Tinis neue Richtung

Besonders interessant waren jene Songs, die zum Zeitpunkt der Tour noch vergleichsweise frisch waren.

„22“ mit Greeicy war 2019 veröffentlicht worden und verband Pop mit Cumbia-Einflüssen. Wenig später folgte „Fresa“, eine Zusammenarbeit mit Lalo Ebratt. Auch „Oye“ gehörte inzwischen fest zum Liveprogramm.

Diese Stücke machten hörbar, wohin sich Tinis Musik bewegte. Der klassische Disney-Pop ihrer Anfangszeit trat weiter zurück, während Beats, Latin-Pop-Produktionen und spanischsprachige Songs mehr Gewicht bekamen.

Für eine Künstlerin, die einen beträchtlichen Teil ihres europäischen Publikums ursprünglich über „Violetta“ gewonnen hatte, war das ein wichtiger Schritt. Statt die frühere Rolle dauerhaft auszuschlachten, baute Tini ihr eigenes Repertoire immer weiter aus.

Zwischen Choreografie und ruhigeren Momenten

Die „Quiero Volver Tour“ war als Popshow konzipiert. Tänzer, Licht, Videoelemente und klar voneinander getrennte Showblöcke gehörten zur Inszenierung. Gleichzeitig gab es Abschnitte, in denen die Produktion zurückgenommen wurde und der Gesang stärker in den Vordergrund rückte.

Songs wie „Diciembre“, „Cristina“ und „Oye“ bildeten auf der europäischen Tour einen ruhigeren Mittelteil, bevor mit „Suéltate el pelo“, „Quiero Volver“, „Recuerdo“ und „22“ wieder deutlich mehr Rhythmus in das Programm kam.

Gerade diese Dramaturgie verhinderte, dass die Show über ihre gesamte Länge im gleichen Tempo blieb. Tanzbare Latin-Pop-Titel bekamen ebenso ihren Platz wie melodischere Stücke.

Die Batschkapp bot dafür einen deutlich kompakteren Rahmen als die großen Hallen, die Tini bei vorherigen Europatourneen bereits gespielt hatte. Der Frankfurter Termin am 3. März war offiziell für die Batschkapp in der Gwinnerstraße angesetzt.

Tini hat „Violetta“ musikalisch längst hinter sich gelassen

Ganz ausblenden lässt sich die Vergangenheit natürlich nicht. Martina Stoessel wurde durch „Violetta“ international bekannt und erreichte damit schon sehr früh ein Millionenpublikum. Entscheidend war 2020 aber weniger, woher dieses Publikum ursprünglich kam.

Spannender war, was danach passiert war.

Mit zwei eigenen Studioalben, zahlreichen Kollaborationen und einer Tour, die durch Lateinamerika und Europa führte, hatte Tini inzwischen genügend eigenes Material aufgebaut. „Quiero Volver“ war ihr zweites Studioalbum und erschien im Oktober 2018; die Tour dazu lief bereits seit Ende desselben Jahres.

Der Frankfurter Abend lag damit in einer Übergangsphase ihrer Karriere. Songs wie „Princesa“ und „Quiero Volver“ standen noch für das zweite Album, während „Fresa“, „Oye“, „22“ oder „Recuerdo“ bereits auf die nächste musikalische Entwicklung verwiesen.

Frankfurt wird Teil einer langen internationalen Tour

Die europäische Etappe hatte am 20. Februar 2020 in Mailand begonnen. Über Italien, Deutschland und die Schweiz führte sie Anfang März nach Frankfurt, anschließend weiter nach Paris, Köln und Utrecht.

Damit war die Batschkapp nur eine Station innerhalb einer wesentlich größeren Tourgeschichte. Trotzdem passte der Club gut zu dieser Phase: näher am Publikum, kompakter als eine Arena und groß genug für die komplette Popproduktion.

„Te quiero más“ bildete in dieser Phase der Tour schließlich den Abschluss eines Sets, das Tinis verschiedene musikalische Seiten zusammenführte.

Von der Schauspielerin aus einer Disney-Serie war an diesem Punkt zwar noch die Bekanntheit geblieben. Auf der Bühne bestimmte aber längst Tinis eigene Musik den Abend.

TExt & Foto © Jan Heesch

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