Rose Tattoo mit Angry Anderson live in der Batschkapp Frankfurt 2020

Rose Tattoo in Frankfurt: Hard Rock ohne Altersmilde

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Mehr als vier Jahrzehnte Bandgeschichte, ein Sänger jenseits der 70 und ein Katalog voller Songs, die nie viel von musikalischer Zurückhaltung hielten: Am 4. März 2020 standen Rose Tattoo in Frankfurt auf der Bühne der Batschkapp. Die Australier befanden sich gerade am Anfang ihrer Europatour. Mit dabei waren Thundermother aus Schweden, die sich musikalisch als ausgesprochen passende Begleitung erwiesen.

Der Zeitpunkt war interessant. Nur zwei Tage später erschien mit „Outlaws“ eine komplette Neueinspielung des frühen Rose-Tattoo-Materials. Das Album griff das 1978 veröffentlichte Debüt noch einmal auf und ergänzte es um drei weitere Songs aus jener Phase. In Frankfurt traf damit ein Stück australischer Hard-Rock-Geschichte auf eine Band, die ihre Vergangenheit keineswegs nur verwalten wollte.

Thundermother liefern den passenden Auftakt

Bevor Angry Anderson und seine Mitstreiter übernahmen, gehörte die Bühne rund 40 Minuten lang Thundermother. Die schwedische Band setzte auf schnörkellosen Hard Rock, kräftige Gitarren und hohes Tempo. Anfangs bereitete der Bühnensound noch kleinere Schwierigkeiten, die sich im Verlauf des Sets jedoch legten. Das Publikum reagierte deutlich stärker als mit dem bei Supportbands üblichen Höflichkeitsapplaus.

Die Kombination funktionierte musikalisch. Thundermother klangen moderner und beweglicher, bewegten sich aber in einem ähnlichen Koordinatensystem aus Blues, Hard Rock und klassischen Riffs. Dass die Schwedinnen Rose Tattoo auf fast der gesamten damaligen Europatour begleiteten, wirkte deshalb keineswegs wie eine zufällige Zusammenstellung.

Rose Tattoo verzichten auf unnötiges Theater

Rose Tattoo brauchten anschließend kein langes Intro. Mit „Scarred for Life“ begann ein knapp 90-minütiges Set, das sich durch mehrere Phasen der Bandgeschichte bewegte. Bereits die ersten Minuten machten deutlich, worauf sich diese Show stützte: ein sehr direktes Zusammenspiel, die charakteristische Slide-Gitarre und Angry Andersons raue Stimme.

Anderson war damals 72 Jahre alt, was seinem Gesang erstaunlich wenig anzuhören war. Seine Stimme hatte weiterhin diesen rauen, gepressten Klang, der Rose Tattoo seit den frühen Jahren prägt. Auf der Bühne wirkte er dabei weniger aggressiv als das Image der Band vermuten lässt. Vielmehr führte er gut gelaunt durch das Programm, während Gitarren, Bass und Schlagzeug den Songs genügend Gewicht gaben.

Zur damaligen Besetzung gehörten neben Anderson unter anderem Slide-Gitarrist Dai Pritchard, Gitarrist Bob Spencer und Bassist Mark Evans. Gerade Pritchards Slide-Spiel blieb ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Wo andere Hard-Rock-Bands vor allem auf möglichst massive Gitarrenwände setzen, entsteht bei Rose Tattoo ein beträchtlicher Teil des Sounds aus der Verbindung von Blues-Technik und hartem Rockriff.

Zwischen Blues-Groove und Rock’n’Roll-Druck

Nach „Scarred for Life“ folgten unter anderem „It’s Gonna Work Itself Out“, „Juice on the Loose“ und „One of the Boys“. Später standen „Sidewalk Sally“, „Rock’n’Roll Outlaw“ und „The Butcher and Fast Eddy“ auf dem Programm. Die Setlist zeigte damit recht gut, wie breit Rose Tattoo innerhalb ihres eigentlich sehr klar umrissenen Sounds arbeiten.

Nicht jeder Titel ging dabei auf maximale Geschwindigkeit. Besonders in der Mitte des Konzerts rückten langsamere, stärker vom Blues geprägte Nummern wie „Creeper“ und „Once in a Lifetime“ in den Vordergrund. Das nahm dem Auftritt zwischenzeitlich etwas Tempo, verdeutlichte aber eine Seite der Band, die hinter den bekannteren Rock’n’Roll-Songs leicht übersehen wird. Rose Tattoo waren nie ausschließlich eine Hard-Rock-Band mit möglichst lauten Refrains. Blues gehörte von Anfang an zur musikalischen Grundlage.

Gerade deshalb besaßen die schnelleren Stücke gegen Ende wieder mehr Wirkung. „We Can’t Be Beaten“, „Bad Boy for Love“ und „Nice Boys“ bündelten noch einmal jene direkten Riffs und Refrains, mit denen sich die Australier seit den späten 1970er-Jahren einen festen Platz im Hard Rock erarbeitet hatten. Als Zugabe folgte „Astra Wally“.

„Outlaws“ schlägt die Brücke zurück zum Debüt

Der Frankfurter Auftritt bekam durch die unmittelbar bevorstehende Veröffentlichung von „Outlaws“ zusätzlichen Kontext. Die am 6. März 2020 erschienene Platte war keine gewöhnliche Best-of-Zusammenstellung, sondern eine Neueinspielung des Debütalbums. Songs wie „Rock’n’Roll Outlaw“, „Bad Boy for Love“, „Nice Boys“ und „The Butcher and Fast Eddy“ wurden damit noch einmal von einer aktuellen Rose-Tattoo-Besetzung aufgenommen.

Zwei Tage vor Veröffentlichung standen genau diese Stücke bereits im Mittelpunkt der Batschkapp-Show. Das Konzert lebte weniger von Überraschungen als von der Art, wie eingespielt diese Band noch immer klang. Andersons Stimme, die Slide-Gitarre und ein Rhythmusfundament ohne überflüssige Verzierungen reichten aus.

Mehr verlangte dieses Material auch nach über 40 Jahren nicht.

Setlist Rose Tattoo in Frankfurt

Scarred for Life
It’s Gonna Work Itself Out
Juice on the Loose
One of the Boys
Sidewalk Sally
Rock’n’Roll Outlaw
The Butcher and Fast Eddy
Once in a Lifetime
Rock’n’Roll Is King
Sweet Meat
Sweet Love
We Can’t Be Beaten
Bad Boy for Love
Nice Boys

Zugabe:
Astra Wally

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