
Doro in Worms: Heavy Metal mit Lichthupe
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Heavy Metal aus dem Autoradio, Scheinwerfer statt erhobener Fäuste und Doro Pesch auf einer Bühne vor parkenden Autos. Am 13. Juni 2020 wurde die CARantena Arena auf dem Wormser Festplatz Schauplatz eines Konzerts, das selbst in Doros langer Karriere aus dem Rahmen fiel. Die Show gehörte zum „REGENBOGEN 2 Rock Summer“ und war ihr erstes Drive-in-Konzert.
Nach Wochen ohne reguläre Liveveranstaltungen war schon der Anblick einer kompletten Metal-Band auf einer Bühne etwas Besonderes. Bei Doro in Worms kam schnell noch etwas anderes dazu: Diese Musik wollte raus aus den Autos. Die Gitarren liefen, Doro stand vorne und vor ihr saßen Metal-Fans hinter Windschutzscheiben, die ihre Begeisterung irgendwie sichtbar machen mussten.
Also wurde geblinkt. Gehupt. Mitgesungen. Und irgendwann fühlte sich selbst dieses ziemlich verrückte Konzertformat erstaunlich selbstverständlich an.
Doro braucht keine Aufwärmphase
Mit „Earthshaker Rock“ ging es direkt zurück zu Warlock, danach folgten „I Rule the Ruins“ und „Raise Your Fist in the Air“. Die dokumentierte Wormser Setlist umfasste insgesamt rund 110 Minuten und kombinierte Warlock-Klassiker mit Songs aus Doros Solokarriere.
Gerade „Raise Your Fist in the Air“ bekam an diesem Abend eine besondere Bedeutung. Aus der gewohnten Metal-Geste wurde kurzerhand „Raise Your Lights in the Air“. Wo normalerweise Fäuste nach oben gehen, leuchteten plötzlich Scheinwerfer und Handys über den Platz.
Das sah ungewöhnlich aus. Es passte aber perfekt zu diesem Abend.
Doro brauchte ohnehin keine normale erste Reihe, um Energie aufzubauen. Sie bewegte sich über die Bühne, suchte den Kontakt zu den Menschen in den Fahrzeugen und behandelte dieses Konzert nicht wie eine abgespeckte Notlösung.
Warlock-Klassiker treffen auf Doros Solokarriere
Die Setlist war genau richtig für ein Publikum, das lange genug auf harte Gitarren verzichten musste. Nach den ersten Songs folgten „Burning the Witches“, „Fight for Rock“ und „1000 Years“, später „The Night of the Warlock“, „Blood, Sweat and Rock ’n’ Roll“ und „Für Immer“.
Gerade bei den alten Warlock-Stücken merkte man, wie tief diese Songs bei vielen Fans sitzen. Es brauchte nur ein bekanntes Gitarrenmotiv, und hinter den Scheiben wurde sofort mitgesungen.
Bei „Für Immer“ wurde die Stimmung ruhiger. Danach zog das Tempo mit „Hellbound“ wieder an. Ein Drumsolo und die Bandvorstellung gehörten ebenfalls zum rund zweistündigen Programm.
Was fehlte, war das typische Bild eines Metal-Konzerts. Keine dicht gedrängte erste Reihe. Kein Gedränge vor der Bühne. Niemand, der seinem Nebenmann beim Headbangen versehentlich die Haare ins Gesicht schleudert.
Dafür blinkte ein kompletter Parkplatz.
„All We Are“ bringt Doro zu den Fans
Nach „We Are the Metalheads“ folgte mit „Breaking the Law“ ein Judas-Priest-Cover. Anschließend standen „All for Metal“ und einer der wichtigsten Songs aus Doros Karriere auf dem Programm: „All We Are“.
Und genau hier wurde die Distanz zwischen Bühne und Publikum zumindest ein Stück kleiner.
Doro verließ während „All We Are“ die Bühne und ging zu den Fahrzeugen. Die Fans konnten in ihren Autos bleiben und waren ihrer Metal-Queen trotzdem plötzlich so nah wie an diesem Abend eben möglich. Nuclear Blast dokumentierte später, dass sie dabei von Hupen und Reaktionen aus den Fahrzeugen begleitet wurde.
Das war einer dieser Momente, für die man 2020 neue Regeln lernen musste. Früher wäre Doro wahrscheinlich in eine Menschenmenge gegangen. In Worms lief sie zwischen Autos hindurch.
Gleicher Gedanke. Komplett anderes Bild.
Heavy Metal funktioniert auch durchs Autoradio
Dass ein Autokino für Heavy Metal nicht die ideale Umgebung ist, muss man nicht schönreden.
Der Bass fühlt sich anders an. Die unmittelbare Lautstärke vor einer Bühne fehlt. Ebenso dieses gemeinsame Gedränge, das zu einem Metal-Konzert dazugehört. Der Sound wurde bei der CARantena-Show zusätzlich über eine UKW-Frequenz in die Fahrzeuge übertragen, während das Konzert auf einer großen Leinwand zu verfolgen war.
Trotzdem funktionierte der Abend.
Vielleicht gerade deshalb, weil Doro und ihre Band gar nicht erst versuchten, so zu tun, als wäre alles normal. Die Situation wurde angenommen. Hupen ersetzten Applaus, Scheinwerfer die erhobenen Hände.
Und die Songs blieben dieselben.
„Love Me in Black“, „Metal Tango“ und „East Meets West“ führten schließlich in den letzten Teil des Abends, bevor „Für Immer“ noch einmal aufgegriffen wurde.
Ein Metalabend, den es so vorher nicht gab
Für Doro war Worms der Start einer kleinen Reihe von Drive-in-Auftritten. Weitere Shows dieser Art folgten im Sommer 2020. Dass der Wormser Abend weit über den Festplatz hinaus Aufmerksamkeit bekam, zeigte sich auch daran, dass Aufnahmen der Show später hunderttausendfach online verfolgt wurden.
Vor Ort zählte aber etwas anderes.
Nach Wochen ohne Konzerte standen wieder Musiker auf einer Bühne. Vor ihnen saßen Menschen, die ihre Lieblingssongs gemeinsam hören konnten. Umständlich, mit Abstand und in einem Format, das sich wohl niemand freiwillig als Zukunft des Heavy Metal ausgesucht hätte.
Als bei „All We Are“ noch einmal die Lichter der Autos aufblinkten, wirkte der Wormser Festplatz trotzdem für ein paar Minuten ziemlich nah an einem richtigen Konzert.
Setlist Doro in Worms
Earthshaker Rock
I Rule the Ruins
Raise Your Fist in the Air
Burning the Witches
Fight for Rock
1000 Years
The Night of the Warlock
Blood, Sweat and Rock ’n’ Roll
Für Immer
Hellbound
Drum Solo
We Are the Metalheads
Breaking the Law
All for Metal
All We Are
Love Me in Black
Metal Tango
East Meets West
Für Immer (Reprise)














