Sarah Connor in Gießen beim Kultursommer 2024 auf dem Schiffenberg

Sarah Connor auf dem Schiffenberg: Soul, Nähe und große Songs

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Ein warmer Montagabend, dicht gefüllte Reihen vor der Bühne und diese besondere Nähe, die der Schiffenberg selbst bei großen Namen behält. Am 26. August 2024 stand Sarah Connor in Gießen beim ausverkauften Gießener Kultursommer auf der Bühne. Rund 5.000 Besucher erlebten gleichzeitig den Abschluss ihrer neun Termine umfassenden „My Favourite Songs“-Sommertour. Mehr als zwei Stunden Musik lagen vor ihnen.

Schon beim Blick über das Gelände fiel auf, wie breit Connors Publikum inzwischen aufgestellt ist. Viele Fans begleiten sie seit den englischsprachigen Anfangsjahren, andere kamen erst mit „Muttersprache“ oder „Herz Kraft Werke“ dazu. Vorne standen Kinder neben Erwachsenen, weiter hinten Paare, die offenbar schon einige Sarah-Connor-Konzerte gemeinsam erlebt hatten. Connor griff genau das auf, fragte nach langen Beziehungen und scherzte mit den Antworten aus dem Publikum. Distanz zur Bühne kam an diesem Abend kaum auf.

Sarah Connor macht aus dem Schiffenberg ihr Wohnzimmer

„Kompakt“ und „kuschelig“ nannte Sarah Connor die Atmosphäre selbst. Das traf es ziemlich gut. Die Freilichtbühne zwischen den historischen Mauern funktioniert anders als eine große Arena: Man sieht die Gesichter vor der Bühne, hört Zurufe und bekommt selbst kleine Reaktionen unmittelbar mit. Connor nutzte das konsequent. Reden, lachen, einen Gedanken verlieren, wieder beim Song landen. Alles durfte ein bisschen weniger perfekt sein.

Genau dafür war „My Favourite Songs“ gedacht. Connor erklärte dem Publikum, dass diese Tour jene Lieder zusammenbringen sollte, die ihr selbst über die Jahre besonders wichtig geworden waren, gemeinsam mit den Favoriten ihrer Fans. Zum Tourabschluss waren auch Freunde und Familienmitglieder angereist. Das gab dem Abend noch einmal einen persönlicheren Unterton.

Musikalisch begann sie unter anderem mit „Deutsches Liebeslied“, später folgten „Halt mich“, „Ich wünsch dir“ und „Dazwischen sind wir Freunde“. Der Sound war groß, aber nicht erschlagend. Gerade die Liveband ließ den Songs Luft, und mit dem damals 23-jährigen Saxofonisten Jakob Manz stand ein Musiker auf der Bühne, der immer wieder deutlich aus dem Arrangement hervortrat.

Achtjährige Emilia bekommt ihren Moment mit Sarah Connor

Einer dieser Abende lebt irgendwann nicht mehr nur von der Setlist. Auf einem Transparent machte die achtjährige Emilia auf sich aufmerksam und durfte tatsächlich zu Sarah Connor auf die Bühne. Dort sollte sie sich einen Song aussuchen.

Ihre Wahl: „Stark“.

Nicht gerade das leichteste Stück für einen solchen Moment. Connor reagierte sichtbar überrascht, machte aber genau daraus eine kleine Szene, die hängen blieb. Sängerin und Kind gemeinsam auf der Bühne, davor ein Schiffenberg, der plötzlich wesentlich ruhiger geworden war. Kurz darauf zog die Stimmung bei „Bonnie & Clyde“ wieder an, die ersten Reihen sangen laut mit.

Überhaupt lebte die Show von diesen Wechseln. „Das Leben ist schön“ bekam Raum, dann wurde es bei „Kommst Du mit ihr“ wieder deutlich druckvoller. Connor spielte ihre Stimme nicht permanent auf maximale Lautstärke aus. Sie konnte einen Song fast zurücknehmen und wenige Minuten später mit Soul und Wucht nach vorne gehen.

Von „Vincent“ bis zu den frühen englischen Jahren

Natürlich warteten viele auf die großen Hits. „Vincent“ gehörte ebenso zum Abend wie Stücke aus der englischsprachigen Phase ihrer Karriere. Auch „Let’s Get Back To Bed, Boy!“ und „From Zero to Hero“ fanden ihren Weg ins Programm. Damit spannte Connor den Bogen über mehr als zwei Jahrzehnte, ohne daraus eine chronologische Best-of-Show zu machen.

Und dann waren da noch die Coverversionen. Genau hier wurde der Tourtitel interessant. Sarah Connor nahm sich Songs vor, die nicht aus ihrem eigenen Katalog stammen, und zog sie hörbar in ihre musikalische Welt. Soul statt bloßer Kopie.

Im dokumentierten Zugabenblock tauchten beispielsweise Melissa Etheridges „Like the Way I Do“ und Aretha Franklins „Think“ auf. Das sind keine Stücke, hinter denen man sich als Sängerin verstecken kann. Connor tat es auch nicht. Ihre Stimme ging nach vorne, die Band zog mit, vor der Bühne wurde aus Zuhören wieder Bewegung.

„Wie schön du bist“ beendet einen langen Sommerabend

Je später es wurde, desto stärker übernahmen die bekannten Refrains. „Vincent“ brauchte kaum Unterstützung von der Bühne, viele Textzeilen kamen geschlossen aus dem Publikum zurück. Bei anderen Songs standen Menschen Arm in Arm, ein paar Meter weiter wurde getanzt. Kein einheitliches Konzertpublikum. Das passte zu Sarah Connor.

Am Ende stand „Wie schön du bist“. Die Setlist führt den Song als letzten Titel des Zugabenblocks, und nach über zwei Stunden wirkte er fast zurückhaltend nach den kräftigeren Soul-Ausflügen davor.

Die Bühne wurde dunkler, vor den Klostermauern blieben noch einige Sekunden die Hände oben. Dann lösten sich die ersten Reihen langsam auf. Sarah Connor hatte ihre Sommertour nicht mit einer riesigen Stadionshow beendet, sondern vor rund 5.000 Menschen auf einem alten Klostergelände in Mittelhessen.

Gerade deshalb fühlte sich dieser Tourabschluss erstaunlich persönlich an.

Text & Foto © Jan Heesch

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