Das große Schlagerfest XXL mit Florian Silbereisen live in der SAP Arena Mannheim 2020

Das große Schlagerfest.XXL in Mannheim: Eine Arena feiert

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Am 22. Februar 2020 war die SAP Arena Mannheim fest in Schlagerhand. Und zwar ziemlich schnell. Florian Silbereisen brachte „Das große Schlagerfest.XXL – Die Party des Jahres“ nach Mannheim und hatte dafür ein Line-up dabei, bei dem fast jeder im Publikum mindestens einen persönlichen Favoriten finden konnte: Matthias Reim, Marianne Rosenberg, Jürgen Drews, Thomas Anders, Giovanni Zarrella, Ross Antony, Oli.P, Christin Stark, Sonia Liebing und Die Draufgänger standen auf der Bühne, dazu kamen die DDC Breakdancer.

Schon beim Blick durch die Arena wurde deutlich, dass hier niemand auf einen ruhigen Konzertabend wartete. Es wurde früh geklatscht, auf den Rängen gewippt und im Innenraum getanzt. Sobald ein bekannter Refrain kam, sangen Tausende mit. Das große Schlagerfest.XXL in Mannheim war weniger Konzert als eine riesige gemeinsame Feier, bei der die Bühne ständig in Bewegung blieb.

Florian Silbereisen hält die Schlagerparty zusammen

Florian Silbereisen führte durch den Abend, moderierte, sang und hielt das Tempo hoch. Lange Pausen gab es praktisch nicht. Kaum war ein Künstler von der Bühne, kündigte sich schon der nächste an.

Das tat der Show gut.

Bei einem solchen Line-up besteht schnell die Gefahr, dass sich der Abend wie eine endlose Fernsehaufzeichnung anfühlt. In Mannheim wirkte es deutlich lebendiger. Silbereisen sprach direkt mit dem Publikum, holte Reaktionen aus den verschiedenen Blöcken und gab den Künstlern trotzdem genügend Raum.

Und die SAP Arena spielte mit.

Mal stand fast der gesamte Innenraum, dann wieder saßen die Leute für einen ruhigeren Titel kurz auf ihren Plätzen. Wirklich lange hielt das allerdings nie.

Matthias Reim und Marianne Rosenberg bringen sofort Erinnerungen zurück

Bei Matthias Reim brauchte es nur wenige Takte, bis die ersten Stimmen aus dem Publikum kamen. Seine Songs besitzen diese Mischung aus Schlager und etwas rauerem Pop-Rock, die auch Menschen erreicht, die sich selbst wahrscheinlich nicht als klassische Schlagerfans bezeichnen würden.

Marianne Rosenberg brachte wiederum eine ganz andere Geschichte mit auf die Bühne. Ihre Stimme und ihre großen Hits begleiten mehrere Generationen. Das ließ sich im Publikum gut beobachten: Neben Fans, die ihre Musik seit Jahrzehnten kennen, standen deutlich jüngere Besucher und sangen trotzdem mit.

Genau solche Momente machten den Abend interessant. Hier feierte nicht eine einzige Altersgruppe ihre Vergangenheit.

Der Schlager hat inzwischen ziemlich viele Generationen eingesammelt.

Jürgen Drews macht das, was Jürgen Drews eben macht

Dann kam Jürgen Drews.

Bei ihm benötigt man keine komplizierte Dramaturgie. Ein bekannter Song, ein breites Grinsen und ein Publikum, das sofort weiß, was erwartet wird. Drews hatte diese direkte Art, bei der eine große Arena innerhalb weniger Minuten etwas von einer sehr überdimensionierten Party bekommt.

Das ist sicher nicht subtil.

Soll es auch nicht sein.

Zwischen all den aufwendigen Bühnenelementen waren gerade solche Auftritte angenehm unkompliziert. Musik an, mitsingen, feiern. Fertig.

Thomas Anders und Giovanni Zarrella zeigen die andere Seite des Schlagers

Thomas Anders brachte wiederum ein Stück deutsche Popgeschichte in die SAP Arena. Natürlich schwingt bei seiner Stimme immer Modern Talking mit. Das lässt sich weder vermeiden noch muss man es vermeiden. Gleichzeitig hatte Anders längst seinen eigenen Platz im aktuellen Schlager gefunden.

Auch bei Giovanni Zarrella war 2020 deutlich zu sehen, dass sich seine Karriere gerade neu sortiert hatte. Italienische Melodien, deutsche Texte und viel Charme funktionierten auch in Mannheim.

Dazwischen standen mit Christin Stark und Sonia Liebing jüngere Künstlerinnen, die dem Abend eine andere Farbe gaben. Das war wichtig. Eine reine Rückschau auf alte Hits wäre bei diesem Programm irgendwann vorhersehbar geworden.

So wechselte die Stimmung ständig.

Ross Antony braucht keine lange Einladung zum Feiern

Bei Ross Antony stieg das Energielevel noch einmal deutlich.

Er bewegt sich über eine Bühne, als wäre Stillstehen vertraglich ausgeschlossen. Das steckt an. Spätestens nach wenigen Minuten gingen im Publikum wieder die Arme hoch.

Oli.P und Die Draufgänger hielten die Party anschließend in Bewegung. Dabei zeigte sich ziemlich gut, wie breit Schlager inzwischen gefasst wird. Pop, Partyschlager, traditionelle Elemente, moderne Produktionen: An diesem Abend landete vieles nebeneinander.

Nicht jede Nummer dürfte jedem gefallen haben.

Aber das war überhaupt nicht nötig.

Wer bei einem Künstler kurz durchatmete, war beim nächsten vielleicht wieder komplett dabei. Und genau deshalb funktionierte dieses XXL-Konzept.

Wenn Tausende gleichzeitig denselben Refrain singen

Die stärksten Momente entstanden nicht unbedingt durch die größten Effekte.

Es waren oft diese Sekunden, in denen ein bekannter Song begann und man plötzlich hinter sich, neben sich und von den Rängen dieselbe Textzeile hörte. Dann wurde aus der SAP Arena für ein paar Minuten ein ziemlich großer Chor.

Genau dafür kommen viele zu solchen Veranstaltungen.

Man kennt die Songs. Man kennt die Künstler. Einige begleitet man vielleicht schon seit Jahrzehnten. Und dann steht da plötzlich Matthias Reim oder Marianne Rosenberg vor einem und die Erinnerung an irgendeinen Sommer, eine Party oder eine längst vergessene Autofahrt ist sofort wieder da.

Das lässt sich schwer inszenieren.

Die Musik erledigt es selbst.

Das große Schlagerfest.XXL in Mannheim ist vor allem eines: gemeinsam

Je länger der Abend dauerte, desto weniger spielte es eine Rolle, wer ursprünglich wegen welchem Künstler gekommen war. Im Innenraum wurde getanzt, auf den Tribünen standen immer wieder komplette Reihen, und Florian Silbereisen musste niemanden mehr zum Mitmachen überreden.

Das Programm war lang. Sehr lang sogar.

Aber gerade durch die vielen Wechsel wirkte es selten zäh. Mal kam ein Klassiker, dann eine jüngere Stimme, anschließend Tanz oder der nächste bekannte Name. Die Produktion setzte auf Masse, schaffte es aber trotzdem, einzelnen Künstlern ihre eigenen Minuten zu geben.

Und irgendwann verließ man die SAP Arena mit erstaunlich vielen Refrains gleichzeitig im Kopf.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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