
Papa Roach in Offenbach: Zwischen Nu-Metal-Wurzeln und neuer Härte
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Am 22. Februar 2020 eröffnete Papa Roach gemeinsam mit Hollywood Undead und Ice Nine Kills den deutschen Abschnitt ihrer Europatour in der ausverkauften Stadthalle Offenbach. Drei amerikanische Bands, die Metal, Alternative Rock, Rap und moderne Core-Einflüsse unterschiedlich gewichten, ergaben ein dicht gepacktes Programm. Papa Roach in Offenbach standen dabei vor einer besonderen Wegmarke: Ihr Album „Infest“, mit dem der internationale Durchbruch gelang, wurde 2020 zwanzig Jahre alt. Gleichzeitig sollte das damals aktuelle „Who Do You Trust?“ keineswegs zur Randnotiz werden.
Das Resultat war kein reiner Nostalgieabend. Papa Roach stellten frühe Stücke neben aktuelleres Material und zeigten, wie stark sich ihr Sound seit den Nu-Metal-Jahren verändert hatte, ohne die musikalische Vergangenheit abzuschütteln.
Ice Nine Kills eröffnen mit Horror-Metalcore
Ice Nine Kills übernahmen den ersten Slot und hatten für große Umwege kaum Zeit. Sechs Songs standen im Tourset, sämtlich vom 2018 veröffentlichten Album „The Silver Scream“. „Savages“ eröffnete, anschließend folgten „Stabbing in the Dark“, „Your Number’s Up“, „The American Nightmare“, „Thank God It’s Friday“ und „IT Is the End“.
Musikalisch setzte die Band damit einen deutlich härteren Ausgangspunkt. Metalcore-Riffs, Breakdowns und Spencer Charnas’ Wechsel zwischen aggressiven Vocals und melodischen Passagen bildeten einen Kontrast zu den beiden folgenden Acts. Das Horrorfilm-Konzept des Albums gab dem kurzen Set zusätzliche Kontur, ohne dass dafür eine lange Einführung nötig war.
Hollywood Undead verbinden Rap und harte Gitarren
Hollywood Undead verschoben das Klangbild anschließend in Richtung Rap Rock und Nu Metal. Gerade erst war „New Empire, Vol. 1“ erschienen, entsprechend tauchten mit „Time Bomb“, „Heart of a Champion“ und „Empire“ mehrere neue Stücke im Programm auf. Daneben standen etablierte Songs wie „Undead“, „California Dreaming“, „Comin’ in Hot“, „Day of the Dead“ und „Everywhere I Go“.
Die unterschiedlichen Stimmen innerhalb der Band sorgten für permanente Wechsel zwischen Rap, melodischem Gesang und härteren Passagen. Dadurch blieb das Set beweglich und wirkte weniger wie ein klassischer Supportauftritt. Mit zwölf Songs inklusive Zugabe bekam Hollywood Undead genügend Raum, das eigene Material ausführlich zu präsentieren.
Die Kombination mit Papa Roach war musikalisch schlüssig. Beide Bands stammen zwar aus unterschiedlichen Phasen der amerikanischen Alternative-Szene, teilen aber die Offenheit gegenüber Hip-Hop, elektronischen Elementen und schweren Gitarren.
Papa Roach schlagen den Bogen zurück zu „Infest“
Papa Roach begannen mit „Dead Cell“ und „I Suffer Well“. Danach folgte bereits „Blood Brothers“. Der Blick auf „Infest“ war damit früh im Set verankert. Später kamen „Between Angels and Insects“ und „Broken Home“ hinzu, bevor „Last Resort“ ganz am Ende noch einmal den Kern jener Platte aufgriff, mit der die Band 2000 international bekannt wurde.
Dazwischen lag allerdings viel Gegenwart. „Renegade Music“, „Elevate“, „Feel Like Home“, „The Ending“ und der Titelsong „Who Do You Trust?“ stammten aus dem 2019 veröffentlichten zehnten Studioalbum. Genau dieser Wechsel machte die Setlist interessant: Die frühen Songs arbeiten stärker mit kantigen Nu-Metal-Strukturen, während das neuere Material deutlich mehr Alternative Rock, Elektronik und moderne Produktion zulässt.
Jacoby Shaddix blieb dabei der Fixpunkt. Seine Stimme wechselte zwischen rauem Gesang, melodischen Linien und den aggressiveren Passagen der alten Stücke, während die Rhythmusgruppe den Sound kompakt hielt. Die Offenbacher Show musste außerdem ohne Stammgitarrist Jerry Horton auskommen, der sich kurz zuvor zwei Finger gebrochen hatte; Anthony Esperance sprang auf dieser Phase der Tour für ihn ein.
„Firestarter“ erinnert an Keith Flint
Mit „Firestarter“ von The Prodigy brachte Papa Roach einen Song ins Programm, der stilistisch erstaunlich gut zwischen eigenes Material passte. Die Band hatte das Stück bereits zuvor in ihre Liveshows aufgenommen, um an den 2019 verstorbenen Prodigy-Frontmann Keith Flint zu erinnern.
Danach folgte „…To Be Loved“, bevor der Zugabenblock die großen Refrains bündelte. „Who Do You Trust?“ leitete ihn ein, „Last Resort“ lieferte den erwarteten Höhepunkt aus der frühen Phase. „Born for Greatness“ setzte den Schlusspunkt.
Gerade die letzten drei Titel fassten den Offenbacher Auftritt recht genau zusammen. Papa Roach konnten sich auf die Wirkung ihrer Vergangenheit verlassen, machten daraus aber kein Museum für die Nu-Metal-Jahre. Zwischen „Dead Cell“, „Scars“, „Getting Away With Murder“, neuen Songs und einem Prodigy-Cover zeigte die Band vielmehr, wie viele Veränderungen ihr Sound über zwei Jahrzehnte ausgehalten hat.
Setlist Papa Roach in Offenbach
- Dead Cell
- I Suffer Well
- Blood Brothers
- Help
- Between Angels and Insects
- Renegade Music
- Broken Home
- Elevate
- Feel Like Home
- The Ending
- Scars
- Getting Away With Murder
- Firestarter
- …To Be Loved
Zugabe:
15. Who Do You Trust?
16. Last Resort
17. Born for Greatness
Text & Foto © Jan Heesch














