
Revolverheld in Wiesbaden: Endlich wieder Livemusik
Beitrag teilen
Am 18. Juni 2021 eröffneten Revolverheld in Wiesbaden den Strandkorb-Open-Air-Sommer in der BRITA-Arena. Mehr als 2.500 Besucherinnen und Besucher verfolgten den Auftakt unter dem damals geltenden Hygienekonzept. Statt dicht gedrängter Reihen standen Strandkörbe auf dem Gelände, jeweils mit Abstand voneinander. Für die Band war der Abend zugleich der Start in ihre Freiluftsaison 2021.
Nach vielen Monaten mit Streamingkonzerten, Autokinos und abgesagten Tourneen fühlte sich dieser Freitag schon ein gutes Stück näher an einem normalen Konzert an. Die Musik kam wieder direkt von der Bühne. Vor ihr saßen Menschen, die gemeinsam sangen, klatschten und auf die Songs reagierten.
Dass die Anreise für einige Fans zunächst Geduld erforderte, geriet spätestens mit Konzertbeginn in den Hintergrund. Eine Baustelle auf der A66 sorgte für Verzögerungen, auch der Start verschob sich um rund 45 Minuten. Als Revolverheld schließlich auf der Bühne standen, war davon schnell nichts mehr zu spüren.
Die Strandkörbe werden zur ersten Reihe
Das Strandkorb Open Air war eines jener Veranstaltungskonzepte, die aus den Einschränkungen der Pandemie entstanden. In Wiesbaden fand die Konzertreihe 2021 in der BRITA-Arena statt und lief vom 18. Juni bis Ende Juli. Das Gelände war für diese Wochen mit hunderten Strandkörben ausgestattet.
Für Rock- und Popkonzerte blieb das zunächst ein ungewohnter Anblick.
Bei Revolverheld funktionierte die Idee erstaunlich schnell. Johannes Strate und seine Mitmusiker mussten nicht gegen Windschutzscheiben oder Autoradios anspielen. Die Fans saßen zwar in ihren kleinen Bereichen, waren aber sichtbar und hörbar Teil des Konzerts.
Gerade nach der langen Zwangspause war die gegenseitige Reaktion deutlich zu merken. Auf der Bühne wirkte die Band gelöst und bewegungsfreudig, davor wurde mitgesungen und aus den Strandkörben heraus gefeiert.
Zwischen „Freunde bleiben“ und „Spinner“
Musikalisch griffen Revolverheld weit durch ihre bisherige Bandgeschichte.
„Freunde bleiben“ führte zurück zu den frühen Jahren, während „Spinner“ längst zu den festen Titeln im Liveprogramm gehörte. Gleichzeitig fanden Songs aus der jüngeren Phase ihren Platz. Das 2018 veröffentlichte Album „Zimmer mit Blick“ brachte unter anderem Stücke wie „Immer noch fühlen“, „Liebe auf Distanz“ und „So wie jetzt“ in das Repertoire der Band.
2021 stand Revolverheld bereits kurz vor dem nächsten Kapitel. Das Album „Neu erzählen“ sollte im Oktober erscheinen; mit „Leichter“ und „Abreißen“ waren erste Songs daraus schon veröffentlicht.
Damit blieb das Set nicht in der Vergangenheit hängen. Ältere Hits trafen auf Stücke, die zeigten, wo die Band musikalisch zu diesem Zeitpunkt stand.
Johannes Strate lässt sich Zeit für Geschichten
Zwischen den Songs übernahm Johannes Strate immer wieder das Wort.
Manche Ansagen entwickelten sich eher spontan. Ein Lied führte zu einer Erinnerung, daraus entstand eine Geschichte aus früheren Jahren oder aus seiner Studentenzeit und erst danach ging es musikalisch weiter.
Solche Momente passten gut zu diesem Abend. Nach der langen Unterbrechung musste niemand möglichst schnell durch eine Setlist kommen. Die Band nahm sich Zeit und ließ zwischen den Songs auch einmal ein paar Minuten Gespräch zu.
Das Konzert bekam dadurch eine persönliche Note, ohne seinen Rhythmus zu verlieren.
Neue Energie nach Monaten ohne Touralltag
Revolverheld hatten bereits vor dem Wiesbadener Termin eine umfangreiche Open-Air-Saison angekündigt. Der Auftakt am 18. Juni markierte den Beginn einer Reihe von Sommerkonzerten in verschiedenen Städten.
Auf der Bühne war der Nachholbedarf kaum zu übersehen.
Die Band spielte druckvoller, als es das entspannte Strandkorb-Ambiente vielleicht vermuten ließ. Gerade bei den bekannteren Songs standen viele Besucher zumindest in ihren eigenen Bereichen auf, sangen mit und machten aus der geordneten Sitzlandschaft nach und nach doch noch ein Rockkonzert.
Die Strandkörbe schränkten die Bewegung ein, verhinderten aber nicht, dass sich zwischen Bühne und Publikum wieder jene Dynamik entwickelte, die bei Streams zwangsläufig fehlt.
Knapp zwei Stunden waren plötzlich vorbei
Je länger das Konzert dauerte, desto normaler fühlte sich die Situation an.
Natürlich blieb alles organisiert. Abstände, feste Plätze und das besondere Veranstaltungskonzept waren weiterhin sichtbar. Doch irgendwann rückte genau das in den Hintergrund.
Dann ging es wieder um Songs.
Um bekannte Refrains, Gitarren, Geschichten von Johannes Strate und um Menschen, die gemeinsam Musik hörten.
Nach annähernd zwei Stunden erklangen die letzten Töne der Zugabe. Der Abend verging deutlich schneller, als es die lange Wartezeit zuvor vermuten ließ.
Für das Strandkorb Open Air Wiesbaden war Revolverheld damit ein erfolgreicher Start. Mehr als 2.500 Besucher beim Auftakt zeigten, wie groß der Wunsch nach Livekultur zu diesem Zeitpunkt war.
Organisatorisch blieb an einzelnen Stellen noch Luft nach oben. Gerade beim Service musste sich der Ablauf sichtbar erst einspielen. Musikalisch war die Richtung dagegen nach diesem ersten Abend klar.
Die Konzerte waren zurück.
Noch nicht ganz wie früher, aber endlich wieder ohne Autoradio dazwischen.
Foto & Text © Jan Heesch














