Jan Delay mit Disko No. 1 beim Strandkorb Open Air 2021 in der BRITA-Arena Wiesbaden

Jan Delay in Wiesbaden: Disco zwischen Strandkörben

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Endlich wieder Livemusik. Man konnte es an diesem Abend beinahe greifen. Am 12. Juli 2021 kam Jan Delay mit Disko No. 1 zum Strandkorb Open Air in die BRITA-Arena Wiesbaden und traf dort auf ein Publikum, das nach den langen Monaten mit Corona-Beschränkungen sichtbar Lust darauf hatte, wieder gemeinsam Musik zu erleben. Das Konzert begann um 20 Uhr.

Anfangs saßen die Besucher noch in ihren Strandkörben. Das hielt nicht lange.

Sobald Jan Delay und seine Band loslegten, wurde aus dem ungewöhnlich bestuhlten Stadion eine Tanzfläche mit eingebautem Sicherheitsabstand. Funk, Soul, Hip-Hop, Reggae und Disco vermischten sich zu jenem Sound, den Delay über Jahre zu seinem Markenzeichen gemacht hat.

Jan Delay und Disko No. 1 geben sofort Vollgas

Großes Abtasten brauchte es an diesem Montagabend nicht. Jan Delay betrat mit Disko No. 1 die Bühne und die Band war sofort da.

„Klar“ gehörte zu den ersten Songs des Abends, danach folgten unter anderem „Spass“ und Delays Version von „Türlich, türlich (sicher, Dicker)“. Auch „Kinginmeimding“ und „Zurück“ standen im Programm.

Gerade live zeigt sich, warum Disko No. 1 für Delay weit mehr als eine Begleitband ist. Bläser, Bass, Schlagzeug und Gitarren schieben die Songs mit einer Kraft nach vorne, die auf Platte nur teilweise einzufangen ist.

Und darüber diese Stimme.

Näselnd, unverkennbar, manchmal beinahe gesprochen und im nächsten Moment wieder mitten im Groove.

Earth, Wind & Feiern passt in diesen Sommer

Der Zeitpunkt des Konzerts hätte kaum besser zum damaligen Album passen können. Wenige Wochen zuvor, am 21. Mai 2021, hatte Jan Delay sein fünftes Soloalbum „Earth, Wind & Feiern“ veröffentlicht. Zwölf Songs, die musikalisch wieder stärker auf Funk, Soul, Rap und Party setzten.

Nach Monaten ohne normale Konzerte bekam der Albumtitel plötzlich eine zusätzliche Bedeutung.

Feiern.

Genau danach sah es in Wiesbaden aus.

Die Strandkörbe standen zwar weiterhin auf dem Rasen der BRITA-Arena, doch spätestens nach den ersten Songs wurden sie vielerorts eher zur Ablage als zum Sitzplatz. Vor und zwischen den Körben wurde getanzt, geklatscht und mitgesungen.

Ein bisschen merkwürdig war dieses Pandemie-Konzertbild immer noch. Aber an diesem Abend fühlte es sich zumindest wieder nach Livekultur an.

Klar und Oh Jonny zünden auch im Strandkorb

Natürlich griff Jan Delay nicht ausschließlich auf neues Material zurück.

Mit „Klar“ kam früh einer seiner bekanntesten Solohits. Später folgte „Oh Jonny“, das in Wiesbaden sogar mehrfach aufgegriffen wurde. „Feuer“, „Eule“ und „St. Pauli“ gehörten ebenfalls zu den dokumentierten Songs des Abends.

Gerade die älteren Nummern sorgten dafür, dass auch diejenigen problemlos einsteigen konnten, die das neue Album noch nicht auswendig kannten.

Delay brauchte dabei keine langen Aufforderungen. Ein paar Bewegungen auf der Bühne, ein kurzer Zuruf ins Publikum, und schon gingen die Arme zwischen den Strandkörben nach oben.

Funk, Hip-Hop und Disco ohne Schubladen

Jan Delay hat sich musikalisch ohnehin nie besonders lange in einer einzigen Ecke aufgehalten.

Seine Karriere führte vom Hip-Hop der Beginner über Reggae und Soul bis zu Funk, Rock und Disco. Auf der Bühne verschwimmen diese Grenzen noch stärker. Ein Song groovt, der nächste drückt mit Bläsern nach vorne, kurz darauf landet Delay wieder bei Rap.

Das wirkt nicht wie ein zusammengewürfeltes Best-of unterschiedlicher Genres. Disko No. 1 hält den Sound zusammen.

Gerade deshalb entsteht bei seinen Konzerten dieser spezielle Sog. Man kann die Musik analysieren.

Oder einfach tanzen.

Wiesbaden entschied sich ziemlich eindeutig für Variante zwei.

Die BRITA-Arena wird zur Tanzfläche

Das Strandkorb Open Air war 2021 eine der Antworten der Veranstaltungsbranche auf die weiterhin geltenden Pandemiebedingungen. Auch in Wiesbaden standen zahlreiche Konzerte und Comedyabende auf dem Programm, darunter Gentleman, Helge Schneider, Die Fantastischen Vier und Jan Delay.

Bei kaum einem Künstler passte der Gegensatz zwischen vorgeschriebenem Sitzplatz und Bewegungsdrang allerdings so schön wie an diesem Abend.

Die Menschen waren gekommen, um endlich wieder Livemusik zu hören.

Jan Delay lieferte ihnen Disco.

Still sitzen konnte später jemand anderes.

Text & Foto Jan Heesch

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