Uriah Heep live beim Gießener Kultursommer 2026 am Kloster Schiffenberg

Uriah Heep feiern Rockgeschichte auf dem Schiffenberg

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Ein warmer Sommerabend, alte Mauern und Gitarren, die keine lange Anlaufzeit brauchen: Am 25. August 2026 wurde das Kloster Schiffenberg bei Gießen zur Rockbühne. Beim Gießener Kultursommer trafen mit The New Roses und Uriah Heep zwei Generationen aufeinander, die musikalisch ziemlich gut zusammenpassten. Kein überladenes Spektakel. Dafür viel handgemachter Rock, ein Publikum mit Lust auf die großen Songs und eine Kulisse, die dem Abend ihren eigenen Charakter gab.

The New Roses bringen den Schiffenberg auf Temperatur

Den Auftakt übernahmen The New Roses. Die Wiesbadener mussten das Publikum nicht lange überzeugen und setzten von Beginn an auf druckvolle Gitarren, kernigen Hardrock und jene direkte Bühnenenergie, mit der sich die Band über die vergangenen Jahre weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat.

Das passte.

Statt sich mit der klassischen Rolle eines Supports zufriedenzugeben, nutzten The New Roses ihre Zeit auf der Bühne konsequent. Der Sound war erdig, die Gitarren standen im Vordergrund und vor der Bühne wurde es zunehmend lebhafter. Gerade in dieser Umgebung funktionierte der schnörkellose Rock besonders gut.

Uriah Heep übernehmen den Schiffenberg

Danach gehörte die Bühne einer Band, deren Geschichte bis ins Jahr 1969 zurückreicht. Uriah Heep haben Generationen von Rockfans begleitet, zahlreiche Besetzungswechsel erlebt und einen Katalog geschaffen, aus dem andere Bands problemlos mehrere Konzertabende bestreiten könnten.

Doch von musealer Rockgeschichte war auf dem Schiffenberg wenig zu spüren. Uriah Heep standen nicht dort, um ihre Vergangenheit einfach noch einmal abzuspulen. Die Band spielte mit Druck und sichtbarer Freude an Songs, die teilweise mehr als fünf Jahrzehnte überstanden haben.

Mit „Save Me Tonight“ ging es direkt hinein in den Abend. „Shadows of Grief“ folgte, bevor „Stealin’“ einen der ersten großen Klassiker lieferte. Spätestens hier sangen viele vor der Bühne mit.

Alte Klassiker treffen auf jüngere Uriah-Heep-Songs

Gerade die Mischung machte das Set interessant. Uriah Heep beschränkten sich nicht auf die erwartbaren Hits, sondern stellten jüngeres Material neben Songs aus ihrer klassischen Phase.

„Hurricane“ traf auf „The Wizard“, später folgten „Sweet Lorraine“ und „The Magician’s Birthday“. Dabei zeigte sich eine der großen Stärken dieser Band: Der typische Uriah-Heep-Sound ist sofort erkennbar. Gitarren, Keyboards, mehrstimmiger Gesang und diese Mischung aus Hardrock und progressiven Elementen haben einen Charakter, der sich kaum verwechseln lässt.

Vor dem mittelalterlichen Kloster bekam das Ganze noch einmal eine andere Wirkung. Wenn jahrzehntealte Rockmusik über den Schiffenberg zieht und hinter der Bühne das historische Gemäuer steht, braucht es tatsächlich nicht besonders viele zusätzliche Effekte.

„Gypsy“ führt zurück ins Jahr 1970

Mit „Gypsy“ ging die Reise schließlich ganz weit zurück. Der Song stammt vom Debütalbum „…Very ‚Eavy …Very ‚Umble“ aus dem Jahr 1970 und gehört zu den Stücken, an denen sich die musikalischen Wurzeln von Uriah Heep besonders deutlich erkennen lassen.

Dass solches Material 2026 auf einer Open-Air-Bühne immer noch funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Auf dem Schiffenberg wirkte es allerdings erstaunlich frisch. Gerade die längeren instrumentalen Passagen gaben den Musikern Raum und machten deutlich, dass bei Uriah Heep weiterhin die Band und nicht irgendeine Inszenierung im Mittelpunkt steht.

Dann wurde es groß.

„July Morning“ wird zum Höhepunkt

Mit „July Morning“ kam einer jener Songs, auf die viele im Publikum gewartet hatten. Der Klassiker nahm sich Zeit, baute seine Atmosphäre langsam auf und entwickelte gerade dadurch seine Wirkung.

Hier wurde es vor der Bühne merklich ruhiger. Zuhören statt Dauerfeuer. Und genau solche Momente taten dem Konzert gut, weil sie zwischen den härteren Passagen Platz schufen und zeigten, wie breit Uriah Heep musikalisch aufgestellt sind.

Ganz anders die Reaktion wenig später bei „Lady in Black“. Dieser Refrain braucht kaum eine Aufforderung. Das Publikum übernahm ihn und aus dem Konzert wurde für einige Minuten ein großer gemeinsamer Chor vor dem Kloster.

Ein Klassiker eben, der immer noch sitzt.

„Easy Livin’“ setzt den Schlusspunkt

Für die Zugabe kamen Uriah Heep mit „Sunrise“ zurück. Danach blieb noch ein Song, der an einem solchen Abend kaum fehlen durfte.

„Easy Livin’“.

Noch einmal zog die Band das Tempo an. Die Gitarren drückten, das Publikum ging mit und Uriah Heep beendeten ihren Auftritt mit einem Stück, das seit den frühen 1970er-Jahren zum festen Fundament ihrer Geschichte gehört.

Der Abend beim Gießener Kultursommer funktionierte gerade deshalb so gut, weil die Kombination stimmte. The New Roses brachten modernen, geradlinigen Hardrock auf den Schiffenberg. Uriah Heep griffen anschließend auf mehr als fünf Jahrzehnte Bandgeschichte zurück, ohne dabei wie eine nostalgische Rückschau zu wirken.

Und als schließlich „Easy Livin’“ über das Klostergelände donnerte, brauchte niemand mehr eine Erklärung dafür, weshalb diese Songs nach so vielen Jahren noch auf großen Bühnen stehen.

Setlist Uriah Heep

  1. Save Me Tonight
  2. Shadows of Grief
  3. Stealin‘
  4. Hurricane
  5. The Wizard
  6. Sweet Lorraine
  7. The Magician’s Birthday
  8. Gypsy
  9. July Morning
  10. Lady in Black

Zugabe:

  1. Sunrise
  2. Easy Livin‘

Text & Foto © Jan Heesch

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