Donnerstag 30. Mai 2024

Ilse Lang ist Ehrenbürgerin der Stadt Worms

Die Abstimmung im Stadtrat hätte eindeutiger nicht sein können: Einstimmig wählte das Gremium Ilse Lang in seiner gestrigen Sondersitzung die Wormser Unternehmerin Ilse Lang zur Ehrenbürgerin.

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„In dankbarer Anerkennung ihres engagierten Einsatzes“

Hinter der eher schnörkellosen Formulierung der Sitzungsvorlage „In dankbarer Anerkennung ihres engagierten Einsatzes im kulturellen und sozialen Bereich sowie ihres ungewöhnlichen und vorbildlichen Engagements verleiht ihr der Stadtrat gemäß § 23 der Gemeindeordnung von Rheinland-Pfalz das ´Ehrenbürgerrecht der Stadt Worms`“ steckt ein beispielhaftes Leben, das die zierliche Unternehmerin „ihrer“ Stadt gewidmet hat. 

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde, die höchste Auszeichnung, die eine Stadt vergeben kann, ist gewissermaßen die logische Konsequenz aus Ilse Langs Lebenswerk. Feste Kriterien zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde sieht die Gemeindeordnung nicht vor, die Tatsache, dass die Stadt Worms nur sparsam von dieser Ermächtigung Gebrauch macht, spricht allerdings für sich.

Ilse Lang, die den Rummel um ihre Person sichtlich kaum fassen kann, steht bescheiden wie immer neben Oberbürgermeister Adolf Kessel auf der Bühne des Mozartsaals. Lang ist die Liste ihres bürgerschaftlichen Engagements, sodass der OB in seiner Rede nur die großen Höhepunkte herausgreifen kann. Dasselbe gilt auch für die zahlreichen Auszeichnungen, die Ilse Lang bereits entgegennehmen konnte. 

Dabei begann ihr großes Engagement mit einem schweren persönlichen Schicksalsschlag: Der tragische Tod ihrer Tochter bewog die Unternehmerin dazu, Menschen in ähnlich dramatischen Situationen zu helfen: Die „Alexandra-Lang-Stiftung für Patientenrechte“ war geboren. Sie begleitet und berät Menschen, die Opfer von ärztlichen Behandlungsfehlern, Arzneimittel- und Medizinproduktschäden geworden sind. 

„Diese Stiftungsgründung war der Auftakt eines in den folgenden Jahren und bis heute einzigartigen Engagements für Worms und seine Bewohner“, weiß OB Kessel zu berichten. Zielstrebigkeit, Umsichtigkeit, Begeisterungsfähigkeit, Tatkraft und Spontanität bei gleichzeitiger Diszipliniertheit und Bescheidenheit attestiert der Stadtchef der Unternehmertochter, deren Name untrennbar mit der Firma Renolit SE verbunden ist. Ihr Vater, Jakob Müller, gründete 1946 die Renolit-Werke.

Mehrere Projekte liegen ihr am Herzen

Zu Ilse Langs erfolgreichsten Projekten gehört der Verein ALISA, 2012 umstrukturiert zur ALISA-Stiftung, mit seinem ALISA-Zentrum im Wormser Norden. Dort steht die Entwicklung von Persönlichkeiten im Fokus, sei es durch sportliche, kulturelle oder unterrichtsunterstützende Angebote für Kinder und Jugendliche. Zur ALISA-Stiftung gehören neben den ALISA-Zentren in Worms und Langs Geburtsort Kirn mehrere Ableger: ALISA-Sport e.V., die Bildungsinitiative Energie, der Alexandra-Lang-Jugendkunstpreis und die Wormser Ethik-Initiative, ein Arbeitskreis, der sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzt. Kinder des ALISA-Zentrums sind es auch, die den Mozartsaaal mit ihrer Body-Percussion-Performance kurze Zeit zum Beben bringen.

Ilse Langs Engagement im kulturellen und sportlichen Bereich – zwei Themen, die der Unternehmerin ebenfalls am Herzen liegen – geht jedoch weit über die ALISA-Stiftung hinaus. Seit 2007 gehört sie dem Kuratorium der Wormser Nibelungenfestspiele an, für die sie im Jahre 2015 auch das gesamte neue Lichtpaket sponsorte. Großzügige Spenden der Unternehmerin ermöglichten zudem den Wiederaufbau des historischen Kreuzganges des Andreasstiftes, der Heimat des Museums der Stadt Worms.

Daneben rief sie die Wormser Sportförderung ins Leben, unterstützte den Bau eines Kleinspielfeldes oder spendete 2008 einen größeren Betrag für die Anschaffung eines Kleinbusses für die erfolgreiche Damen-Mannschaft der Wormatia Worms. Daneben förderte sie in erheblichem Umfang Projekte weiterer Wormser Sportvereine, wofür sie bereits 2012 im Rahmen des Sportlerballs mit der Sportmedaille in Platin geehrt wurde. Bei Weitem ist dies allerdings nicht die einzige Würdigung, die Ilse Lang bisher zuteilwurde. In Worms wurde sie außerdem unter anderem mit der Verdienstmedaille und dem Ehrenring ausgezeichnet, außerdem ist sie Trägerin des Verdienstordens des Landes Rheinland-Pfalz, des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

„Doch, das geht!“

„Ilse Lang lebt und arbeitet nach dem Motto „Doch, das geht!““, bescheinigt ihr Dr. Klaus Karlin, der für den Stadtrat das Wort ergreift. Festredner Professor Dr. Karl-Rudolf Korte beschrieb in seinem Beitrag „Ilse Lang und die Freiheit“ die „Grammatik der Freiheit“ der Unternehmerin, die aus seiner Sicht auf drei Grundpfeilern basiert: Ilse Lang sei eine Partizipationslotsin, eine Feministin und eine Wutbürgerin zugleich. Dabei sei sie gleichzeitig ein „wandelnder Bescheidenheitsimperativ“ – treffender könnte man die zierliche, aber zielstrebige Frau wohl kaum charakterisieren.

Dies wird auch in Ilse Langs kurzen, gleichwohl prägnanten Dankesworten deutlich: „Ich werde versuchen, verantwortungsvoll mit der Ehrung umzugehen“, beteuert Ilse Lang, und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich hoffe, dass Sie sich nicht vertan haben!“ Mit einem kurzen Dank an Familie und die Renolit SE samt Belegschaft sowie einem knappen „Das war‘s“ verschwindet Ilse Lang wieder von der Bühne, allerdings begleitet von stehenden Ovationen des begeisterten Publikums im Mozartsaal. 

Emotional wird die Atmosphäre nochmals bei Sinatras Klassiker „My Way“, auf Wunsch der Geehrten meisterhaft dargeboten von der Gauß-Big Band mit Martin Holl am Mikrofon.

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