Mit knapp siebzig Jahren steht Billy Idol auf der Bühne der Brita Arena in Wiesbaden – und macht deutlich: Dieser Mann ist noch lange nicht fertig. Der britische Punkrocker und MTV-Held der Achtziger zeigte an diesem lauen Sommerabend eindrucksvoll, dass seine rebellische Energie, seine Stimme und sein ikonischer Sneer nichts von ihrer Wirkung verloren haben.
Gleich zu Beginn mit dem neuen Song „Still Dancing“ machte Idol klar, dass er keine reine Nostalgie-Show abliefern würde. Dennoch fehlten die Klassiker nicht: Mit „Cradle of Love“ und „Flesh for Fantasy“ heizte er dem gut gefüllten Stadion früh ein. Die Fans – ein generationenübergreifendes Publikum zwischen Originalzeitzeugen und TikTok-Zeitalter – feierten ausgelassen.
Der Song „77“ schlug die Brücke zurück zur britischen Punk-Explosion, bevor mit „Eyes Without a Face“ das erste große Mitsing-Moment den Abend einläutete. Gänsehaut garantiert.
Ein absoluter Höhepunkt war das virtuose Gitarrensolo von Steve Stevens, das sich zu einem epischen Medley entwickelte: Mit Zitaten aus „Over the Hills and Far Away“, Van Halens „Eruption“ und sogar einem Stück aus „Stairway to Heaven“ bewies der langjährige Weggefährte Idols einmal mehr, dass er zu den unterschätztesten Gitarristen seiner Generation zählt.
Covers wie „Mony Mony“ und „Gimme Shelter“ bekamen eine schweißgetränkte, rotzige Billy-Idol-Behandlung – ganz so, als hätten sie nie jemand anderes gehört. Mit „Ready Steady Go“ zollte er seinem Punk-Erbe bei Generation X Tribut, während „Too Much Fun“ und die Kombi „Blue Highway / Top Gun Anthem“ nochmal seine musikalische Spannbreite zeigten.
Als dann der unverwüstliche Klassiker „Rebel Yell“ den regulären Set abschloss, gab es kein Halten mehr. Doch das Publikum bekam noch mehr: Im Zugabenblock riss „Dancing With Myself“ die Menge endgültig mit. „Hot in the City“ brachte die Sommernacht zum Kochen, bevor Idol mit dem emotionalen „People I Love“ ungewohnt persönlich wurde – und schließlich mit „White Wedding“ ein fulminantes Finale lieferte.
Billy Idol ist kein Retro-Act – er ist ein lebendiger Beweis dafür, dass Rock’n’Roll nicht altert, solange das Herz wild schlägt und die Faust in der Luft ist. Wiesbaden wurde Zeuge einer Show voller Energie, Attitüde und echter musikalischer Klasse.
Text und Bilder by Jan Heesch




































