Mannheim – Premiere von „Cabaret“ im Capitol: Glanz, Tiefgang und bedrückende Aktualität

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Mannheim. – Eine Reise in die schillernde, aber zugleich düstere Welt Ende der 1920er-Jahre,  erlebten die Besucherinnen und Besucher am Wochenende bei der Premiere von „Cabaret“ im Capitol. Vor nahezu ausverkauftem Haus präsentierte das Ensemble eine Eigenproduktion, die mitreißend unter die Haut ging: starke Schauspiel- und Gesangsleistungen, ein spielfreudiges Orchester und eindrucksvolle Kostüme machten den Abend zu einem Erlebnis. Die Grundlage bot das gleichnamige Broadway-Musical aus dem Jahr 1966, dessen Melodien viele Gäste auch aus der berühmten Verfilmung mit Liza Minnelli noch im Ohr hatten. In Mannheim überzeugte die Eigenproduktion nicht nur musikalisch, sondern auch durch ihre eindringliche Inszenierung.

Eine Liebesgeschichte im Schatten des politischen Umbruchs

Im Mittelpunkt steht der amerikanische Autor Clifford Bradshaw (Sascha Stead), der in Berlin Inspiration und Abenteuer sucht. Dort begegnet er der Nachtclubtänzerin Sally Bowles (Jennifer Siemann). Aus einer Zweckgemeinschaft in seiner Wohnung entwickelt sich eine stürmische Romanze – überschattet vom politischen Klima der Zeit.

Parallel findet auch Vermieterin Fräulein Schneider (Susan Horn) in Herrn Schultz (Tilmann Madus) ihr spätes Glück. Doch die Verlobung wird von Antisemitismus überschattet: Schultz wird zur Zielscheibe des Nationalsozialisten Ernst Ludwig (Tim Stolberg). Die Situation eskaliert, ein Anschlag auf sein Geschäft zerstört das gemeinsame Glück. Schneider zieht die bittere Konsequenz: Eine Ehe sei unter den Umständen nicht möglich.

Cliff will Deutschland mit Sally verlassen, doch sie hält die politischen Verwerfungen für vorübergehend. Statt der gemeinsamen Flucht entscheidet sie sich für eine Abtreibung – eine tragische Zäsur in der Handlung.

Starke Stimmen und intensive Momente

Das Ensemble überzeugte mit gesanglicher und schauspielerischer Qualität. Jennifer Siemann als Sally Bowles brillierte gleich zu Beginn mit „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ und prägte den Abend mit starker Bühnenpräsenz. Emotional besonders eindrucksvoll war Susan Horn als Fräulein Schneider, die mit dem Lied „Wie geht’s weiter“ die Zerrissenheit ihrer Figur tief bewegend transportierte.

Auch die musikalischen Showeinlagen setzten Akzente: „Money“ wurde von Conférencier Andrea Matthias Pagani und den Showgirls mit bissigem Humor in Szene gesetzt – ein Kontrast, der die politischen Abgründe noch deutlicher hervortreten ließ.

Mehr als Unterhaltung

Die Premiere machte klar: Cabaret ist weit mehr als ein nostalgischer Blick zurück. Viele der Dialoge und gesellschaftlichen Spannungen wirken erschreckend aktuell. Die Inszenierung verband glitzernde Unterhaltung mit einem klaren gesellschaftspolitischen Auftrag: Kunst darf glänzen – muss aber auch mahnen.

Das Publikum feierte das Ensemble mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations. Das Capitol hat mit dieser Eigenproduktion gezeigt, dass es nicht nur unterhaltsame, sondern auch tiefgründige Theaterabende auf die Bühne bringen kann.

Weitere Aufführungen sind geplant am

  • 24. Oktober und 25. November um 20 Uhr, sowie am
  • 28. Dezember um 19 Uhr. Karten von 39 bis 53 Euro unter Telefon 0621 40171420. Webside:  capitol-mannheim.de

Text: Helmut Dell | Foto: Rene´ van der Voorden

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