Am 26. März 2026 bebte die Festhalle Frankfurt: Das erste von zwei restlos ausverkauften Konzerten der Kraftklub-Tour „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ geriet zu einer schweißtreibenden Machtdemonstration zwischen Indie-Rock, Rap-Attitüde und maximaler Publikumsnähe. Unterstützt wurden sie von Mia Morgan, die den Abend mit düster-glitzernder Intensität eröffnete.
Mia Morgan: Zwischen Melancholie und Wucht
Schon früh am Abend wurde klar: Das Publikum war nicht nur wegen des Headliners gekommen. Mia Morgan verwandelte die riesige Halle in einen emotional aufgeladenen Raum zwischen verletzlicher Introspektion und roher Energie.
Mit „Ein bisschen schlimmer“ und „silbertablett“ setzte sie direkt erste Ausrufezeichen, bevor sie mit dem unveröffentlichten „Biss für Biss“ einen spannenden Vorgeschmack auf Kommendes lieferte. Tracks wie „Immerx3“ und „Flügel voller Teer“ schraubten die Intensität weiter nach oben, während „(spielen mit den großen) JUNGS“ und „1000 KLEINE TODE“ das Publikum endgültig auf Betriebstemperatur brachten.
Mia Morgan gelang dabei das Kunststück, gleichzeitig verletzlich und unnahbar zu wirken – ein perfekter Spannungsbogen für das, was noch folgen sollte.
Kraftklub: Eskalation mit Ansage
Als Kraftklub schließlich die Bühne betraten, gab es kein Halten mehr. Der Opener „Marlboro Mann“ ließ die Menge sofort explodieren – dicht gefolgt von „Ein letztes Mal“ und „Teil dieser Band“, die wie eine kollektive Selbstvergewisserung der Fans wirkten: Wir sind das hier – und wir meinen das ernst.
Mit Klassikern wie „Ich will nicht nach Berlin“ und „Fahr mit mir (4×4)“ zeigte die Band ihre ganze Bandbreite zwischen Ironie und Euphorie. Politische Spitzen bei „So rechts“ wurden ebenso laut gefeiert wie das hymnische „Unsterblich sein“.
Ein Highlight der ersten Hälfte: Frontmann Felix verschwand für „Halts Maul und spiel“ mitten im Publikum – Chaos, Ekstase und Nähe pur. Noch intensiver wurde es bei „Kein Gott, kein Staat, nur du“, das gemeinsam mit Mia Morgan performt wurde und die Brücke zwischen Support und Headliner eindrucksvoll schloss.
Nähe, Wahnsinn und ein zweites Zentrum
Der B-Stage-Block brachte eine überraschende Wendung: Mit „Zeit aus dem Fenster“, „Kein Liebeslied“ und „Schief in jedem Chor“ verlagerte sich das Geschehen mitten in die Menge. Die Festhalle wurde zum 360-Grad-Erlebnis – jeder Winkel vibrierte.
Zurück auf der Hauptbühne folgte Hit auf Hit:
„Kippenautomat“, „Chemie Chemie Ya“, „Blaues Licht“ – keine Verschnaufpause. Das „Glücksrad“-Element bei „500 K“ brachte spielerische Spontaneität ins Set, während „Fallen in Liebe“ und „Schüsse in die Luft“ endgültig alle Dämme brechen ließen.
Mit „Randale“ erreichte das Konzert seinen titelgebenden Zustand: pure, ungefilterte Eskalation.
Zugabe: Euphorie bis zum letzten Ton
Doch natürlich war danach noch lange nicht Schluss. Die Zugabe begann mit „Wenn ich tot bin, fang ich wieder an“ – ein Song, der live noch einmal eine ganz eigene Wucht entfaltet.
Mit „Am Ende“ (diesmal per Band-Glücksrad bestimmt), „Ein Song reicht“ und einem angedeuteten „Songs für Liam“-Snippet vom „Kippenautomat“ verabschiedeten sich Kraftklub schließlich – erschöpft, aber triumphierend.
Der erste Abend in Frankfurt war weit mehr als nur ein Konzert. Es war ein Statement:
Kraftklub bleiben eine der wichtigsten Live-Bands Deutschlands – politisch, laut, nahbar und absolut kompromisslos.
Gemeinsam mit Mia Morgan entstand ein Abend, der bewies, wie kraftvoll deutsche Pop- und Rockmusik 2026 klingen kann: roh, emotional und voller Leben.
Bilder und Text by Jan Heesch
Mia Morgan
Kraftklub









































































































