Industrie, die eine Ansichtskarte wert ist: Die Frankenthaler Zuckerfabrik
Das Erkenbert-Museum Frankenthal zeigt im Mai als Objekt des Monats in der Stadtbücherei einen Produktkatalog sowie die dazugehörige Preisliste der Porzellanmanufaktur F.W. Wessel (1949–1958). Am Mittwoch, 6. Mai um 16 Uhr stellt das Museumsteam das Objekt im Rahmen eines „Gesprächs zum Objekt des Monats“ vor.
In rund 30 bis 45 Minuten erhalten Besucherinnen und Besucher spannende Einblicke und haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mitzudiskutieren. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Friedrich Wilhelm Wessel betrieb zunächst ein Unternehmen im Maschinen- und Gerätebau im thüringischen Rudolstadt. Nach den massiven Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gründete er im Jahr 1949 eine neue Porzellanfabrik in der Mahlastraße 35 in Frankenthal, welches bereits im 18. Jahrhundert für bedeutende Porzellanherstellung bekannt war. Trotz dieses traditionsreichen Hintergrunds orientierte sich Wessels Produktion nicht unmittelbar an dem historischen Frankenthaler Porzellan aus der Ära Carl Theodors. Stattdessen setzte er auf eigene Formgestaltungen und verwendete darüber hinaus Modelle aus den Fabriken in Volkstedt-Rudolstadt und Passau. Kennzeichnend für seine Erzeugnisse sind vor allem aufwendig gearbeitete Spitzenverzierungen. Ein wichtiger Unterschied zu dem bis heute hochgehandelten „alten“ Frankenthaler Porzellan des 18. Jahrhunderts findet sich in der Zielgruppe: Während das barocke Porzellan exklusive Prestigeobjekte für Adel und Vermögende darstellte, produzierte Wessel eher eine Art „gehobener Massenware“ in einer preislichen Spannbreite, die auch einem kleineren Geldbeutel entgegen kam.
Mehr zum Objekt
Im Vergleich zu den klassischen Versandkatalogen großer Handelshäuser fällt das kleinformatige Heftchen im Format 21 x 15 cm freilich sehr gering aus: Es zeigt auf 47 Seiten insgesamt 50 Schwarz-Weiss-Fotografien, die das Sortiment der Manufaktur illustrieren. Die „Preisliste 1A – Figuren und Gruppen“ danebenliegend zeigt, was die zahlende Kundschaft für das „Weiße Gold“ zu entrichten hatte. In Kombination dürften Katalog und Liste sowohl im Handel selbst ausgelegen haben, wie auch als Offerte an mögliche Zwischenhändler versandt worden sein.
Als historische Quellen erweisen sich die beiden Objekte als besonders wertvoll: Die Produktnummern entsprechen nämlich exakt den Pressmarken, die sich am Boden des jeweiligen Erzeugnisses finden und ermöglichen somit dessen zweifelsfreie Indentifizierung. Die Preisliste gewährleistet dabei nicht nur die korrekte Handelsbezeichnung, z.B. eines „Kavalier[s] mit Blumenstrauß, Nr. 874“, sondern nennt auch dessen Einzelhandelspreis von 19,60 DM.
Mehr zum Projekt Das „Objekt des Monats“ ist ein gemeinsames Projekt des Erkenbert-Museums Frankenthal (Pfalz) und der Stadtbücherei, bei dem im Wechsel besondere Objekte des Museums in einer Vitrine im Eingangsbereich der Stadtbücherei ausgestellt werden. Hintergrund ist die derzeitige Schließung des Museums aufgrund anstehender Sanierungsarbeiten. Das Museum bleibt in dieser Zeit mit einer Reihe von Aktionen und Ausstellungen unter dem Motto „Das Museum in der Stadt“ für die Öffentlichkeit sichtbar.


