„Es kummt wie’s kummt“ – Chako zerlegt die Welt auf Pfälzisch mit Witz und Selbstironie

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KIRCHHEIMBOLANDEN- Ein Abend irgendwo zwischen Dubbeglas und Denksport: Wer in die Stadthalle an der Orangerie kam, bekam mehr als nur Kabarett – er bekam eine liebevoll zerlegte Weltanschauung auf Pfälzisch serviert. Chako, alias Christian Habekost, präsentierte sein Programm „Es kummt wie’s kummt“ und zeigte einmal mehr, warum der Alltag im Dialekt oft deutlich mehr Wahrheitsgehalt hat als jede Hochglanzdebatte. Mit gewohnt hohem Tempo, treffsicherem Sprachwitz und einer ordentlichen Portion Selbstironie nahm der Kurpfälzer sein Publikum mit auf eine Reise durch die Untiefen des ganz normalen Lebens. Dass er sich dabei selbst als „schuldbewussten alten Sack“ einordnete, kam ebenso gut an wie seine spitzen, aber nie verbissenen Seitenhiebe auf aktuelle Themen von Gendern bis kulturelle Aneignung.

Habekosts Stärke liegt dabei gerade darin, dass er Klischees nicht einfach reproduziert, sondern sie genüsslich gegen sich selbst wendet – und genau damit Nähe schafft. Das Konzept des Abends war klar: Sprache als Spielplatz, Alltag als Bühne, Gesellschaft als dankbares Ziel ironischer Beobachtung. Besonders dann, wenn er ins Erzählen kam, wurde es still im Saal – zumindest für pfälzische Verhältnisse. Etwa bei der Geschichte seiner Nichte, die im Publikum saß und auf das missbilligende Kopfschütteln einer Dame hinter ihr mit einem kernigen „Blunz“ reagierte, gefolgt von einem schnellen „bleedi“. Ein Moment, der irgendwo zwischen Fremdscham und Begeisterung pendelte – und genau deshalb so gut funktionierte. Die Bühne selbst blieb bewusst karg: ein Hocker, ein Dubbeglas.

Als promovierter Sprachwissenschaftler nahm er sein Publikum zudem mit in die Feinheiten der Dialekte. So erklärte er augenzwinkernd, dass man das Schwäbische „erst mit dem Spätzleschaber hervorkramen muss, um es dann aus den Maultaschen herauszuziehen“. Und natürlich durften sie nicht fehlen: die Schimpfwörter, jene sprachlichen Kronjuwelen jeder Region. Vom klassischen „Hannebambel“ bis zum „Labbeduddel“ spannte er den Bogen – um schließlich in der kreativen Wortschöpfung „Gewürztraminersüßeschorle-Mediumwasser-Strohhalmtrinker“ zu gipfeln. Ein Begriff, der allein schon als soziolinguistische Studie durchgehen könnte. Nach über zwei Stunden war Schluss – nicht abrupt, sondern eher wie ein guter Abend im Freundeskreis, der irgendwann einfach ausläuft. Denn, so viel wurde an diesem Abend klar: Es kummt wie’s kummt. Und manchmal ist das ziemlich unterhaltsam.

Text und Fotos: Helmut Dell

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