Mannheim – Für viele Menschen ist die Zeit rund um Karfreitag und Ostern weit mehr als nur ein Moment der Besinnung: Sie steht auch für Aufbruch, Hoffnung und neue Energie. Einen besonders eindrucksvollen Zugang zu diesen Gefühlen bot auch in diesem Jahr wieder die Rockoper „Jesus Christ Superstar in Concert“, die das Publikum im Capitol Mannheim gleich an zwei Abenden restlos begeisterte.
Seit ihrer Uraufführung im Jahr 1971 durch Andrew Lloyd Webber hat die Rockoper nichts von ihrer Faszination verloren. Im Gegenteil: Auch über fünf Jahrzehnte später zieht sie Menschen unterschiedlichster Generationen in ihren Bann. In Mannheim wurde schnell klar, warum – das Musiktheater schien aus allen Nähten zu platzen, als Fans und Neulinge gleichermaßen zusammenkamen, um die letzten Tage im Leben von Jesus von Nazareth in einer eindrucksvollen musikalischen Interpretation zu erleben.
Die Inszenierung unter der künstlerischen Leitung von Doris Marlis setzte bewusst auf Reduktion. Ohne opulente Bühnenbilder rückte sie das in den Mittelpunkt, worauf es wirklich ankommt: die Musik und die Emotionen. Gerade diese Konzentration verlieh dem Abend eine besondere Intensität und ließ Raum für die herausragenden Leistungen des Ensembles.
Allen voran überzeugte Sascha Krebs in der Rolle des Judas. Mit beeindruckender stimmlicher Kraft und schauspielerischer Tiefe zeichnete er das Bild eines innerlich zerrissenen Charakters – jede Geste, jede Nuance wirkte durchdacht und authentisch. Ebenso mitreißend präsentierte sich Ricardo Crecco als Jesus. Seine klaren, kraftvollen Höhen verliehen der Rolle eine eindringliche Präsenz, der sich niemand im Saal entziehen konnte.
Ein emotionaler Höhepunkt des Abends gelang Lucie Scherer als Maria Magdalena. Mit ihrer feinfühligen Interpretation von „I don’t know how to love him“ schuf sie einen magischen Moment, der das Publikum tief berührte und für Gänsehaut sorgte.
Auch die Nebenrollen waren hochkarätig besetzt: Sascha Kleinophorst und Daniel Würfel überzeugten als Simon und Petrus mit Charme und Spielfreude. Thomas Simon (Annas) und Stephen Shivers (Kaiphas) beeindruckten mit stimmlicher Wucht, während Monji El Beji als Herodes die Bühne mit markanter Präsenz dominierte. Darius Merstein-Mac Leod verlieh Pontius Pilatus die nötige Ernsthaftigkeit und emotionale Tiefe.
Ein besonderes Highlight war der Celebration Gospel Choir Mannheim. Mit rund 50 Sängerinnen und Sängern entfaltete er eine überwältigende Klangfülle, die das Publikum im besten Sinne mitriss. Unterstützt wurde das musikalische Geschehen von den „Soul Girls“ – Jeannette Friedrich, Melanie Haag und Irena Müller – die mit ihren Stimmen zusätzliche Glanzpunkte setzten.
Nicht minder beeindruckend agierte die Band unter der Leitung von Marcos Padotzke. Mit Präzision und Leidenschaft gelang es den Musikern, die gesamte Bandbreite der Komposition auszuschöpfen – von kraftvollen Rockpassagen bis hin zu gefühlvollen Balladen. Dabei erzeugten sie den vollen Klang eines großen Orchesters und trugen maßgeblich zur emotionalen Dichte des Abends bei. Ihr musikalischer Leiter schien mental komplett in seine Rolle während des Abends geschlüpft zu sein.
Auch die Lichttechnik erwies sich als essenzieller Bestandteil der Inszenierung. Sie unterstützte jede Szene stimmungsvoll und verlieh der bewusst schlicht gehaltenen Bühne eine eindrucksvolle visuelle Dynamik.
„Jesus Christ Superstar in Concert“ hat sich längst als feste Größe im Mannheimer Kulturkalender etabliert – und dieser Abend machte eindrucksvoll deutlich, warum. Es war ein Fest der Musik, der Emotionen und des gemeinsamen Erlebens. Die begeisterte Resonanz des Publikums sprach für sich: Diese Rockoper trifft einen Nerv, der zeitlos und zutiefst menschlich ist.
Ein Abend voller Herz, Intensität und musikalischer Exzellenz – und eine Erinnerung, die noch lange nachklingen wird.
Text und Fotos: Helmut Dell




























