SALÒ legt mit dem Album Hardcore, das am 10. April 2026 bei Phat Penguin erscheint, ein Werk vor, das weh tut und genau deshalb so notwendig ist.
Hardcore ist kein Stilzitat. Es ist eine Bestandsaufnahme. SALÒ schaut hin, wo andere längst weitergewischt haben. rotten.com ist dafür das präziseste Beispiel. Der Song verbindet Kindheit, Internet und Gegenwart zu einem kalten Strom aus Bildern. Gewalt erscheint nicht als Schock, sondern als Gewohnheit. Konsum läuft parallel. Beides passt nebeneinander auf denselben Bildschirm.
Zeilen wie Rot ist das Blut, weiß sind die Knochen funktionieren nicht als Provokation um der Provokation willen. Sie legen offen, wie schnell Extreme zur Normalität werden. Wenn es heißt, im Osten explodieren Kinder und gleichzeitig locken Rabattaktionen, dann ist das kein Zynismus. Es ist ein nüchterner Blick auf eine Realität, in der Tragödien und Sonderangebote im selben Feed stehen.
Musikalisch bleibt SALÒ kompromisslos. Anarcho Pop trifft auf Punk, Electroclash auf klare Hooks. Die Songs treiben nach vorn. Sie sind tanzbar und unbequem zugleich. Die Produktion wirkt bewusst direkt. Keine überflüssige Glättung. Die Energie bleibt roh.
Was Hardcore stark macht, ist die Verbindung aus Spott und Verletzlichkeit. SALÒ nimmt sich selbst nie aus. Zwischen Kapitalismuskritik und Überforderung blitzt immer wieder eine Form von Sehnsucht auf. Nach Nähe. Nach Echtheit. Nach einem Gefühl, das nicht algorithmisch sortiert ist.
Seit 2019 hat sich SALÒ von der Wiener Indie Szene in größere Clubs gespielt. Diese Entwicklung hört man. Die Songs haben Format. Refrains greifen schnell. Gleichzeitig bleibt die Haltung klar. Hardcore bedient keinen Trend. Es widerspricht ihm.
Stärken des Albums liegen in seiner textlichen Schärfe und seiner konsequenten Ästhetik. Schwächen zeigen sich höchstens dort, wo die Dichte an Bildern kaum Raum zum Atmen lässt. Manche Passagen fordern viel Konzentration. Doch genau diese Überforderung spiegelt das Thema des Albums.
Hardcore ist ein Album für eine Generation, die zwischen Dauerkrise und Dauerwerbung lebt. Es klagt nicht nur an. Es zwingt zur Auseinandersetzung. SALÒ liefert keinen Trost. Er liefert Reibung. Und genau darin liegt die Qualität.
Mit Blick auf die HARDCORE IST TOT TOUR 2026 dürfte dieses Material live seine volle Wucht entfalten. Die Songs sind gebaut für Enge, Hitze und kollektive Entladung.
Hardcore beweist, dass Pop politisch sein kann, ohne platt zu werden. Dass Punk nicht retro sein muss. Und dass Haltung tanzbar bleibt. SALÒ macht Krach, der nachhallt.

SALÒ
Hardcore
Label: Phat Penguin
VÖ: 10.04.2026
Genre: Punk
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