Warteschleife nach dem Abschluss: Warum sich Mut zu Zwischenschritten lohnen kann

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Arbeitsmarktexperte Robin Marsch (velpTEC) rät zu mehr Praxis, Orientierung und mutigen Zwischenschritten

Der Einstieg ins Berufsleben verschiebt sich zunehmend nach hinten. Immer mehr junge Menschen finden nach Ausbildungs- oder Studienabschluss nicht unmittelbar in eine feste Beschäftigung, sondern verbringen Monate – teils Jahre – in Übergangsphasen aus Praktika, befristeten Verträgen, Weiterbildungen oder bewusster Orientierung. Was früher als schneller Karrierestart galt, wird heute zur Warteschleife – mit spürbaren Folgen für Motivation, Planungssicherheit und Selbstvertrauen.

Analysen der Bundesagentur für Arbeit und des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)* zeigen: Der Übergang von Ausbildung oder Studium in stabile Beschäftigung dauert heute deutlich länger als noch vor einigen Jahren. Trotz anhaltendem Fachkräftemangel agieren viele Unternehmen angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Kosten und technologischer Umbrüche zurückhaltender – insbesondere bei Neueinstellungen von Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern.

„Nicht fehlende Motivation, sondern fehlende Orientierung“

Robin Marsch, Chief Commercial Officer von velpTEC, beobachtet diese Entwicklung seit Jahren in der praktischen Arbeit mit Teilnehmenden. Seine Einschätzung: Der verzögerte Berufseinstieg ist weniger ein individuelles Problem – sondern ein strukturelles.

„Viele junge Menschen kommen heute mit guten Abschlüssen, aber ohne klares Bild davon, wie sie ihre Fähigkeiten konkret im Arbeitsmarkt einsetzen können“, sagt Marsch. „Die Anforderungen verändern sich so schnell, dass klassische Ausbildungs- oder Studienwege allein oft nicht mehr ausreichen, um Sicherheit zu vermitteln.“

Hinzu komme eine wachsende psychologische Komponente: Angst vor Fehlentscheidungen, vor Überforderung und davor, den Anschluss zu verlieren. Sinn, Stabilität und persönliche Entwicklung stünden für junge Generationen zwar im Fokus – gleichzeitig würde aber die Sorge wachsen, den Erwartungen des Arbeitsmarkts nicht gerecht zu werden.

Warum Warten keine Lösung ist

Aus Sicht von Marsch ist die verlängerte Orientierungsphase ambivalent: Einerseits bietet sie Raum zur Neujustierung, andererseits droht sie zur Blockade zu werden.

„Problematisch wird es dann, wenn Unsicherheit zu Stillstand führt“, so Marsch. „Wer aus Angst vor der falschen Entscheidung gar keine trifft, verliert Zeit, Selbstvertrauen und im Zweifel auch Anschlussfähigkeit.“

Sein Rat an die Berufseinsteigerinnen und die Berufseinsteiger fällt deshalb klar aus: nicht auf den perfekten Moment warten, sondern gezielt ins Handeln kommen – auch über Zwischenschritte.

Drei Empfehlungen für einen stabileren Berufseinstieg

Aus seiner Erfahrung rät Robin Marsch jungen Menschen zu drei konkreten Ansätzen:

  1. Praxis vor Perfektion:
    „Nicht jede erste Stelle muss der Traumjob sein. Entscheidend ist, reale Berufserfahrung zu sammeln und Kompetenzen im Arbeitskontext anzuwenden.“
  2. Weiterbildung strategisch nutzen:
    „Gezielte, praxisnahe Weiterbildung kann helfen, Lücken zwischen Abschluss und Arbeitsmarkt zu schließen – besonders in digitalen Schlüsselkompetenzen wie KI oder Projektmanagement.“
  3. Orientierung aktiv gestalten:
    „Orientierungsphasen sollten bewusst strukturiert werden. Wer weiß, warum er etwas tut, gewinnt Sicherheit – auch nach außen gegenüber Arbeitgebern.“

Weiterbildung als Brücke – nicht als Umweg

velpTEC setzt genau an dieser Schnittstelle an: zwischen formaler Qualifikation und beruflicher Anschlussfähigkeit. Statt abstrakter Theorie stehen konkrete Anwendungsfelder, persönliche Begleitung und realistische Perspektiven im Mittelpunkt.

„Weiterbildung ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein Instrument zur Stabilisierung“, betont Marsch. „Gerade in unsicheren Zeiten kann sie helfen, Struktur zu schaffen und Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen.“

Der Ansatz richtet sich dabei nicht nur an klassische Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, sondern ebenso an Menschen nach Ausbildungsende, Studienabschluss oder ersten Jobstationen, die ihre Position im Arbeitsmarkt schärfen möchten.

Ein strukturelles Thema mit Zukunft

Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass Übergangsphasen künftig weiter an Bedeutung gewinnen werden. Lebensläufe verlaufen weniger linear, Berufsprofile verändern sich schneller, und kontinuierliches Lernen wird zur Voraussetzung für langfristige Beschäftigungsfähigkeit.

„Wir müssen lernen, Übergänge nicht als Lücken zu betrachten, sondern als gestaltbare Phasen“, so Marsch abschließend. „Wer frühzeitig Orientierung schafft und handlungsfähig bleibt, reduziert Unsicherheit – und erhöht langfristig seine Chancen.“

Weitere Informationen:
www.velptec.de

*IAB: https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Juengere/Generische-Publikationen/AM-kompakt-Herausforderungen-junge-Menschen.pdf?__blob=publicationFile

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