GRAVETY gehen auf „Of Cults And Chaos“ einen klaren Schritt weg vom reinen Retro-Doom und öffnen ihren Sound stärker in Richtung epischer Heavy Metal mit cineastischem Anspruch. Das hört man sofort an der Gitarrenarbeit. Die Riffs bleiben schwer und erdig, oft im Midtempo verankert, aber sie tragen mehr Bewegung in sich als auf den Vorgängern. Die Dual-Leads setzen gezielte Höhepunkte und erinnern stellenweise an klassischen Metal der Achtziger, ohne wie eine bloße Kopie zu wirken. Besonders in Songs wie „Brotherhood Of Sleep“ entsteht daraus eine dichte Spannung zwischen Wucht und Melodie.
Die Produktion unterstützt genau diesen Ansatz. Der Sound ist klarer als früher, ohne die nötige Rauheit zu verlieren. Die Gitarren stehen breit im Mix, die Drums wirken trocken und direkt, der Bass bleibt hörbar und gibt den Songs Substanz. Es gibt keine übertriebene Politur. Gleichzeitig fehlt manchmal der letzte Druck im Low End, vor allem in den langsameren Passagen. Dort könnte mehr physische Tiefe den ohnehin schweren Riffs noch mehr Gewicht geben. Positiv fällt auf, wie bewusst mit Dynamik gearbeitet wird. Ruhigere, fast schwebende Parts wechseln mit dichten Wänden aus Sound, ohne dass die Übergänge konstruiert wirken.
Im Songwriting zeigt die Band ihre größte Stärke. Die Tracks bauen sich logisch auf und bleiben hängen, ohne simpel zu werden. Refrains sind eingängig, aber nicht austauschbar. Viele Songs setzen auf klare Spannungsbögen statt auf lose aneinandergereihte Parts. Das zahlt sich aus, weil die Platte als Ganzes funktioniert und nicht nur über einzelne Hooks. Gleichzeitig liegt hier auch eine Schwäche. Einige Stücke greifen sehr ähnliche Strukturen auf. Midtempo Einstieg, atmosphärischer Break, epischer Refrain. Das funktioniert gut, nutzt sich über die Laufzeit aber leicht ab.
Thematisch ziehen GRAVETY ihr Konzept konsequent durch. Kosmischer Horror, Okkultismus, religiöse Motive. Die Bezüge zu Lovecraft und John Carpenter sind deutlich, aber nicht platt. „Brotherhood Of Sleep“ zeigt das gut. Die Band übersetzt die Idee eines unsichtbaren, schleichenden Bösen in eine musikalische Dramaturgie, die sich langsam aufbaut und dann entlädt. Diese Verbindung von Inhalt und Klang trägt das Album. Es wirkt geschlossen und durchdacht. Gleichzeitig bleibt der Zugang relativ klar. Man braucht kein Vorwissen, um die Atmosphäre zu verstehen.
Im Genre positioniert sich „Of Cults And Chaos“ zwischen klassischem Doom, Heavy Metal und modernerem, atmosphärischem Metal. GRAVETY orientieren sich hörbar an Vorbildern, behalten aber genug Eigenständigkeit. Sie setzen weniger auf extreme Härte und mehr auf Stimmung und Struktur. Das macht die Platte zugänglicher als viele Genrevertreter, birgt aber auch das Risiko, für Puristen zu glatt zu wirken.
Unterm Strich ist das ein starkes drittes Album. Die Band wirkt fokussierter, reifer und sicherer in ihren Entscheidungen. Die Mischung aus schweren Riffs, melodischen Leads und klarer Dramaturgie funktioniert. Kleine Schwächen in der Abwechslung und im Druck der Produktion bremsen den Gesamteindruck leicht, ändern aber nichts daran, dass GRAVETY hier ein überzeugendes, atmosphärisch dichtes Metal-Album vorlegen.
Text: CK

GRAVETY
Of Cults And Chaos
Label: Barhill Records
VÖ: 05.06.2026
Genre: Metal
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