Mit „Standing On The Moon“ meldet sich Port Noo nicht einfach zurück, sondern setzt einen bewussten Neustart. Die sechs Songs der neuen EP wirken nicht wie ein spontanes Comeback, sondern wie das Ergebnis einer langen inneren Bewegung. Nach mehreren Jahren Abstand vom klassischen Musikbetrieb klingt hier nichts nach Pflichtprogramm. Stattdessen hört man eine Künstlerin, die genau weiß, warum sie wieder Songs schreiben musste.
Port Noo bewegt sich weiterhin im Indie-Folk, öffnet den Sound aber deutlich breiter. Akustische Gitarren bilden das Fundament, doch darüber liegen warme Backing Vocals, zurückhaltende Synth-Flächen, punktuell rauere E-Gitarren und eine Produktion, die bewusst organisch bleibt. Gerade diese Mischung macht die EP stark. Sie will nicht geschniegelt klingen, sondern menschlich. Das passt.
Hannah Permanetters Stimme trägt das Zentrum dieser Songs. Sie ist melancholisch, aber nie schwerfällig. Sie bleibt nahbar, ohne sich in Intimität zu verlieren. Besonders deutlich wird das bereits in der ersten Single „Everyone Is Sad“, die genau dort funktioniert, wo viele Indie-Folk-Songs scheitern. Sie verwechselt Melancholie nicht mit Beliebigkeit. Der Song bleibt zugänglich, ohne banal zu werden, und trifft mit seiner stillen Beobachtung des emotionalen Grundrauschens der Gegenwart einen Nerv.
Songwriting ist ohnehin die größte Stärke dieser EP. Permanetter schreibt nicht in großen Gesten, sondern in präzisen Beobachtungen. Selbstkritik, Sehnsucht, Reibung mit dem eigenen Alltag und das leise Hinterfragen gesellschaftlicher Erwartungen ziehen sich durch die Songs. Das wirkt erwachsen, nicht abgeklärt. Gerade weil die Texte nicht permanent nach Bedeutung schreien, bleiben sie glaubwürdig.
Auch die Bandbesetzung trägt dazu bei. Die Background-Vocals von Rebecca Motzel und Paula Leitner geben mehreren Songs Tiefe, ohne ornamental zu wirken. Der Bass von Barbara Mayer sorgt für Erdung, während Martina Barakoskas Schlagzeugspiel angenehm songdienlich bleibt. Niemand drängt sich in den Vordergrund. Das stärkt die Platte.
Nicht alles ist perfekt. Auf 25 Minuten Laufzeit hätte man sich an manchen Stellen etwas mehr Mut zum Bruch gewünscht. Einige Arrangements bleiben bewusst im kontrollierten Midtempo-Bereich und riskieren dadurch, dass sich einzelne Stimmungen zu stark ähneln. Gerade weil Port Noo musikalisch deutlich mehr könnte, wäre an ein oder zwei Stellen mehr Kante spannend gewesen.
Trotzdem ist „Standing On The Moon“ eine sehr überzeugende Veröffentlichung. Die EP lebt nicht von Lautstärke, sondern von Haltung. Sie zeigt eine Musikerin, die nach Jahren nicht versucht, verlorene Zeit aufzuholen, sondern ihren eigenen Rhythmus gefunden hat. Im Indie-Folk zwischen Joni-Mitchell-Referenzen, 90er-Melancholie und klarem Popgespür entsteht hier etwas, das angenehm unaufgeregt und gerade deshalb relevant ist.
Port Noo liefert kein großes Drama, sondern starke Songs mit Substanz. Das reicht völlig.
Text CK

Port Noo
Standing On The Moon
Label: Pussy Empire Recordings
VÖ: 05.06.2026
Genre: Indie Folk
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TOURDATEN | Port Noo zur EP “Standing On The Moon”
präsentiert vom FRONTSTAGE MAGAZINE
05.06. Berlin, Salon Wellenmaschine (Tape Release Show) – Support: Hanna Fearns
10.06. Bremen, Weinbar Olive
11.06. Hamburg, Kreiselkonzert (zur Rettung der Sternbrücke in Altona)
13.06. Kiel, Hansa48
16.07. Blankenburg bei Augsburg, Walden Kulturwirtschaft (16 Uhr)
17.07. München, Milla Club – Support: Hanna Fearns

