Modest Mouse melden sich mit „An Eraser And A Maze“ nach fünf Jahren zurück und verschieben dabei den eigenen Referenzrahmen. Der Bruch mit Epic Records und der Wechsel zu Glacial Pace Recordings ist mehr als nur ein Labelwechsel. Man hört sofort, dass Isaac Brock hier mehr Kontrolle hat. Die Platte wirkt weniger glatt, weniger auf Anschlussfähigkeit getrimmt und gleichzeitig fokussierter als „The Golden Casket“.
Der Sound knüpft an mehrere Phasen der Band an, ohne in Nostalgie zu kippen. Gitarren stehen wieder stärker im Zentrum, kantig und trocken, oft mit bewusst roher Kante. Gleichzeitig bleiben die elektronischen Texturen erhalten, aber sie dienen eher als Atmosphäre statt als dominantes Element. Der Opener „Picking Dragon’s Pockets“ setzt den Ton. Treibend, hymnisch, mit einem Refrain, der sofort greift, ohne billig zu wirken. Hier zeigt sich die größte Stärke des Albums. Die Band kann wieder Spannung aufbauen, ohne sich in Effekten zu verlieren.

Modest Mouse
An Eraser And A Maze
Label: Glacial Pace Recordings / Virgin Music
VÖ: 05.06.2026
Genre: Alternative
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In der Produktion hört man die Handschrift von Brock, aber auch den Einfluss von Jackknife Lee, Suzy Shinn und Justin Raisen. Der Mix bleibt bewusst unpoliert. Dynamik statt Perfektion. Einige Tracks wirken fast fragmentarisch, was zur inhaltlichen Ausrichtung passt. Der Nachteil ist klar. Nicht jeder Song erreicht die gleiche Präzision. Gerade in der zweiten Hälfte verliert das Album stellenweise an Zug, einzelne Ideen wirken eher wie Skizzen als wie ausgearbeitete Kompositionen.
Songwriting ist der eigentliche Kern. Brock schreibt wieder direkter, weniger verklausuliert. „Look How Far“ bringt das auf den Punkt. Zynisch, reduziert, mit einer Zeile, die hängen bleibt. Gleichzeitig gibt es mit „Life’s A Dream“ oder „Third Side Of The Moon“ Momente, in denen die Band komplexere Strukturen ausprobiert. Das funktioniert nicht immer gleich gut. Wenn Modest Mouse zu sehr ins Abstrakte kippen, verlieren sie etwas von ihrer emotionalen Wucht.
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Mehr InformationenThematisch dreht sich alles um Wahrnehmung, Zeit und Identität. Die Idee, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren, zieht sich durch das Album. Das wirkt nicht wie ein Konzeptalbum im klassischen Sinn, eher wie ein lose verbundenes Gedankenprotokoll. Brock beschreibt sich selbst als emotional distanziert, fast beobachtend. Genau das hört man. Viele Songs wirken wie Momentaufnahmen, nicht wie abgeschlossene Erzählungen. Das ist spannend, aber auch sperrig.
Im Genre bleibt die Band im Kern Indie Rock, erweitert um experimentelle und leicht psychedelische Elemente. Im Vergleich zu früheren Alben wirkt „An Eraser And A Maze“ weniger verspielt als „Good News for People Who Love Bad News“, aber auch weniger überladen als „The Golden Casket“. Es ist ein kontrollierter Rückschritt und gleichzeitig ein vorsichtiger Neuanfang.
Die Stärken liegen klar in der klanglichen Konsequenz, der wiedergewonnenen Direktheit und einzelnen sehr starken Songs. Die Schwächen zeigen sich in der Uneinheitlichkeit und in Passagen, die unfertig wirken. Das Album verlangt Aufmerksamkeit und Geduld. Es belohnt das, aber nicht durchgehend.
Am Ende steht kein großes, geschlossenes Statement, sondern ein offenes System. Genau darin liegt der Reiz. Und auch das Risiko.
TEXT CK

