
a-ha in Mannheim: Comeback zwischen Gänsehaut und großen Hits
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Synthesizer drücken tief in die SAP Arena, grelle Lichtblitze schneiden durch die Dunkelheit und über die LED-Flächen laufen abstrakte Bilder. Dann stehen Morten Harket, Magne Furuholmen und Pål Waaktaar-Savoy wieder gemeinsam auf einer Mannheimer Bühne. Am 23. April 2016 erleben 8.000 Besucher a-ha in Mannheim auf der „Cast in Steel Tour“. Ein Comeback, das wenige Jahre zuvor kaum noch jemand erwartet hatte. Mit „I’ve Been Losing You“ beginnt die Reise zunächst nicht beim offensichtlichen Welthit, sondern tief in der eigenen Bandgeschichte.
2010 hatten sich die Norweger eigentlich verabschiedet. Fünf Jahre später folgten die Wiedervereinigung für Rock in Rio, das zehnte Studioalbum „Cast in Steel“ und schließlich eine neue internationale Tour. Das Trio machte damals allerdings keinen Hehl daraus, dass dieses Kapitel zunächst zeitlich begrenzt sein sollte. Umso größer war die Erwartung in Mannheim, wo a-ha laut Magne Furuholmen bereits rund 30 Jahre zuvor erstmals gespielt hatten.
„Cry Wolf“ und „Stay on These Roads“ holen die Achtziger zurück
Nach dem Auftakt folgen „Cry Wolf“, „Move to Memphis“ und „Stay on These Roads“. Schon diese ersten Songs zeigen, dass a-ha ihre Tour nicht als reine Greatest-Hits-Show aufgebaut haben. Stücke aus unterschiedlichen Phasen stehen nebeneinander, und die großen Klassiker werden nicht alle für das Finale aufgehoben. „The Swing of Things“ führt noch einmal zurück in die Achtziger, bevor mit „Cast in Steel“ der Titelsong des damals aktuellen Albums die Gegenwart übernimmt.
Die Bühne bleibt dabei elegant statt überladen. Lichtkegel bilden geometrische Strukturen, wechseln zwischen kühlen Blau- und Weißtönen und weicheren Farben. Die großen LED-Flächen greifen die Songs auf, ohne die drei Musiker dahinter zu verschlucken. Besonders auffällig: Anders als bei früheren a-ha-Shows steht nicht ausschließlich Morten Harket im visuellen Mittelpunkt. Magne Furuholmen und Pål Waaktaar-Savoy bekommen deutlich mehr Raum und ihre eigenen musikalischen Momente.
Harket selbst wirkt konzentriert. Diese Stimme ist ohnehin das Instrument, auf das viele an diesem Abend gewartet haben. Die hohen Passagen kommen noch immer erstaunlich klar, während seine unverwechselbare Klangfarbe selbst ruhigere Songs sofort als a-ha erkennen lässt.
Anneli Drecker macht „Crying in the Rain“ besonders
Bei „Crying in the Rain“ kommt Anneli Drecker stärker nach vorne. Die norwegische Sängerin begleitet a-ha auf diesem Teil der Europatour als Backgroundsängerin und teilt sich bei dem Everly-Brothers-Klassiker das Stück mit Morten Harket. Zwei Stimmen treffen auf eine Melodie, die seit a-has Version von 1990 selbst fest mit der Band verbunden ist. In Mannheim wird daraus einer der ruhigeren und emotionaleren Momente.
Danach wird die Setlist wieder ungewöhnlicher. „Mother Nature Goes to Heaven“, „We’re Looking for the Whales“, „Velvet“ und „Lifelines“ zeigen, wie groß der Katalog jenseits der bekannten Radiosingles inzwischen geworden ist. Gerade „Lifelines“ sorgt mit den Lichtern zahlreicher Smartphones im Publikum für eines jener Bilder, die eine große Arena plötzlich kleiner wirken lassen.
Mit „Here I Stand and Face the Rain“, „Scoundrel Days“ und „Sycamore Leaves“ wird der Sound anschließend wieder kantiger. Pål Waaktaar-Savoys Gitarre bekommt mehr Gewicht, Furuholmens Synthesizer treiben darunter. a-ha klingen hier weniger nach Hochglanzpop und deutlich mehr nach jener melancholischen New-Wave-Band, aus der sie ursprünglich hervorgegangen sind.
„Hunting High and Low“ gehört längst dem Publikum
„She’s Humming a Tune“ und „Foot of the Mountain“ führen schließlich zu einem Song, der praktisch ohne Hilfe funktioniert: „Hunting High and Low“. Sobald Morten Harket den Refrain ansetzt, übernimmt die SAP Arena. Hände gehen nach oben, Stimmen kommen aus den Rängen zurück und aus dem Song von 1985 wird auch drei Jahrzehnte später noch einer der stärksten gemeinsamen Momente des Abends.
Das ist überhaupt die interessante Spannung dieser Show. a-ha müssen ihre Vergangenheit nicht permanent erklären. Viele Melodien sind längst Teil der Popgeschichte. Gleichzeitig weigert sich die Band, nur Nostalgie zu liefern. Mit „Cast in Steel“ und später „Under the Makeup“ bekommen die neuen Songs bewusst prominente Positionen.
Gerade „Under the Makeup“ funktioniert in der Zugabe besonders stark. Akustisch und zurückgenommen gespielt, steht Harkets Stimme fast völlig frei im Raum. Keine große Showgeste nötig. Ein ruhiger Song reicht.
James Bond bringt die Arena noch einmal auf die Beine
Vorher eröffnet „The Sun Always Shines on T.V.“ den ersten Zugabenblock. Der Song gehört zu jener frühen Phase, in der a-ha Mitte der Achtziger innerhalb kürzester Zeit zu Weltstars wurden. Danach „Under the Makeup“, dann kündigt sich mit einem markanten Rhythmus ein völlig anderes Kapitel an.
„The Living Daylights“.
Der Titelsong des gleichnamigen James-Bond-Films von 1987 entwickelt sich live zu einem deutlich rockigeren Stück. Harket bewegt sich über die Bühne, die Band zieht das Finale weiter auseinander und das Publikum liefert den Refrain. Nach zwei Stunden wäre das ein vollkommen brauchbarer Schlusspunkt gewesen.
Ist es aber nicht.
Die Band verschwindet noch einmal.
„Take On Me“ muss bis zum allerletzten Song warten
Ein Lied fehlt.
Natürlich „Take On Me“.
a-ha lassen ihren weltweit größten Hit tatsächlich bis ganz zum Schluss liegen. Das berühmte Synthesizer-Motiv setzt ein und sofort verändert sich die komplette Halle. Jetzt stehen auch viele derjenigen, die große Teile des Konzerts aufmerksam von ihren Plätzen verfolgt haben. Smartphones gehen hoch, der Refrain wird tausendfach mitgesungen und Harket setzt noch einmal zu jenen hohen Tönen an, die diesen Song seit 1985 unverwechselbar machen.
21 Songs liegen zu diesem Zeitpunkt hinter Mannheim. Alte Albumstücke, Welthits, James Bond, neues Material und ein Comeback, das deutlich mehr bietet als nur eine weitere Runde „Take On Me“.
Der kommt trotzdem. Ganz zum Schluss. Und genau da gehört er hin.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













