
Cesar Millan in Mannheim: Wenn die SAP Arena zum Hundetraining wird
Beitrag teilen
Keine Gitarren, keine große Band und trotzdem 9.500 Menschen in der SAP Arena. Am 28. September 2014 gehörte die Mannheimer Bühne einem Mann, der durch seine Fernsehsendungen weltweit bekannt geworden war: Cesar Millan. Für den damals erstmals durch Deutschland tourenden Hundetrainer war Mannheim sogar der Schlusspunkt seiner „Leader of the Pack“-Tour. Und schon beim Blick in die Arena wurde deutlich, wie groß das Interesse war. Dort, wo sonst die Adler Mannheim Eishockey spielen oder internationale Stars Konzerte geben, ging es an diesem Sonntagabend um Hunde, ihre Menschen und vor allem um die Kommunikation zwischen beiden. Die SAP Arena dokumentiert für die Show 9.500 Besucher.
Für mich war das fotografisch ein ungewöhnlicher Termin. Normalerweise wartet man im Graben auf den Gitarristen, den Sprung des Frontmanns oder eine bestimmte Lichtstimmung. Hier musste der Blick viel weiter gehen. Cesar Millan stand zwar im Mittelpunkt, doch mindestens genauso interessant waren die Hunde und ihre Halter auf der Bühne. Ein Blick, eine Bewegung an der Leine, Millans Körpersprache, die Reaktion des Tieres. Vieles spielte sich in kleinen Gesten ab. Das machte den Abend visuell überraschend spannend.
Cesar Millan bringt „Leader of the Pack“ erstmals nach Deutschland
Durch „Dog Whisperer“, in Deutschland als „Der Hundeflüsterer“ bekannt, war Cesar Millan längst ein Fernsehstar. 2014 brachte er sein Wissen erstmals als große Live-Produktion auf deutsche Bühnen. Die Tour führte unter anderem durch Köln, Oberhausen, Berlin, Hamburg und Stuttgart, bevor sie am 28. September in Mannheim endete. Moderator Steven Gätjen begleitete die komplette Deutschlandtour und fungierte als deutsche Stimme der Show.
Das war wichtig, denn Millan sprach überwiegend Englisch. Gätjen übersetzte aber nicht trocken Satz für Satz, sondern wurde selbst Teil des Abends. Dadurch blieb das Tempo erhalten und aus einem mehrstündigen Vortrag wurde tatsächlich eine Bühnenshow. Millan erzählte von seinen Erfahrungen mit Hunden, erklärte seine Vorstellung von Körpersprache und Führung und demonstrierte immer wieder praktisch, was er damit meinte.
Der Einstieg war bewusst unterhaltsam gehalten. Schon der damalige Tourauftakt zeigte mit einem humorvollen Film und Millans lockerer Art, dass „Leader of the Pack“ keine trockene Hundeschule vor Tausenden Zuschauern sein sollte. Die Mischung aus Information, Unterhaltung und Live-Demonstrationen zog sich durch den gesamten Touraufbau.
Wenn Hunde aus dem Publikum auf die große Bühne kommen
Der spannendste Teil begann dort, wo Theorie plötzlich praktisch wurde. Für die Deutschlandtour waren Live-Trainings mit Hunden von Zuschauern Bestandteil der Show. Besitzer kamen mit ihren Tieren auf die Bühne und Millan demonstrierte direkt vor Publikum, wie er auf verschiedene Verhaltensweisen reagierte.
Genau dann wurde es in der SAP Arena teilweise erstaunlich ruhig. 9.500 Menschen schauten darauf, wie ein Hund auf wenige Bewegungen reagierte. Für eine Halle dieser Größe war das schon ein merkwürdiges Bild. Kein Feuerwerk, keine Lautstärke, kein großer Effekt. Stattdessen konzentrierten sich Tausende auf Körpersprache und auf die Frage, was als Nächstes passieren würde.
Beim Fotografieren war das der Moment, an dem man selbst genauer hinsah. Millan arbeitete viel über seine Körperhaltung, Position und Distanz zum Hund. Die großen Gesten einer klassischen Arena-Show fehlten. Dafür gab es Augenblicke, die nur wenige Sekunden dauerten und trotzdem das komplette Publikum auf die Szene fokussierten.
Steven Gätjen hält die Verbindung zum Publikum
Dass Steven Gätjen an diesem Abend mit auf der Bühne stand, tat der Show gut. Er übersetzte Millans Erklärungen und gab ihnen gleichzeitig einen deutschen Rahmen. Gätjens eigene Vita führt die komplette „Leader Of The Pack Tour 2014“ vom 17. bis 28. September ausdrücklich als Moderation.
Zwischen ihm und Millan entwickelte sich dadurch ein lockerer Rhythmus. Der Amerikaner erklärte, demonstrierte und erzählte, Gätjen transportierte das Gesagte ins Publikum und brachte immer wieder Humor hinein. Das nahm dem Thema etwas von der Schwere und verhinderte, dass die Arena-Show wie ein Seminar mit 9.500 Teilnehmern wirkte.
Millan selbst wusste ohnehin, wie man ein großes Publikum erreicht. Jahrelange Fernseherfahrung war ihm anzumerken. Er bewegte sich selbstverständlich auf der Bühne, erzählte persönliche Geschichten und wechselte zwischen Erklärungen und praktischen Szenen, ohne lange Anläufe zu brauchen.
Zwischen Begeisterung und Kritik an seinen Methoden
Ganz ohne Kontroverse kam Cesar Millan allerdings auch 2014 nicht nach Mannheim. Seine Trainingsmethoden wurden schon damals von Teilen der Fachwelt und von Tierschutzorganisationen kritisiert. Zwei Tage vor dem Mannheimer Auftritt veröffentlichte etwa PETA Deutschland eine deutliche Stellungnahme gegen seinen Ansatz. Auch veterinärmedizinische Verhaltensexperten hatten aversive Methoden in seinem Training kritisiert.
Diese Diskussion gehörte deshalb zum Hintergrund des Abends, auch wenn auf der Bühne eine andere Botschaft dominierte. Millan sprach von Kommunikation, Verständnis und davon, dass Menschen lernen müssten, die Welt ihrer Hunde besser zu lesen. Seine Fans kamen genau deswegen. Viele kannten seine Arbeit seit Jahren aus dem Fernsehen und konnten ihn in Mannheim erstmals direkt erleben.
9.500 Besucher beim Tourfinale in Mannheim
Das eigentlich Erstaunliche zeigte sich beim Blick durch die Arena. 9.500 Zuschauer für eine Hundetrainer-Showwaren 2014 alles andere als selbstverständlich. Zum Vergleich: Drei Tage zuvor hatte Joe Bonamassa in derselben Halle vor 3.500 Besuchern gespielt. Millans Publikum war fast dreimal so groß.
Und das Publikum war breit gemischt. Hier ging es weniger um klassische Fanclub-Euphorie als um ein gemeinsames Interesse. Viele Besucher waren selbst Hundehalter, andere kannten Millan aus dem Fernsehen. Sobald ein Hund auf die Bühne kam, wanderte die Aufmerksamkeit sofort vom prominenten Trainer zum Tier. Das gefiel mir an diesem Abend besonders. Der Star stand zwar auf dem Plakat, aber die spannendsten Momente gehörten oft den Vierbeinern.
Nach Stationen quer durch Deutschland endete die erste deutsche „Leader of the Pack“-Tour damit ausgerechnet in Mannheim. 9.500 Menschen saßen in einer Arena und konnten minutenlang gebannt dabei zusehen, wie ein Mensch und ein Hund miteinander arbeiteten.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













