
Donots in Münster: 30 Jahre Punkrock auf dem Domplatz
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Donots in Münster: Am 17. August 2024 feierten Ingo Knollmann und seine Mitstreiter ihren 30. Bandgeburtstag dort, wo eine gewöhnliche Party längst zu klein gewesen wäre. Für den „Grand Birthday Slam Open Air“verwandelten die Donots den Domplatz beim Stadtfest „Münster Mittendrin“ in ihre persönliche Geburtstagsarena. 12.000 Tickets waren rasend schnell ausverkauft, es wurde das bis dahin größte eigene Konzert der Band.
Und eine normale Headliner-Show sollte dieser Samstag ohnehin nie werden. Wer vor den Donots spielen würde, blieb bis kurz vor den jeweiligen Auftritten geheim. Um 18.30 Uhr fiel der erste Vorhang.
Pascow, Leoniden und Olli Schulz als Überraschungsgäste
Den Anfang machten Pascow. Kein vorsichtiges Warm-up, sondern Punkrock mit ordentlich Druck. Danach übernahmen die Leoniden und brachten ihren nervösen, tanzbaren Indie-Rock auf den bereits gut gefüllten Domplatz. Als dritter Gast folgte Olli Schulz mit Band. Musikalisch nahm er etwas Tempo heraus, hielt das Publikum dafür mit seinen Geschichten und Ansagen bei Laune.
Die Mischung war eigenwillig. Genau deshalb passte sie.
Gegen 22 Uhr wurde aus der Geburtstagsparty endgültig ein Donots-Konzert. Nach einem Intro eröffneten die fünf Ibbenbürener mit „Auf sie mit Gebrüll“, direkt gefolgt von „Calling“ und „Wake the Dogs“. 30 Jahre Bandgeschichte wurden hier nicht chronologisch abgearbeitet. Die Donots warfen deutsche und englische Songs durcheinander, als müssten sie in zwei Stunden beweisen, dass drei Jahrzehnte Punkrock immer noch verdammt viel Bewegung erzeugen können.
Setlist zwischen „Wake the Dogs“ und „Stop the Clocks“
„Dead Man Walking“, „Pick Up the Pieces“ und „Apokalypse Stehplatz Innenraum“ hielten das Tempo hoch. Dann kam der erste prominente Gast zurück auf die Bühne: Sammy Amara von den Broilers unterstützte die Donots bei „Problem kein Problem“. Eine Verbindung, die bereits seit Jahren besteht und an diesem Abend weit mehr nach Freundschaft als nach kalkuliertem Gastauftritt aussah.
Mit „Saccharine Smile“, „Ich mach nicht mehr mit“ und „Dann ohne mich“ ging es weiter. Bei „Augen sehen“ wurde es deutlich ruhiger: Guido Knollmann trat mit Akustikgitarre in den Vordergrund und verschaffte dem Domplatz für einen Moment Luft. Danach zog „Solid Gold“ wieder an, ehe „Stop the Clocks“ einen der großen gemeinsamen Refrains des Abends lieferte.
Stillstand war allerdings nur eine kurze Option.
Ein Sofa fliegt über den Domplatz
Für „Kaputt“ verwandelten die Donots den Platz kurzerhand in ein überdimensioniertes WG-Wohnzimmer. Sofa, Couchtisch und Stehlampe standen bereit. Ingo Knollmann machte daraus prompt ein Transportmittel und ließ sich mitsamt Sofa über den Köpfen der Fans durch die Menge tragen. Der Couchtisch überstand die Aktion weniger souverän.
Solche Bilder erklären ziemlich gut, warum eine Donots-Show selten nach sauber durchchoreografiertem Rockbetrieb aussieht. Da geht auch mal etwas kaputt. Absichtlich.
Dann wurde es historisch. Mit Andreas „Kuddel“ von Holst und Vom Ritchie von den Toten Hosen standen zwei Musiker auf der Bühne, die für die Donots zu ihren frühen Punkrock-Idolen gehören. Gemeinsam spielten sie „Hier kommt Alex“, anschließend folgte mit „Blitzkrieg Bop“ der Ramones-Klassiker. 12.000 Menschen, der Dom im Rücken und Punkrock-Geschichte direkt vor der Nase.
„Don’t Look Back in Anger“ mitten im Publikum
Nach „Whatever Happened to the 80s“ war der reguläre Teil vorbei, doch gerade die Zugaben lieferten einen der stärksten Momente des gesamten Abends.
Plötzlich stand ein weißes Klavier mitten im Publikum. Jakob Amr von den Leoniden nahm Platz, Ingo Knollmann kam dazu und gemeinsam begannen sie Oasis’ „Don’t Look Back in Anger“. Kein gigantisches Bühnenspektakel. Kein Feuerwerk. Sänger, Klavier, tausende Stimmen. Der Domplatz übernahm den Refrain.
Danach durfte wieder eskaliert werden.
„Eine letzte letzte Runde“ führte in das Twisted-Sister-Cover „We’re Not Gonna Take It“, bevor „So Long“ den Birthday Slam beendete. Die dokumentierte Setlist umfasste 25 Songs beziehungsweise Einlagen und spannte den Bogen von frühen englischsprachigen Stücken bis zum Material von „Heut ist ein guter Tag“.
30 Jahre Donots wurden auf dem Domplatz deshalb nicht mit einer nostalgischen Rückschau gefeiert. Dafür war dieser Abend viel zu laut, zu chaotisch und zu lebendig. Donots in Münster fühlten sich eher an wie eine riesige WG-Party, bei der irgendwann Pascow, Olli Schulz, die Leoniden, Sammy Amara und Mitglieder der Toten Hosen klingeln und einfach bleiben.
Nur das Wohnzimmer war diesmal für 12.000 Leute ausgelegt.
Text & Foto © Jan Heesch














