Tony Hadley in Worms live beim Jazz & Joy Festival 2024

Tony Hadley in Worms: Goldene 80er beim Jazz & Joy

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Tony Hadley in Worms: Am Sonntag, 18. August 2024, gehörte die Sparkassen-Bühne auf dem Wormser Marktplatz einer Stimme, die den britischen Pop der 1980er-Jahre maßgeblich geprägt hat. Der frühere Spandau-Ballet-Frontmann setzte beim 33. Worms: Jazz & Joy den Schlusspunkt unter drei Festivaltage, zu denen insgesamt rund 17.500 Besucher in die Innenstadt kamen. Für Hadley war es der erste Auftritt beim Wormser Festival.

Dabei brauchte der Brite keine aufwendige Inszenierung, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein dunkler Anzug, eine eingespielte Band und vor allem diese Stimme. Mit „Feeling Good“ eröffnete Hadley sein Konzert und machte schnell klar, dass er die großen Songs seiner Vergangenheit weder vorsichtig behandelt noch als nostalgische Museumsstücke präsentiert. Kraft war reichlich vorhanden. Eleganz auch.

Spandau-Ballet-Hits holen die 80er zurück nach Worms

Mit „To Cut a Long Story Short“ ging es früh zurück zu den Anfängen von Spandau Ballet. „Highly Strung“ folgte, später standen „Through the Barricades“, „True“ und „Gold“ auf dem Programm. Die bei Setlist.fm dokumentierte Liste ist ausdrücklich als unvollständig gekennzeichnet, bestätigt aber genau diese zentralen Titel des Wormser Abends.

Und natürlich waren es diese Songs, auf die viele gewartet hatten.

Vor allem „Through the Barricades“ zeigte, wie viel Substanz Hadleys Stimme noch immer besitzt. Der Sänger bezeichnete das Stück auf der Bühne als seinen persönlichen Lieblingssong von Spandau Ballet und setzte entsprechend viel hinein. Kein hastiges Abspulen eines Pflichtklassikers. Die Ballade bekam Raum, Hadley zog die langen Passagen kraftvoll durch, das Publikum hörte erst konzentriert zu und feierte ihn anschließend umso lauter.

Bei „True“ war mit Zurückhaltung endgültig Schluss. Der 1983 veröffentlichte Welthit braucht kaum Anlauf. Schon die ersten Takte reichten, damit zahlreiche Stimmen auf dem Marktplatz übernahmen. Einige Songs altern. Andere scheinen sich gegen die Jahrzehnte schlicht zu weigern.

Tony Hadley zeigt in Worms mehr als Nostalgie

Der Abend wäre allerdings zu einfach beschrieben, würde man ihn auf eine reine 80er-Jahre-Show reduzieren. Hadley brachte auch Material seiner Solokarriere mit nach Worms. Sein 2024 erschienenes Album „The Mood I’m In“ widmet sich deutlich stärker Swing und klassischen Crooner-Einflüssen. In Worms tauchte diese Seite unter anderem bei „Feeling Good“ und dem eigenen Song „Walk of Shame“ auf.

Das passte erstaunlich gut.

Denn Hadley versuchte gar nicht erst, wie der junge Sänger aus den frühen Spandau-Ballet-Videos zu wirken. Er steht heute anders auf der Bühne, erzählt zwischen den Songs, nimmt sich Zeit und besitzt eine Gelassenheit, die dem Material guttut. Gleichzeitig kann er seine Stimme noch immer aufdrehen, wenn ein Refrain danach verlangt.

Zum heimlichen Höhepunkt abseits der großen Klassiker wurde „Alibi“. Der Solo-Song zeigte eine andere Seite des Abends: weniger kollektive Erinnerung, mehr großes Pop-Drama. Gerade solche Nummern verhinderten, dass das Konzert zur bloßen Hitparade einer vergangenen Epoche wurde.

„True“ und „Gold“ bringen den Marktplatz zum Mitsingen

Trotzdem führt an den großen Namen kein Weg vorbei. „True“ und „Gold“ gehören zu jenen Songs, bei denen Hadley kaum noch erklären muss, was als Nächstes passiert. Der Marktplatz erledigte den Rest.

Hadley selbst ging mit seiner Vergangenheit bemerkenswert offen um. Kurz vor Ende dankte er seinen früheren Kollegen von Spandau Ballet und machte deutlich, dass ohne diese gemeinsame Geschichte auch seine heutige Karriere nicht denkbar wäre. Eine Reunion schloss er zwar in der Vergangenheit wiederholt aus, die Songs behandelt er deshalb aber keineswegs mit Distanz.

Das hört man.

„Gold“ wurde entsprechend groß gefeiert. Der Refrain flog über den Platz, Menschen sangen mit, andere hielten ihre Telefone hoch. Kein überraschender Moment, aber einer, der funktionierte. Bei einem Sänger mit dieser Diskografie wäre es geradezu albern, künstlich nach einem Geheimtipp zu suchen, wenn ein paar Minuten später tausende Menschen dieselben Worte singen.

„We Are the Champions“ beendet Jazz & Joy 2024

Für den letzten Akzent griff Tony Hadley schließlich zu keinem eigenen Stück und auch zu keinem weiteren Spandau-Ballet-Klassiker. Er wählte „We Are the Champions“ von Queen. Hadley verband den Song in Worms mit einer persönlichen Erinnerung an Freddie Mercury, den er als Freund und wichtigen Wegbegleiter beschrieben hat. Die Widmung richtete er an diesem Abend ausdrücklich an die Fans.

Ein gewagter Song. Schließlich gehört Freddie Mercurys Original zu den Nummern, bei denen jeder falsche Ton gnadenlos auffällt.

Hadley wich der Herausforderung nicht aus. Noch einmal ging die Stimme nach oben, noch einmal sang der Marktplatz mit. Die dokumentierte Wormser Setlist endet ebenfalls mit „We Are the Champions“.

So endete auch das Jazz & Joy 2024, das drei Tage lang Jazz, Pop, Rock, Funk, Soul und weitere Spielarten auf vier Bühnen in die Wormser Innenstadt gebracht hatte. Tony Hadley brauchte für seinen Schlusspunkt keine große Überraschung. „Gold“, „True“, „Through the Barricades“, eine starke Band und eine Stimme, die noch immer erstaunlich viel Druck besitzt.

Bei „We Are the Champions“ sang Worms einfach mit.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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