Judas Priest in Mannheim mit Rob Halford bei der Invincible Shield Tour 2024 in der SAP Arena

Judas Priest in Mannheim: Metal-Götter lassen die SAP Arena beben

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Noch ist der Hauptact weit entfernt, da fliegen in der SAP Arena bereits die ersten Fäuste nach oben. Saxon stehen kurz vor 20 Uhr auf der Bühne, Biff Byford dirigiert die Menge und aus tausenden Kehlen kommen die Refrains zurück. Am 8. Juli 2024 treffen in Mannheim zwei Generationen britischer Heavy-Metal-Geschichte aufeinander: Saxon eröffnen, danach übernehmen Judas Priest mit ihrer „Invincible Shield Tour“. Die SAP Arena ist an diesem sommerlichen Montagabend gut gefüllt.

Das hier wird kein Abend für halbe Lautstärke.

Saxon brauchen keine Aufwärmphase

Mit „Hell, Fire and Damnation“ gehen Saxon direkt auf Angriff. Der Titelsong ihres im Januar 2024 erschienenen Albums klingt live noch eine Spur kantiger, danach folgen „Motorcycle Man“ und „Power and the Glory“. Spätestens bei „Heavy Metal Thunder“ muss niemand mehr daran erinnert werden, weshalb Saxon seit den frühen Tagen der New Wave of British Heavy Metal zu den verlässlichsten Live-Bands des Genres gehören.

Biff Byford steht vorne und braucht keine komplizierten Kommandos. Arm hoch. Publikum laut. Weiter.

„Crusader“ bekommt den erwartbar mächtigen Empfang, bei „Denim and Leather“ wird aus dem Support-Auftritt endgültig eine gemeinsame Metal-Geschichtsstunde. Gitarrist Brian Tatler, bekannt als Gründungsmitglied von Diamond Head, fügt sich neben Doug Scarratt bestens ein. „Wheels of Steel“, „747 (Strangers in the Night)“ und schließlich „Princess of the Night“ treiben das Set bis zum Ende. Rund eine Stunde reicht Saxon, um die Arena auf Betriebstemperatur zu bringen.

Dann Umbau.

Black Sabbaths „War Pigs“ läuft über die Anlage. Die Spannung steigt merklich.

Mit Panic Attack fällt der Vorhang

Als das Intro der „Invincible Shield Tour“ einsetzt, sind die Augen nur noch auf die Bühne gerichtet. Dann fällt der Vorhang.

„Panic Attack“.

Rob Halford steht zwischen Richie Faulkner, Andy Sneap und Ian Hill, Scott Travis thront hinter seinem Schlagzeug. Halford ist sofort unterwegs, schreitet über die Bühne, hebt das Mikrofon und feuert diese Stimme in die Halle. Mit inzwischen über fünf Jahrzehnten Bandgeschichte könnten Judas Priest ihre Shows bequem auf Nostalgie aufbauen. Sie tun es nicht.

Das aktuelle Album „Invincible Shield“, erschienen am 8. März 2024 als 19. Studioalbum der Band, liefert gleich den Auftakt. Später folgen „Crown of Horns“ und der Titelsong. Dazwischen greift die Band tief ins eigene Archiv.

„You’ve Got Another Thing Comin’“. „Rapid Fire“. Dann „Breaking the Law“.

Bei diesem Riff muss Halford kaum noch arbeiten. Mannheim übernimmt.

Rob Halford führt durch fünf Jahrzehnte Metal

Das Tempo bleibt hoch. „Riding on the Wind“ jagt durch die Arena, „Love Bites“ wird schwerer und dunkler, „Devil’s Child“ und „Saints in Hell“ ziehen die Schraube erneut an.

Und immer wieder Halford.

Schwarzes Leder, Sonnenbrille, die typischen Bewegungen, dann plötzlich einer dieser hohen Schreie, bei denen man unwillkürlich Richtung Bühne schaut. Seine Stimme hat noch immer diese metallische Schärfe, die Judas Priest unverwechselbar macht.

Richie Faulkner übernimmt daneben einen großen Teil der Bewegung. Gitarre tief, Blick ins Publikum, Soli ohne Zurückhaltung. Ian Hill bildet wie gewohnt das stoische Fundament, während Scott Travis hinter dem Kit kaum Gefangene macht.

Bei „Turbo Lover“ singt die Arena wieder geschlossen mit. „Invincible Shield“ zeigt anschließend, dass neues Material in diesem Set nicht wie eine Pflichtübung zwischen Klassikern wirkt. Dann kommt „Victim of Changes“.

Jetzt wird es richtig groß.

Painkiller, Harley und ein letztes Living After Midnight

Mit dem Fleetwood-Mac-Cover „The Green Manalishi (With the Two Prong Crown)“ nähert sich das reguläre Set seinem Ende. Danach zählt Scott Travis „Painkiller“ ein.

Keine Schonung.

Das Schlagzeug hämmert los, die Gitarren überschlagen sich und Halford legt noch einmal alles in diese Nummer. Danach verschwinden Judas Priest zunächst von der Bühne. Natürlich bleibt es nicht dabei.

„The Hellion“ erklingt und geht direkt in „Electric Eye“ über. Jetzt fehlen eigentlich nur noch zwei Rituale.

Das erste hört man, bevor man es richtig sieht.

Für „Hell Bent for Leather“ rollt Rob Halford auf der Harley-Davidson auf die Bühne. Leder, Motorrad, Heavy Metal. Seit Jahrzehnten gehört dieses Bild zu Judas Priest und wirkt in einer Arena voller Kutten noch immer herrlich kompromisslos.

Dann bleibt genau ein Song.

„Living After Midnight“.

Die Hände gehen ein letztes Mal hoch, der Refrain kommt aus der ganzen SAP Arena zurück. Kurz nach 23 Uhr ist Schluss.

Saxon hatten den Abend eine Stunde lang vorbereitet. Judas Priest haben ihn anschließend übernommen und gut hundert Minuten lang gezeigt, wie wenig das Wort „Legende“ bedeuten muss, solange eine Band auf der Bühne noch derart viel Druck erzeugt.

Setlist von Judas Priest in Mannheim

  1. Panic Attack
  2. You’ve Got Another Thing Comin‘
  3. Rapid Fire
  4. Breaking the Law
  5. Riding on the Wind
  6. Love Bites
  7. Devil’s Child
  8. Saints in Hell
  9. Crown of Horns
  10. Sinner
  11. Turbo Lover
  12. Invincible Shield
  13. Victim of Changes
  14. The Green Manalishi (With the Two Prong Crown)
  15. Painkiller

Zugabe:

  1. The Hellion / Electric Eye
  2. Hell Bent for Leather
  3. Living After Midnight
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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