Doro in Mannheim live bei der Forever Warriors Tour im Maimarktclub

Doro in Mannheim: Metal-Queen entfesselt den Maimarktclub

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Doro in Mannheim bedeutete am 17. November 2019 knapp zwei Stunden Heavy Metal ohne Sicherheitsabstand. Im Maimarktclub Mannheim machte Doro Pesch mit ihrer „Forever Warriors – Forever United“-Tour Station und brachte neben neuem Material vor allem jene Warlock- und Doro-Klassiker mit, auf die ihre Fans seit Jahrzehnten warten. Der Mannheimer Termin ist für den 17. November sowohl im damaligen Tourplan als auch in der dokumentierten Setlist verzeichnet.

Dass Doro Pesch auf einer Bühne keine lange Anlaufzeit benötigt, zeigte sich schon beim Auftakt. „Earthshaker Rock“ eröffnete den Abend, unmittelbar danach folgte mit „I Rule The Ruins“ der nächste Griff tief hinein in die Warlock-Vergangenheit. Nostalgieveranstaltung war das trotzdem keine. Doro stand nicht da, um ihre eigene Geschichte ehrfürchtig zu verwalten. Sie wollte feiern. Laut, direkt und mit jener beinahe unerschöpflichen Energie, die längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

Doro in Mannheim verbindet Warlock-Klassiker mit neuen Songs

Mit „Bastardos“ kam bereits früh Material vom damals aktuellen Doppelalbum „Forever Warriors, Forever United“ zum Einsatz. Es folgten „Raise Your Fist In The Air“, „Burning The Witches“ und „Fight For Rock“. Wer sich im Maimarktclub in den ersten Reihen befand, bekam kaum Gelegenheit, die Arme wieder herunterzunehmen.

Gerade die Mischung funktionierte. Doro setzte nicht einfach Block für Block ein paar neue Titel zwischen die alten Hits, sondern ließ mehr als drei Jahrzehnte Bandgeschichte ineinanderlaufen. „Rare Diamond“ traf auf „The Night Of The Warlock“, „Blood, Sweat And Rock ’n’ Roll“ auf „Soldier Of Metal“. Später standen sogar das lange nicht regelmäßig gespielte „Love Me In Black“ und eine Version des Judas-Priest-Klassikers „Breaking The Law“ im Programm. Die dokumentierte Mannheimer Setlist umfasste insgesamt 20 Positionen einschließlich Drumsolo.

Und dann war da diese Stimme.

Rau. Druckvoll. Sofort erkennbar.

Doro musste an diesem Abend niemandem beweisen, dass sie nach Jahrzehnten auf der Bühne noch immer Heavy Metal lebt. Man sah es ihr an. Sie suchte ständig den Kontakt zu den Fans, gestikulierte in die ersten Reihen, ließ das Publikum mitsingen und nahm sich zwischen den Songs immer wieder Zeit für direkte Worte. Gerade diese Nähe verhindert, dass eine Doro-Show zur routinierten Abfolge alter Hits wird.

„Forever Warriors, Forever United“ bringt frisches Material auf die Bühne

Das 2018 veröffentlichte „Forever Warriors, Forever United“ war Doros erstes Doppelalbum und brachte 25 Stücke in der vollständigen Edition zusammen. Auch bei den Gastmusikern hatte die Sängerin nicht gerade tiefgestapelt: Johan Hegg von Amon Amarth ist beim Duett „If I Can’t Have You, No One Will“ zu hören, Doug Aldrich steuerte ein Gitarrensolo zu „Heartbroken“ bei und Helge Schneider spielte Saxofon auf „Backstage To Heaven“.

Live brauchte Doro diese prominenten Namen nicht. Die eigene Band brachte genug Druck auf die Bühne. Gitarren und Schlagzeug blieben kompromisslos vorne, ohne die Songs unnötig aufzublasen. Besonders die neuen Stücke wirkten dadurch weniger wie Pflichtprogramm einer laufenden Albumtour und mehr wie selbstverständlicher Bestandteil des Sets.

„Blood, Sweat And Rock ’n’ Roll“ passte ohnehin perfekt in diesen Abend. Der Titel hätte auch als Arbeitsanweisung über dem Eingang des Maimarktclubs hängen können.

„Für immer“ sorgt für den emotionalsten Moment des Abends

Natürlich bestand der Abend nicht ausschließlich aus Vollgas. Bei „Für immer“ wechselte die Atmosphäre spürbar. Der Warlock-Song aus dem Jahr 1985 gehört seit Jahrzehnten zu den emotionalen Fixpunkten einer Doro-Show und wurde auch in Mannheim entsprechend aufgenommen. Viele Stimmen im Publikum übernahmen den deutschen Refrain. Für ein paar Minuten wurde aus dem Metal-Konzert ein großer gemeinsamer Chor. Die Ruhe hielt allerdings nicht lange.

Denn Doro hatte noch genügend Material im Köcher.

„Hellbound“ zog das Tempo wieder an, „All For Metal“ wurde zur programmatischen Hymne und spätestens bei „All We Are“ war der Maimarktclub endgültig in jenem Zustand angekommen, den dieser Song seit Warlock-Zeiten zuverlässig produziert: Fäuste oben, Refrain laut, Kehlen danach etwas rauer.

Dass die Sängerin zwischendurch immer wieder ihren Fans dankte, wirkte dabei nicht wie eine einstudierte Moderation. Bei Doro gehört dieses Verhältnis zum Publikum tatsächlich zur Show. Treue ist in ihrer Welt kein Marketingbegriff. Viele der Menschen vor ihr begleiten diese Musik schließlich seit den 1980er-Jahren.

Setlist im Maimarktclub reicht bis tief in Doros Karriere zurück

Die letzten Meter des Konzerts gehörten noch einmal der Vergangenheit. Nach „All We Are“ folgten unter anderem „Evil“, „Freunde fürs Leben“ und zum Ende „Metal Tango“. Damit spannte Doro den Bogen vom frühen Warlock-Material bis zum damals aktuellen Doppelalbum und vermied dabei genau das Problem, das viele Künstler mit einer derart langen Karriere bekommen: Der neue Stoff wirkte nicht wie die lästige Pause zwischen den Klassikern.

Vielleicht liegt darin ein Teil ihres Erfolgs. Doro Pesch behandelt einen Song von 1984 mit derselben Ernsthaftigkeit wie Material, das erst ein Jahr zuvor erschienen ist. Und wenn nach mehr als drei Jahrzehnten auf der Bühne eine Sängerin noch immer mit dieser Energie vor ihrem Publikum steht, bleibt vom Titel Metal-Queen weit mehr übrig als ein griffiger Beiname.

Im Mannheimer Maimarktclub war die Krone jedenfalls fest vergeben.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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